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Restauratorin lüftet kleines Geheimnis im Museum Burg Linn

Zuletzt geändert: 05.12.2018 12:36:18 CET

Das Kinderbildnis von Cornelius de Greiff hängt seit vielen Jahrzehnten im Jagdschloss der Burg Linn. Niemand ahnte, dass es ein kleines Geheimnis verbarg. Die Diplom-Restauratorin Antje Lewejohann hat dieses nun aufgedeckt: Während der Restaurierung des Gemäldes aus dem 18. Jahrhundert legte sie einen übermalten Bereich frei. „Der Hintergrund war übermalt, qualitativ nicht sehr hochwertig", so Lewejohann. Dieser zeigte noch einen aufgemalten Horizont. Diese historisch nicht wertvolle Nacharbeitung entfernte sie und brachte so einen exotischen Vogel wieder ans Licht, einen blauen Papagei mit einem roten Kopf, bunten Brust- und roten Schwanzfedern. Er hockt auf einer Stange in einem Vogelkäfig und blickt das Kind an.

Das Kinderbildnis von Cornelius de Greiff aus dem Jahr 1786/87.

Das Kinderbildnis wurde um 1786/87 von einem heute unbekannten Künstler gemalt. Es zeigt Cornelius im Alter von fünf oder sechs Jahren. Für die Zeit typisch trug er ein weißes Kinderkleid, das ein rosa Band zierte. Die Farbe für Jungen war damals rosa. Auf dem Kopf trägt er einen blauen Samthut mit roten Zierfäden und Federn sowie einer roten Schleife. In seiner rechten Hand hält er eine Spielzeugpeitsche, in der linken Hand die Pfote eines kleinen Hundes. Vermutlich hing das Bild schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Jagdschloss. Isaak de Greiff erwarb während der Besatzungszeit durch Frankreich 1806 die Burg Linn samt den Gebäuden in der Vorburg. „Bis 1924 blieb das Ensemble im Besitz der Familie, danach kaufte es die Stadt und richtet dort ein Museum ein", sagt Dr. Christoph Dautermann, stellvertretener Museumsleiter. Im Jagdschloss wohnte Isaak de Greiff mit seiner Frau Anna, eine geborene Floh, und seinen Söhnen Cornelius und Phillip. Die Gewohnheit von sich oder seinen Kinder Porträts anfertigen zu lassen, übernahmen großbürgerliche Familien wie die de Greiffs vom Adel. Dass Cornelius de Greiff auf diesem Gemälde vermutlich ein Kinderkleid aus Seide und einen Samthut trägt, also edle und teure Stoffe, ist auch ein Präsentieren des vorhandenen Reichtums. Diese Inszenierung mit einem seltenen exotischen Vogel zu zieren, mag den Anspruch unterstreichen, denn im 18. Jahrhundert galt der Besitz eines solchen Tieres noch als Statussymbol.

Detailaufnahme des Kindesbildes von Cornelius de Greiff. Foto: Presse und Kommunikation, D. Senger
Detailaufnahme des Kinderbildes von Cornelius de Greiff. Foto: Presse und Kommunikation, D. Senger

Schon bei der ersten Inaugenscheinnahme durch die Restauratorin offenbarte sich der schlechte Zustand des Gemäldes. Als der „Patient" in ihre Uerdinger Werkstatt an der Burgstraße kam, stellte Lewejohann Oberflächenabhebungen, Verluste der Malschicht, Löcher und eine vergilbte Firnis fest. „Es war zudem durch die Bildschicht genagelt worden. Das tut uns Restauratoren besonders weh", sagt sie. Mehrere Monate blieb das insgesamt hochwertig gemalte Bild für die Bearbeitung bei ihr. „Da ich als Kind schon immer im Museum Burg Linn unterwegs war, habe ich einen besonderen Bezug und mich sehr auf diese Arbeit gefreut", so die Krefelderin. Dabei dokumentierte und fotografierte sie jeden ihrer Arbeitsschritte unter anderem, welche Mittel und Material sie anwendete. Diese Beschreibung bildet in einigen Jahrzehnten für die weitere professionelle Erhaltung des Kulturgutes eine wertvolle Basis.

Die Restaurierung ermöglichte die Flachsmarkt AG, die während der dreitägigen Veranstaltung in den vergangenen Jahren immer wieder Geld für das Museum Burg Linn sammelte. „Wir stellen die Projekte an unseren Ständen mit Fotos und Texten vor", berichtet Alexander Raitz von Frentz von der Flachsmarkt AG. Fast 200 Euro kamen so zusammen, welche die AG auf 878 Euro erhöhte. Denselben Betrag stifteten die Freunde der Museen Burg Linn, um die Aufarbeitung zu finanzieren. Mit dieser Spendenbereitschaft stehen beide übrigens in guter Tradition mit dem abgebildeten Cornelius de Greiff.

Über das restaurierte Bildnis berichten:  Melanie Teeuwen  von der Flachsmarkt AG, Jeannine Moens, Vorsitzende der Museumsfreunde,  Diplom-Restauratorin Antje Lewejohann, Alexander Raitz von Frentz von der Flachsmarkt AG und Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Museumsleiter. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Über das restaurierte Bildnis berichten: Melanie Teeuwen von der Flachsmarkt AG, Jeannine Moens, Vorsitzende der Museumsfreunde, Diplom-Restauratorin Antje Lewejohann, Alexander Raitz von Frentz von der Flachsmarkt AG und Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Museumsleiter. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Mit seiner großen Erbschaft überraschte der Krefelder Kaufmann Cornelius de Greiff (1781 bis 1863) die Bürger der Samt- und Seidenstadt nach seinem Tod am 16. April 1863. Sehr beliebt war de Greiff zu seinen Lebzeiten nicht bei den Krefeldern. Nach seinem Rückzug aus dem Geschäftsleben galt er in der Bevölkerung nur noch als schrulliger Junggeselle, der geizig sein großes Vermögen hütete. Die öffentliche Meinung änderte sich jedoch schlagartig, als kurz nach seinem Tod das Testament eröffnet wurde. Er vermachte seiner Vaterstadt mit ihren damals 57 000 Einwohnern 458 000 Taler, darunter 120 000 Taler für ein Krankenhaus. Die Gemeinde Linn erhielt 8000 Taler für soziale Zwecke unter anderem ein Verpflegungshaus für bedürftige Betagte, Waisenhäuser und eine Leichenhalle. Als Dank für ihren Wohltäter errichtete die Stadt 1865 auf dem Ostwall die de-Greiff-Säule. Diese wurde bei einem Bombenangriff 1943 zerstört. „Die Erinnerung an ihn ist heute verblasst", so Dautermann. In Krefeld wird unter anderem mit dem Corneliusplatz und der Corneliusstraße an den Wohltäter gedacht.