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Oberbürgermeister ehrt „Bürger mit Zivilcourage"

Die Stadt Krefeld, die Polizei und der Weiße Ring haben erneut „Bürger mit Zivilcourage" geehrt. Bei der traditionellen Feierstunde im historischen Ratssaal im Rathaus staunten die Zuschauer ob der vorliegenden Fälle. „Die Menschen, die wir heute ehren, haben aus Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe gehandelt. Sie alle sind im Lauf des vergangenen Jahres Zeuge einer Situation geworden, in der andere Menschen in Not waren oder zumindest drohten, in Not zu geraten. Sie haben sich nicht zurückgelehnt, sie haben nicht die Rolle des unbeteiligten Zuschauers eingenommen und sie haben sich schon gar nicht am Leid anderer geweidet. Sie haben gehandelt, haben professionelle Hilfe herbeigerufen und sind auch unter persönlichem Einsatz aktiv geworden, um anderen Menschen zu helfen. Dazu gehört Mut, dazu gehört aber auch Besonnenheit - denn Sie alle haben nicht kopflos gehandelt, sondern mit Verstand und Entschlossenheit", sagte Oberbürgermeister Frank Meyer, der unterstrich, dass dieses Handeln nicht selbstverständlich sei und es genug Beispiele gebe, wo Personen wegschauen oder, noch schlimmer, sich an dem Leid anderer ergötzen und im schlimmsten Fall sogar fotografieren oder filmen.

Erneut wurden Bürger für ihre Zivilcourage von Oberbürgermeister Frank Meyer (links) und Polizei-Präsident Rainer Furth (rechts) geehrt. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Erneut wurden Bürger für ihre Zivilcourage von Oberbürgermeister Frank Meyer (links) und
Polizei-Präsident Rainer Furth (rechts) geehrt.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Auch Polizei-Präsident Rainer Furth lobte die Geehrten, die nicht nur eine Urkunde, sondern auch Präsente für ihr Handeln erhielten: „Sie sind Vorbild und werden Nachahmer finden. Beziehungsweise, sie haben sie bereits gefunden. Schon jetzt liegen uns wieder so viele Fälle vor, um diese Feierstunde im kommenden Jahr erneut durchzuführen." Er erwähnte die hohe und schnelle Aufklärungsquote der Krefelder Polizei. „Die Statistik gibt uns Recht, Krefeld ist eine der sichersten Großstädte in Nordrhein-Westfalen mit einer rückläufigen Straßenkriminalität."

Die Fälle

Im ersten Fall wurden Karl-Heinz Köhn, Gertrud Ohligs und Gabriele Philipp geehrt. Sie beobachten am frühen Morgen des 31. Mai 2017, wie ein Autofahrer auf der Straße An der Elfrather Mühle auffällig langsam und in Schlangenlinien fuhr, den Motor abwürgte und ihn aufheulen ließ. Beim Einparken touchierte und beschädigte er ein anderes geparktes Auto. Die Zeugen sprachen den Fahrer an und verständigten die Polizei - bei der anschließenden Kontrolle stellte sich heraus, dass er Alkohol getrunken hat. Außerdem bestand der Verdacht, dass er Betäubungsmittel konsumiert hat - sein Führerschein wurde sichergestellt.

Omar Almawat und Maher Mankash hörten am 6. September 2017 gegen 23 Uhr den Rauchmeldealarm in der Wohnung ihrer 61-jährigen Nachbarin an der Bahnstraße. Aus der Wohnung kam bereits Rauch. Als die Nachbarin auf Klingeln und Klopfen nicht reagierte, drangen die beiden Männer in die Wohnung ein. Sie weckten die schlafende Nachbarin, holten sie aus der Wohnung und verständigten die Feuerwehr. Diese stellte dann fest, dass eine Aluminiumabdeckung einer versehentlich eingeschalteten Herdplatte für den Qualm in der Wohnung verantwortlich war. Die Frau hatte Tabletten als Einschlafhilfe genommen und deswegen nichts bemerkt. Der Hartnäckigkeit von Omar Almawat und Maher Mankash ist es zu verdanken, dass alle Beteiligten unverletzt und am Leben blieben.

Beniamin Dorin Caldaras beobachtete am 3. September 2017 kurz nach Mitternacht auf der Vennfelder Straße einen jungen Mann, der an vier Fahrzeugen die Außenspiegel wegdrückte und beschädigte. Er verständigte die Polizei und hielt den Täter bis zum Eintreffen der Beamten fest.

