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Pflastersteine auf dem Gehweg sollen die Luft reinigen

Die Stadt Krefeld hat auf einem 700 Meter langen Stück des Oranierrings einen neuen Gehweg gebaut. Das besondere an den im Mai verlegten Steinen ist deren Fähigkeit, unter Nutzung der sogenannten Photokatalyse, das gesundheitsgefährdende NOx-Spektrum (Stickoxyde) zu reduzieren. „Dies ist eine weitere Maßnahme im Rahmen der Luftreinhalteplanung. Wir erhoffen uns mit dem neuen Pflaster, die Werte weiter senken zu können", sagt Umwelt-Dezernent Thomas Visser. Der verwendete Baustoff „Airclean 2.0" des Betonsteinherstellers Lintel aus dem ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück ist eine Weiterentwicklung bisheriger Pflaster und wurde nun erstmals eingebaut. Er soll die dreifache Wirkung wie der Vorgänger haben. Das helle Pflaster sieht genauso aus wie normales Pflaster, verfügt aber in der sogenannten Vorsatzschale, dem oberen Teil des Steins, über Titandioxid. Und das packt das Problem beim Schopf. Die nachhaltige, chemische Wirkung der photokatalytischen Reduktion von Stickoxiden an Titandioxid-Oberflächen ist schon seit langem bekannt. Sie wird vermehrt auch in anderen Städten als Minderungsmaßnahme in der Luftreinhaltung im Straßenraum genutzt.

Das Pflaster auf dem Gehweg des Oranierrings. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Das Pflaster auf dem Gehweg des Oranierrings.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Die Umbaukosten für die insgesamt 2000 Quadratmeter liegen bei knapp 200.000 Euro brutto. Darin enthalten sind auch Bordsteinabsenkungen zur Förderung der Barrierefreiheit. Die Baumaßnahme wird aus Mitteln des Kommunalinvestitionsförderungsgesetzes (KInvFöG) als Maßnahme zur Verbesserung der Luftqualität gefördert. Die Förderung durch KInvFöG beträgt 90 Prozent. Den Rest trägt die Stadt Krefeld. Das verlegte Pflaster ist rund acht Euro pro Quadratmeter teurer als normales Pflaster.

An der Ecke Oranierring/Weberstraße misst das Lanuv seit Jahren Stickstoffdioxid-Immissionen. Bis vor zwei Jahren war der NO2-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter an dieser Stelle überschritten, 2015 und 2016 lag man, wenn auch knapp, darunter. „Es greifen scheinbar die Maßnahmen, die wir bislang angewendet haben, so zum Beispiel die Umwelt-Zone und das LKW-Routen-Konzept", so Visser.

Thomas Theilmeier und André Fischer von Lintel stellten das Pflaster zusammen mit Dr. Andreas Rademacher vom Fachbereich Umwelt und dem Umwelt-Dezernenten Thomas Visser vor. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Thomas Theilmeier und André Fischer von Lintel stellten das
Pflaster zusammen mit Dr. Andreas Rademacher vom
Fachbereich Umwelt und dem Umwelt-Dezernenten Thomas
Visser vor.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Die Wahl fiel auf den Hersteller Lintel, da dieser über eine Neuentwicklung im Bereich der Katalysatoren Abbauraten nach dem internationalen Standard ISO 22197 realisiert, die bis dahin als nicht erreichbar galten. Der Katalysator verbraucht sich per Definition nicht und wird seine Wirkung so lange zeigen, wie der Flächenbelag dort im Einsatz ist - im Zweifel 30 bis 40 Jahre und länger. „Wir haben in Detmold am Bahnhof Airclean-Pflaster eingebaut, die ersten Messungen zeigen eine Verbesserung", sagt Thomas Theilmeier von Lintel.

Anhand von qualifizierten, DIN-gemäßen Laboruntersuchungen lassen sich erhebliche Reduktionsbeträge von Stickoxiden aus der unmittelbaren Umgebungsluft von Titandioxid-Pflasteroberflächen nachweisen. Die Immissions- und Reduktionsbedingungen vor Ort sind aber stets andere als die Laborbedingungen, so dass die Stadt Krefeld eine qualifizierte Untersuchung und örtliche Messungen zur Bestimmung des NO2-Reduktionsanteils des Titandioxid-Pflasters vornehmen lassen wird. Dr. Andreas Rademacher vom Fachbereich Umwelt: „Wir werden hier nun natürlich regelmäßig messen und sind gespannt auf die ersten Ergebnisse." Nach Herstellerangaben wurden in bisherigen Realversuchen Reduktionsraten des Airclean-Pflasters für NO2 von 18 Prozent und von NOX von 29 Prozent nachgewiesen. Bei Windstille erreichten die NO2-Reduktionsraten sogar bis zu 70 Prozent.

Angenehmer Nebeneffekt: Durch die Bildung einer sogenannten super-hydrophilen Oberfläche auf den Betonsteinen reinigt sich die Fläche bei jedem Niederschlag immer wieder ein Stück weit selbst und verschmutzt im Zeitverlauf deutlich weniger als herkömmliche Beläge, was neben einer schöneren Optik auch der Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung zu Gute kommt, da die Bildung von Moosen, Flechten und Algen ebenfalls reduziert wird.