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2019-12-17: Sandy Schilling: Der neue soziale Quartiermanager

Zuletzt geändert: 27.02.2020 16:31:59 CET

Um den sozialen Zusammenhalt in Stadtgebieten mit erhöhtem Unterstützungsbedarf zu fördern, hat die Stadt Krefeld die Stelle eines Sozialen Quartiersmanagers im Geschäftsbereich Umwelt und Verbraucherschutz, Soziales, Senioren, Wohnen und Gesundheit eingerichtet. Der Soziologe Sandy Schilling konzentriert sich in dieser Funktion auf 13 ausgewählte Sozialräume in Krefeld. Seine Hauptaufgabe liegt in der Aktivierung, Beteiligung und Vernetzung von Akteuren zwischen Bürgern, Vereins- und Gemeinwesen, Verwaltung, Wirtschaft, Handel, Bildung und Politik. Im Interview spricht er über sein Aufgabenfeld und beschreibt die Ziele, die er als Sozialer Quartiersmanager verfolgt.

Sandy Schilling ist der neue Soziale Quartiersmanager der Stadt Krefeld.  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Sandy Schilling ist der neue Soziale Quartiersmanager der Stadt Krefeld.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Worin liegt die Besonderheit des Sozialen Quartiersmanagements?

Sandy Schilling: Soziales Quartiersmanagement ist die Daseinsvorsorge im engen Lebensumfeld von Menschen. Da geht es um Versorgungsstrukturen, die wir stärker in den Quartieren aufbauen wollen, aber auch darum, den Quartiersbewohnern Möglichkeiten aufzuzeigen, sozialen Zusammenhalt zu leben und gemeinsam mit anderen Nachbarn das Umfeld zu gestalten. Stadtentwicklung ist nämlich die gemeinsame Sache aller, nachteilige Lebensumstände dürfen kein Hindernis darstellen, sich einzubringen. Vielmehr zielt das Quartiersmanagement auch auf Menschen, die bisher noch wenig Gehör finden. Mit dem Thema „Quartier" ergänzen wir die Sozialplanung der Stadt um die Sozialraumorientierung. Diese ist eine freiwillige Aufgabe, an der die Stadt, die freien Wohlfahrtsverbände, die offene Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit und weitere Akteure beteiligt sind.

Was bedeutet Sozialraumorientierung in diesem Zusammenhang genau?

Sandy Schilling: Was in der sozialen Arbeit das Umfeld ist, ist für das Quartiersmanagement der Sozialraum. Zunächst bedeutet Sozialraumorientierung, dass die Lebenslage von Menschen innerhalb bestimmter Stadtgebiete stärker in den Blick genommen wird. Hier gilt: Es gibt eine beschreibbare soziale Situation für einen einzelnen Stadtraum. Nehmen wir das Thema „Soziale Teilhabe". Zugänge zu Hilfsangeboten, Beratungsdienstleistungen, Bildung und Arbeit sind nicht nur individuell, sondern auch in den jeweiligen Stadträumen unterschiedlich. Wenn die Teilhabe drastisch erschwert ist, entsteht eine sichtbare Unterversorgung, die bis in den baulichen Zustand von Quartieren reicht.

Welche Strategien kommen bei Ihrer Arbeit zum Einsatz, wenn dem Raum eine so starke Bedeutung zugewiesen wird?

Sandy Schilling: Lösungen für erschwerte Lebenssituationen können aus dem unmittelbaren Lebensumfeld kommen. Bei der Betrachtung der Quartiere muss ich zukünftig die Fragen beantworten können: „Welche sozialen Herausforderungen gibt es in verschiedenen Gebieten Krefelds" aber auch „Wer nimmt sich dessen an und welche Potentiale gibt es?". Der Begriff der lokalen Verantwortungsgemeinschaft ist dabei eine wichtige Arbeitsgrundlage. Bisher wird dieser Ansatz in der sozialen Arbeit verwendet. Sozialarbeiter suchen für ihre Klienten nach geeigneten Partnern im Umfeld, die bei der Lösung der Probleme unterstützen können. Diese reichen von Familie, Freunden und Nachbarn bis hin zur Infrastruktur in der Wohnumgebung. Als Quartiersmanager begebe ich mich auch auf diese Suche, allerdings nicht bezogen auf den Einzelfall, sondern im Hinblick auf die Infrastruktur in den Nachbarschaften. Hier gibt es bisher viele ungenutzte Möglichkeiten, Gelegenheitsstrukturen aufzubauen, wie etwa einen offenen Treff in der Nachbarschaft, in dem Bewohner aus dem Umfeld nicht nur Freizeit verbringen, sondern sich auch gemeinsam Rat oder Hilfe holen. Je vielfältiger die entstehenden Netzwerke sind, die sich kleinräumig kümmern, desto sozialinnovativer und zielgenauer sind häufig ihre Ansätze.

Können Sie schon konkret Herausforderungen für einzelne Sozialräume benennen?

Sandy Schilling: Wir haben zum Beispiel in Krefeld einen hohen Anteil an Ein-Personen-Haushalten. In der Altersverteilung zeigt sich, dass es in einzelnen Stadtgebieten vor allem eine hohe Anzahl an Single-Haushalten im Bereich der Senioren gibt. Das bedeutet, dass genau in diesem räumlichen Bereich mittelfristig Strukturen für Alter, Pflege und Wohnen geschaffen werden müssen, da familiäre Unterstützungen weitestgehend ausfallen. Gleichzeitig gibt es aber vielleicht Senioren, die neue Möglichkeiten für ein aktives und selbstwirksames Zusammenleben suchen.

Wie beurteilen Sie die Akzeptanz ihrer Arbeit als Quartiersmanager in der Stadt und innerhalb der Verwaltung?

Sandy Schilling: In unserer Stadt wurden bereits einige Quartiersprojekte erfolgreich durchgeführt, zum Beispiel das Altengerechte Quartier Südliche Innenstadt, Projekte aus dem Europäischen Sozialfond oder die Urbane Nachbarschaft Samtweberei. Nun müssen wir die Erfahrungen auf andere Gebiete in Krefeld übertragen. Die Politik wie auch die Wohlfahrtsverbände, Bürgervereine und Akteure der Stadtteilarbeit haben sich für die neue Stelle des Sozialen Quartiersmanagers ausgesprochen. Vor Ort bestehende Initiativen brauchen eine weitere Unterstützung. Gemeinsam mit verschiedenen Fachbereichen der Verwaltung möchte ich den Sozialraum als fachübergreifenden Gestaltungsraum zum Thema machen. Hier braucht es Profis, aber vor allem viele Verbündete, die in den ausgewählten Stadtgebieten leben und arbeiten. Das geht nur über Vertrauen und Ansätze, die sichtbare Veränderungen bewirken. Die Quartiersarbeit stärkt die vielfältigen sozialen Aufgaben der Stadt durch einen integrierten Ansatz. In den vielen Sondierungsgesprächen, die ich bereits auf verschiedenen Verwaltungsebenen geführt habe, gibt es eine hohe Bereitschaft, diese Entwicklung zu gehen.