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2018-06-26 Sammlungssatellit „Moving Mies" mit dem Becher-Schüler Volker Döhne

Zuletzt geändert: 26.06.2018 15:04:03 CEDT

Die Kunstmuseen Krefeld beginnen mit den „Sammlungssatelliten" eine neue Reihe, mit der ein anderer Blick auf die Museumssammlung geworfen werden soll. Zum Auftakt steht der Becher-Schüler Volker Döhne mit „Moving Mies - zwei Museen als Exponat" im Focus, der die aktuelle Sanierung der Bauhaus-Villen Haus Lange und Haus Esters foto-künstlerisch begleitet. „Für mich ist es ein Resümee, sich mit den beiden größten Stücken der Sammlung auseinanderzusetzen", so Döhne. In diesem Sommer geht er nach fast 40 Jahren als Fotograf und Gestalter an den Kunstmuseen Krefeld in Ruhestand.

Stellen die neue Reihe vor (v.l.): Andrea Hambloch, Filialleiterin Sparda-Bank West, Filiale Krefeld, Katia Baudin, Leiterin der Kunstmuseen Krefeld, Volker Döhne, Fotograf und Gestalter Kunstmuseen Krefeld, sowie Ursula Wißborn, Vorstand Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Stellen die neue Reihe vor (v.l.): Andrea Hambloch, Filialleiterin Sparda-Bank West, Filiale Krefeld, Katia Baudin, Leiterin der Kunstmuseen Krefeld, Volker Döhne, Fotograf und Gestalter Kunstmuseen Krefeld, sowie Ursula Wißborn, Vorstand Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Eine lange Folge von Kunst-Fotografien, Plakaten und über 150 Kataloge tragen die gestaltende Handschrift von Volker Döhne. Er fotografierte in den vergangenen Jahrzehnten die Ausstellungen anderer Künstler in den Mies-van-der-Rohe-Villen. Seine Bilder für „Moving Mies" werden ab 9. Juni in den kommenden Monaten mit wechselnden Motiven auf Litfaßsäulen und in drei Ladenlokalen in der Innenstadt in Kooperation mit dem Stadtmarketing Krefeld präsentiert.

Keiner kennt die Häuser besser als Volker Döhne", betont Musemsleiterin Katia Baudin. Er werfe mit dem Projekt einen sachlich-poetischen Blick auf die Bauhaus-Villen, so Baudin und würdigt die große Qualität seiner bisherigen Arbeiten. Bei „Moving Mies" geraten architektonische Details der Museen an der Wilhelmshofallee in den Blick, die fast malerisch-abstrakt wirken dank der präzisen Komposition seiner Fotografien. Döhne studierte von 1975 bis 1980 an der Kunstakademie Düsseldorf. Als maßgeblicher Impuls für die veränderte Wahrnehmung des Mediums der Fotografie kann dort die Begründung des Lehrstuhls für künstlerische Fotografie gesehen werden. Diesen hatte Bernd Becher in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau Hilla Becher bis 1996 inne. Der 1953 in Remscheid geborene Döhne gehörte zu ihrer ersten Klasse. Seine Werkgruppen stehen konzeptuell wie motivisch den Typologien Bernd und Hilla Bechers sehr nahe: Er entwickelte Serien wie Kleineisenindustrie (1977/78) oder Kleine Eisenbahnbrücken und Unterführungen im Bergischen und Märkischen Land (1979). Mit seiner Reihe Bunt (1979) experimentierte Döhne dem Titel entsprechend mit Farbe und emanzipierte sich von seinen Lehrern.

Ausstellung und Publikationen

Das Städel Museum in Frankfurt am Main zeigte vergangenes Jahr einige seiner Arbeiten in der Ausstellung „Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse". Anhand von rund 200 Fotografien der etablierten oder wiederzuentdeckenden Künstler Volker Döhne, Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Tata Ronkholz, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Thomas Struth und Petra Wunderlich ging die Ausstellung der Frage nach, welchen Einfluss Bernd und Hilla Becher auf ihre Studenten an der Düsseldorfer Kunstakademie ausübten. Im Herbst 2018 ist eine Ausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld geplant. Zuletzt wurde sein Buch „Köln am Dom" veröffentlicht, eine Serie von Aufnahmen des Welterbe-Bauwerkes. Döhne eröffnet mit seinem im Sommer 1996 gemachten Schwarz-Weiß-Bildern eine Perspektive auf eine Metropole ohne Glanz, in deren Nukleus der Dom alles überstrahlt. Der Dom bildet die Konstante in einem Sammelsurium der Architektur, wenigen historischen Gebäuden, Nachkriegsklötzen und was sonst noch in eine Baulücke passte.

Die neue Reihe „Sammlungssatelliten" wird von der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West finanziell unterstützt. In den vergangenen Jahren hat die Bank beziehungsweise ihre Stiftung unterschiedliche Sport- und Kunstprojekte in Krefeld gefördert. Zurzeit engagiert sich die Stiftung in zwölf Museen und Kunstvereinen in Nordrhein-Westfalen. Von dem „perfekten Konzept" der „Sammlungssatelliten" war Ursula Wißborn, Vorstand Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West, sofort begeistert. „Der Funke ist sehr, sehr schnell übergesprungen". Die Stiftung wird das Projekt in den kommenden zwei Jahren unterstützen.

Zum Auftakt des ersten Sammlungssatelliten „Moving Mies" findet am Samstag, 9. Juni, anlässlich des Kulturfestes „Kultur findet Stadt" um 15 Uhr ein Gespräch zwischen Baudin und Döhne in der Mennonitenkirche an der Königstraße statt. Von 12 bis 18 Uhr werden die Fotografien der Häuser Lange und Esters als Projektionen in den Ladenlokalen an der Friedrichstraße 121/Ecke St.-Anton-Straße, an der Königstraße 89 und an der Marktstraße 36 präsentiert. Kunstvermittler laden dabei zu Dialogen mit den Passanten ein. Die Projektionen sind dann montags bis samstags von 12 bis 19 Uhr bis voraussichtlich Ende Juli zu sehen. Die Plakataktion beginnt am Dienstag, 12. Juni, und wird vom Stadtmarketing wie vom Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus" unterstützt, in dessen Rahmen auch die Sanierungsarbeiten der Mies-Villen für das Bauhausjahr 2019 erfolgen. Während der Laufzeit des ersten Sammlungssatelliten bis Ende des Jahres wird ein Rahmenprogramm mit Workshops und Fahrrad-Touren für Jung und Alt angeboten. Weitere Informationen und das nächste Projekt in der Reihe „Sammlungssatelliten" stehen unter www.kunstmuseenkrefeld.de.