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2019-10-10: OB Meyer: Anschläge in Halle sind eine Schande für unser Land

Zuletzt geändert: 17.10.2019 15:16:19 CEDT

In einem Brief an die Jüdische Gemeinde in Krefeld hat Oberbürgermeister Frank Meyer sein Entsetzen über die gestrigen Anschläge in Halle an der Saale zum Ausdruck gebracht. Er hat außerdem zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen, um präventive Maßnahmen zu diskutieren. Im Folgenden dokumentieren wir den Brief des Oberbürgermeisters an den Vorsitzenden der Gemeinde, Michael Gilad, und an Rabbi Yitzhak Mendel Wagner im Wortlaut:

„Mit wachsendem Entsetzen habe ich gestern die Nachrichten aus Halle an der Saale verfolgt. Ich konnte lange nicht glauben, was sich im Laufe des Abends zur traurigen Gewissheit entwickelt hat: Im Deutschland des Jahres 2019 hat sich ein terroristischer Angriff auf eine Synagoge ereignet. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen, aber auch allen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die sich nun an die dunkelsten Tage unserer jüngeren Geschichte erinnert fühlen müssen.

Auf dem Platz an der Alten Synagoge erinnerte Oberbürgermeister Frank Meyer an die Pogromnacht am 9. November 1938. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Auf dem Platz an der Alten Synagoge wird an die Pogromnacht am 9. November 1938 erinnert,
hier 2016 durch Oberbürgermeister Frank Meyer.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

In einem Monat werden wir wieder gemeinsam der Reichspogromnacht gedenken. Es wird dann genau 81 Jahre her sein, dass - auch bei uns in Krefeld - Synagogen in Flammen standen und jüdische Bürgerinnen und Bürger verfolgt und angegriffen wurden. Es ist eine Schande für unser Land, dass Hass, Gewalt und Antisemitismus auf so furchtbare Weise zurückgekehrt sind.

Nach den Anschlägen von Halle müssen wir uns nun umso mehr jeder Tendenz entgegenstellen, den Nationalsozialismus und den Holocaust zu verharmlosen und Minderheiten in unserem Lande zu diskriminieren. Die physische Gewalt, die wir gestern erlebt haben, hat ihren Ursprung in der verbalen und ideologischen Gewalt, die von Teilen des politischen Spektrums vermehrt ausgeübt wird. Diesen Formen von Gewalt dürfen wir in unserer Gesellschaft keinen Millimeter Raum lassen.

Feier zum jüdischen Lichterfest Chanukka 2018. Seit 2015 lädt Oberbürgermeister Frank Meyer die Jüdische Gemeinde und weitere Gäste verschiedener Religionszugehörigkeit ins Foyer des Rathauses ein, um gemeinsam die Feier zu begehen und die Kerze am Chanukka-Leuchter anzuzünden. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Feier zum jüdischen Lichterfest Chanukka 2018. Seit 2015 lädt Oberbürgermeister Frank
Meyer die Jüdische Gemeinde und weitere Gäste verschiedener Religionszugehörigkeit ins
Foyer des Rathauses ein, um gemeinsam die Feier zu begehen und die Kerze am
Chanukka-Leuchter anzuzünden. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Hier in Krefeld haben wir in den vergangenen Jahren gemeinsam versucht, eine breite gesellschaftliche Allianz der Toleranz und des friedlichen Miteinanders zu formen. Der interreligiöse und interkulturelle Dialog steht in unserer Stadt auf einer soliden Basis. Diesen gemeinsamen Weg müssen und werden wir fortsetzen. Ich möchte Sie außerdem schon jetzt zu einem Gespräch im Rathaus einladen, das ich in Kürze ansetzen möchte. Mir ist es wichtig, dass wir uns mit allen beteiligten Behörden und Fachbereichen darüber verständigen, was wir in Krefeld präventiv unternehmen können, um die Jüdische Gemeinde noch besser vor Angriffen jeglicher Art zu schützen.

Ich bin heute in Gedanken besonders nah bei unserer Jüdischen Gemeinde."