Am Nachmittag des 19. September 2017 war eine 67-jährige Krefelderin zu Fuß auf der Straße Am Kapuzinerkloster unterwegs, als sich ihr plötzlich ein Mann von hinten näherte und versuchte, ihr die Handtasche von der Schulter zu reißen. Beim Gerangel um die Tasche stürzte die Frau und verletzte sich leicht. Der Räuber konnte mit der Handtasche entkommen. Zufällig beobachtete die 42-jährige Tochter der Beraubten, Tanja Görtz, den Angriff aus einem Fenster ihrer Wohnung heraus. Sie verständigte die Polizei und nahm, noch auf Socken, die Verfolgung auf. Als Emmanuel Ilias mit seinem Auto vorbei fuhr, machte sie ihn auf den flüchtenden Handtaschenräuber aufmerksam. Der 38-jährige Krefelder hielt sofort an und verfolgte den Täter. Auf dem Hinterhof eines Schrebergartens konnte er den Flüchtigen stellen und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Der Räuber übergab die Handtasche an Emmanuel Ilias und wurde anschließend festgenommen. Zwischenzeitlich wurde der 33-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

Am Morgen des 15. Oktober 2017 nahm der 49-jährige Jens Zinkann auf seiner Terrasse an der Grotenburgstraße plötzlich Brandgeruch wahr. Er stellte fest, dass Rauch aus der Wohnung der 76-jährigen Nachbarin drang. Zinkann verständigte die Feuerwehr und klopfte vehement gegen Türen und Fenster der Wohnung. Als er durch das Küchenfenster ins Haus sah, erblickte er die Seniorin, die bewusstlos auf dem Boden vor dem Herd lag. Mit einem Spaten schlug Zinkann ein Fenster ein und gelangte so in die Wohnung. Noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr konnte er die bewusstlose Frau aus der Wohnung ins Freie ziehen. Die Kontrolle im Krankenhaus ergab: Die Seniorin hatte keine Rauchgasvergiftung, auch Jens Zinkann blieb unverletzt.

Am 4. November 2017 brach ein Mann am späten Nachmittag in den Waschkeller eines Hauses am Glockenspitz ein. Er durchsuchte den Kellerraum nach Wertgegenständen. Heike Köhler hatte dies bemerkt und verständigte die Polizei. Damit der Einbrecher nicht fliehen konnte, schloss die 61-jährige ihn kurzerhand im Keller ein. Wenige Minuten später klickten die Handschellen.

Gabriele Janßen machte sich am 13. November 2017 Sorgen um ihre direkten Nachbarn: Sie berichtete der Polizei, dass sie das ältere Ehepaar, 77 und 78 Jahre alt, zuletzt vor zwei Tagen gesehen hatte - ihr Gesundheitszustand sei schlecht gewesen. Da auf Klopfen und Klingeln keine Reaktion erfolgte, öffnete ein Schlüsseldienst die Wohnungstüre. In der Wohnung fanden die Beamten das Ehepaar hilflos auf dem Wohnzimmerboden liegend - ihr Gesundheitszustand war kritisch. Beide wurden nach der Erstversorgung in ein Krankenhaus gebracht. Die Aufmerksamkeit und das beherzte Engagement von Gabriele Janßen hatten das ältere Ehepaar vor Schlimmerem bewahrt.

Am Rosenmontag 2017 wurde eine junge Frau auf ihrem Heimweg in Traar kurz nach 4 Uhr morgens überfallen. Von der Innenstadt aus fuhr die 22-Jährige zunächst mit dem Bus nach Traar, wo sie später auf einem kleinen Stichweg, der die Moerser Landstraße und die Trautstraße verbindet, von einem Mann eingeholt wurde. Er umklammerte die Frau, hielt ihr den Mund zu und versuchte, sie in ein Gebüsch zu ziehen. Die Frau konnte sich teilweise aus der Umklammerung lösen und laut um Hilfe rufen. Aaron Trittien und Michael Spelberg hörten die Hilferufe. Als sie Täter und Opfer erreichten, ließ der Mann von der jungen Frau ab und flüchtete. Zunächst nahmen beide Zeugen die Verfolgung auf. Michael Spelberg brach jedoch die Verfolgung ab und kümmerte sich um das Opfer. Trittien konnte den Flüchtenden einholen, zu Boden bringen und fixieren. Der Mann wehrte sich vehement. Er schlug Trittien mehrfach mit der Faust ins Gesicht, drückte ihm beide Daumen in die Augen, biss ihm ins Handgelenk und hielt ihm den Mund zu. Zunächst konnte er flüchten. Zwischenzeitlich hatte eine Polizeibeamtin, die sich auf dem Heimweg vom Nachtdienst befand, die Leitstelle der Polizei verständigt. Der Täter konnte kurz danach festgenommen werden. Der 35-Jährige wurde mittlerweile zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.