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2019-02-19: Pflegekinderdienst der Stadt sucht Dauerpflegefamilien

Zuletzt geändert: 22.03.2019 10:57:40 CET

In Krefeld gibt es zurzeit rund 260 Pflegekinder, die dauerhaft in 200 Pflegefamilien untergebracht sind - Kinder, die aufgrund der schwierigen häuslichen Situation in ihrer Herkunftsfamilie nicht mehr leben können. Zu ihnen gehört auch Mona (Name geändert). Nachdem die mittlerweile Sechsjährige zuvor in einer Bereitschaftspflegefamilie versorgt wurde, kam sie über den Pflegekinderdienst der Stadt (PKD) im Alter von wenigen Monaten zu der Krefelder Familie Krüger (Name geändert). Bei ihr lebt Mona seitdem in der sogenannten Dauerpflege wie ein eigenes Kind. Hier erfährt sie Liebe und Zuneigung, einen regelmäßigen Tagesablauf und wie schön und wichtig es ist, Teil einer funktionierenden Familie zu sein.

Mitarbeiter aus dem Team des städtischen Pflegekinderdienstes: (von links) Frank Mader, Svenja Bednarzik, Christina Gierkens, Judith Heisig, Heike Waldeck, Sabine Michel. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Mitarbeiter aus dem Team des städtischen Pflegekinderdienstes: (von links) Frank Mader,
Svenja Bednarzik, Christina Gierkens, Judith Heisig, Heike Waldeck, Sabine Michel.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

„Wie in vielen anderen Kommunen auch, hat die Bereitschaft zur Aufnahme eines Pflegekindes im Laufe der vergangenen Jahre erkennbar nachgelassen", berichtet Judith Heisig vom PKD Krefeld. Der PKD sucht vor allem fortwährend Pflegeeltern für Säuglinge, Kleinkinder oder auch ältere Kinder, deren Rückführung ins Elternhaus nicht mehr möglich ist. In diesem Modell der unbefristeten Vollzeitpflege lebt das Pflegekind wie ein eigenes Kind in der Familie, bis es erwachsen ist. „Deshalb ist die Entscheidung, ein Pflegekind bei sich aufzunehmen, eine Entscheidung fürs Leben", sagt Heisig. Sie erfordert viel Einfühlungsvermögen und Geduld, trägt aber auch dazu bei, das eigene Leben sinnvoll und glücklich zu gestalten. Nadine Krüger (51) und ihr Ehemann konnten dies bereits in mehrfacher Hinsicht erfahren. Neben Mona gehören noch die leibliche Tochter Anna (24) und Adoptivsohn Alexander (19) zur fünfköpfigen Familie. Die Eltern erleben den ganz normalen Familienalltag, kennen jedoch auch die Herausforderungen, die mit der Aufnahme eines Pflegekindes verbunden sind.

Hauptmotivatione sind Wunsch, Kindern zu helfen, und ein unerfüllter Kinderwunsch

„Alexander haben wir im Alter von neun Monaten als Dauerpflegekind in unsere Familie aufgenommen. Zuvor war er drei Monate lang in einer Bereitschaftspflegefamilie.", berichtet Nadine Krüger. Das Pflegeverhältnis konnte später in eine Adoption umgewandelt werden, als der Junge in die Schule kam. Rund sechs Jahre später entschieden sich die Eheleute, einem weiteren Pflegekind dauerhaft ein stabiles Zuhause zu geben. Durch die Vermittlung des PKD kamen sie schließlich als Pflegeeltern für Mona in Frage. „Der intensive Wunsch, Kindern zu helfen, oder ein unerfüllter Kinderwunsch sind die beiden Hauptmotivationen, warum Familien Pflegekindern ein dauerhaftes Zuhause geben möchten", weiß Judith Heisig. Die Angst vor einer möglichen Rückführung zu den leiblichen Eltern kann sie den Pflegefamilien nehmen: Aufgrund der problematischen Situation in den Herkunftsfamilien ist dies für die von ihnen vermittelten Pflegekinder keine Option mehr.

Der Fachbereich Jugendhilfe hat die Krefelder Pflegeeltern mit ihren Kindern zu einer "Dankeschön"-Veranstaltung eingeladen. Oberbürgermeister Frank Meyer begrüßte die Familien auf dem Kirschkamperhof. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Der Fachbereich Jugendhilfe lädt die Krefelder Pflegeeltern mit ihren Kindern regelmäßig zu
einer "Dankeschön"-Veranstaltung ein, hier zum Kirschkamperhof.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Interessierte Familien, Paare, Singles oder Lebensgemeinschaften können sich beim PKD bewerben. Dieser wählt die Pflegeeltern nach den Anforderungen des jeweiligen Kindes aus. Die Bewerber sollten in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen leben und mit ihrem Einkommen unabhängig von den Leistungen sein, die sie für den Lebensunterhalt des Pflegekindes erhalten. „Nach einer eingehenden Beratung vorab müssen die Bewerber unter anderem ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis sowie einen Lebensbericht vorlegen", beschreibt Heisig die sogenannte Überprüfungsphase. Bei einem Hausbesuch prüft der PKD die Wohnverhältnisse der potentiellen Pflegeeltern. Ein umfangreiches Vorbereitungsseminar sowie ein abschließendes Gespräch bei den Bewerbern zu Hause führen schließlich zu der Entscheidung, ob diese als Pflegeeltern in Frage kommen.

Hilfeplangespräche ein- bis zweimal im Jahr

„Als Pflegeeltern muss man auch später bereit sein, seine Familie zu öffnen und sich mit vielen neuen Gedanken und Menschen auseinanderzusetzen", sagt Nadine Krüger. Das Pflegekind bringt nicht nur sich ein, mit ihm kommen andere Personen, die auch angenommen werden wollen, wie Verwandte, Vormünder, Sozialarbeiter. Monas Vormundschaft liegt beim Fachbereich Jugendhilfe, ihre Pflegemutter sieht jedoch darin keine Einschränkung oder Bevormundung: „Ein- bis zweimal im Jahr finden sogenannte Hilfeplangespräche mit dem zuständigen Sachbearbeiter des PKD und dem Vormund statt, in denen man zum Beispiel bespricht, wie sich das Kind entwickelt, welche Therapien es gegebenenfalls benötigt - eine professionelle Betreuung und Unterstützung, die man bei leiblichen Kindern nicht erhält", erklärt sie. Die regelmäßigen Treffen mit Monas leiblichen Eltern finden stets auf neutralem Boden, in den Räumen des PKD, und immer in Anwesenheit eines PKD-Sozialarbeiters statt. Generell werden die Pflegefamilien während der gesamten Betreuungszeit vom PKD begleitet und erhalten auch Hilfe in Konfliktsituationen. Darüber hinaus gibt es Informationsveranstaltungen und Gruppenangebote für Pflegeeltern.

Nähere Informationen zur Dauerpflege gibt es online. PKD-Mitarbeiterin Judith Heisig informiert und berät außerdem gerne unverbindlich. Sie ist telefonisch erreichbar montags bis donnerstags von 8.30 bis 14.30 Uhr.