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Öger Sankertgraben 22 und Nebengewässer startet in Kürze

Zuletzt geändert: 28.02.2019 10:37:40 CET

Das Konzept „Ökologischer Gewässerentwicklungsraum (Öger) Sankertgraben 22 und Nebengewässer" ist ein Mammutprojekt: 160 Einzelmaßnahmen in drei Kategorien sind für die kommenden 15 bis 20 Jahre vorgesehen. 6,5 Millionen Euro werden dafür nötig sein. Die Notwendigkeit liegt auf der Hand und ist auch schon länger bekannt. Der Sankertgraben 22 und sein Einzugsgebiet im Hülser Bruch sind seit Jahren problembehaftet. Das breit aufgestellte Konzept für das 21 Kilometer lange Gewässersystem dient der Wiederherstellung von naturnahen Fließgewässern. Eine Ausstellung in der Volkshochschule, Vorträge und der Weltwassertag am 22. März im Umweltzentrum am Hülser Berg begleiten die nun anstehende Genehmigungsplanung.

Die Pumpanlage des Sankertrgrabens 22 am Flünnertzdyk. Foto: Kommunalbetrieb Krefeld
Die Pumpanlage des Sankertrgrabens 22 am Flünnertzdyk.
Foto: Kommunalbetrieb Krefeld

„Der Sankertgraben 22 ist das Hauptgewässer. Dazu gibt es noch neun Nebengewässer und weitere sechs, die nicht mehr unterhalten werden. Hinzu kommt ein Nachbargewässer. In diesem Bereich haben wir spätestens seit 2011 regelmäßig Schwierigkeiten. Die Gewässer fallen häufig trocken, es gibt viele Engstellen und bei starken Niederschlägen Überschwemmungen", sagt Jens Friedrich-Fiechtl. Der Diplom-Umweltwissenschaftler vom Kommunalbetrieb Krefeld koordiniert das Konzept rund um das Gewässersystem, das nun ökologisch, hydraulisch und hochwasserschutztechnisch optimiert wird. Finanziert wird es bis zu 80 Prozent über das Förderprogramm „Lebendige Gewässer".

Der Sankertrgrabens 22 am Ottohof im September 2018. Foto: Kommunalbetrieb Krefeld
Der Sankertrgrabens 22 am Ottohof im September 2018.
Foto: Kommunalbetrieb Krefeld

Um das Konzept und seine Hintergründe erlebbar zu machen, gibt es aktuell die Wanderausstellung „Lebendige Gewässer" in der Volkshochschule. Die Ausstellung wendet sich mit eindrucksvollen Bildern, Modellen, Filmen und interaktiven Lernstationen an ein breites Zielpublikum. Sowohl Erwachsene als auch Kinder werden auf geeignete Weise angesprochen. Die Ausstellung macht auf die Bedeutung eines nachhaltigen Gewässerschutzes aufmerksam. Sie will dabei Informationen vermitteln, Emotionen wecken, das Bewusstsein stärken und die Handlungsbereitschaft für mehr lebendige Gewässer fördern.

Der Sankertrgrabens 22 am Ottohof im Januar 2018. Foto: Kommunalbetrieb Krefeld
Der Sankertrgrabens 22 am Ottohof im Januar 2018.
Foto: Kommunalbetrieb Krefeld

Die Wanderausstellung zeigt, wie Gewässer durch industrielle Nutzung im Laufe der Jahrzehnte massiv verändert wurden und mit welchen Mitteln diese nun wieder innatürliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen im und am Wasser zurückversetzt werden. Heimlicher Star der Ausstellung ist Justin, ein ausgestopfter Biber, der zu Selfies einlädt. Anhand seiner Artgenossen, aber auch des Eisvogels, des Lachs und der Köcherfliege wird veranschaulicht, was ökologisch intakte Fließgewässer kennzeichnet. Beispiele aus NRW und Krefeld runden die Ausstellung, die noch bis zum 22. März zu sehen ist, ab.

Justin Bieber, heimlicher Star der Ausstellung „Lebendige Gewässer". Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Justin Bieber, heimlicher Star der Ausstellung „Lebendige Gewässer".
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Passend dazu gibt es in der VHS am Mittwoch, 6. März, 18 Uhr, den Vortrag „Ein Leben mit Nutria und Bisam in Naturschutzgebieten?" und am Donnerstag, 14. März, 18 Uhr, den Vortrag „Krefelder Gewässer und der Öger Sankertgraben 22". Um Anmeldung zu den Vorträgen wird gebeten unter friedrich-fiechtl@krefeld.de.

Am 22. März dann ist Weltwassertag, der im Umweltzentrum Krefeld groß gefeiert wird. Ab 10 Uhr gibt es am Talring 45 verschiedene Ausstellungen und Infostände. Zudem gibt es um 11 Uhr eine kostenfreie Gewässerexkursion per Bus. Rund zwei Stunden geht es durchs Hülser Bruch und Kliedbruch zu ausgewählten Punkten zum Thema. Anmeldung für die Exkursion sind per E-Mail an friedrich-fiechtl@krefeld.de möglich. Um 15 Uhr folgt der Vortrag „Lebendige Gewässer durch Renaturierung", um 16 Uhr „Bergbaugeprägte Wasserwirtschaft am linken Niederrhein" und um 17 Uhr wird noch einmal der Öger Sankertgraben 22 vorgestellt.

INFO

Der Sankertgraben 22 und seine Nebengewässer liegen nördlich des Innenstadtbereichs der Stadt Krefeld und im Hülser Bruch. Der Sankertgraben stellt den Hauptvorfluter für das östliche Hülser Bruch dar. Alle Gewässer fließen in die Niepkuhlen und stellen damit ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Naturschutzgebiet „Niepkuhlen" und „Hülser Bruch" dar - zwei Schutzgebiete von herausragender Bedeutung für die Region. Die Gräben haben eine Gesamtlänge von rund 21 Kilometer.

Der Untersuchungsraum rund um den Sankertrgraben 22. Foto: Kommunalbetrieb Krefeld
Der Untersuchungsraum rund um den Sankertrgraben 22.
Foto: Kommunalbetrieb Krefeld

Benannt nach dem „Sankert", einem Feuchtgebiet südlich des Flünnertzdyks, wurde der Graben einst angelegt, um das Hülser Bruch trocken zu legen. Die „Meliorationsgräben" entwässern vielfach in den Sankertgraben und Nebengewässer. Diese Gräben, sie erinnern vom Aussehen ein wenig an Spargelanbau, begegnen einem im Hülser Bruch fortwährend. Ihren Namen haben sie aus dem Lateinischen „Meliorare", das bedeutet verbessern.

Durch die Anlage von Gräben und Wällen wurde im 19. Jahrhundert das Bruch nutzbar gemacht, aus dem Sumpf wurde ein Wald. Auf den im regelmäßigen Abstand aufgeworfenen Wällen konnten Bäume wurzeln, während in den angelegten Gräben dazwischen das anstehende Wasser abgeführt wurde. Noch vor rund 150 Jahren waren Bruch und Hülser Berg weitgehend waldfrei. Heide bestimmte das Bild.