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Niepkuhlen-Projekt im Krefelder Klimaausschuss vorgestellt

Veröffentlicht am: 09.12.2021

Das Naturschutzgebiet Niepkuhlen in Krefeld soll unter Berücksichtigung von klimatischen Veränderungen nachhaltig entwickelt werden. Im städtischen Klimaausschuss hat Umweltdezernentin Sabine Lauxen jetzt gemeinsam mit dem Gewässerökologen Dr. Mario Sommerhäuser und dem Geologen Dr. Reinhold Strotmann aus dem Projektteam „Nachhaltige Niepkuhlen" über den Entwicklungsstand berichtet und dabei auch eine Bilanz der ersten Bürgerbeteiligung gezogen. Rund 100 Bürger hatten im Oktober an drei von der Stadtverwaltung angebotenen Niepkuhlen-Spaziergängen teilgenommen und dort vom Projektteam „Nachhaltige Niepkuhlen" erfahren, wie sich das Naturschutzgebiet im Nordosten der Stadt in Zeiten des Klimawandels verändert. Die Krefelder Politik hatte im Ausschuss nun Gelegenheit, erste Fragen an die beiden Gutachter und die Dezernentin zu stellen.

Dr. Reinhold Strotmann und Dr. Mario Sommerhäuser an den Niepkuhlen mit historischem Kartenmaterial. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. BischofDr. Reinhold Strotmann und Dr. Mario Sommerhäuser an den Niepkuhlen mit historischem Kartenmaterial.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

Die Niepkuhlen sind ein früherer Altrheinarm, der in der Folge erst durch menschliche Eingriffe in Form von Torfabgrabungen im 18. und 19. Jahrhundert seine heutige Gestalt annahm. In den vergangenen Jahren mit heißen Sommern fiel der Gewässerzug partiell immer wieder trocken. Reinhold Strotmann machte die klimatischen Veränderungen, die sich schon jetzt auch am Niederrhein stark auswirken, an einem kleinen Beispiel deutlich: Die höchste jemals in Deutschland aufgezeichnete Temperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnung liegt bei 41,2 Grad Celsius. Gemessen wurde sie in St. Tönis, unweit von Krefeld. Kontinuierlich zeigt die dortige Station des Deutschen Wetterdienstes in den vergangenen Jahrzehnten steigende Temperaturen an. Einher geht diese Entwicklung auch mit Veränderungen beim Niederschlag: Auf Phasen extremer Trockenheit können eruptive Niederschlagsereignisse wie bei dem Starkregenereignis im Juli 2021 folgen.

Die Niepkuhlen sind ein attraktives Ziel vieler Radfahrer. Foto: Stadt Krefeld, Stadtmarketing, SteigerwaldDie Niepkuhlen sind ein attraktives Ziel vieler Radfahrer.
Foto: Stadt Krefeld, Stadtmarketing, Steigerwald

Die Folgen dieser Klimaveränderungen zeigen sich auch an den Niepkuhlen. Ein von der Stadt beauftragtes Expertenteam aus Hydrogeologen, Gewässerökologen und Landschaftsplanern arbeitet derzeit an einer umfassenden Bestandsaufnahme des Gewässerzuges. Ergebnisse sollen im kommenden Jahr vorgelegt werden. „Wir nähern uns der Fragestellung von allen Seiten. Wir schauen auf die klimatischen Entwicklungen, untersuchen das Gewässer, den Boden, den biologischen Zustand. Vermesser sind mit dem Boot gefahren. Höhenprofile wurden aufgenommen, Schlammstärken sind ermittelt worden. Es sind auch Fischkartierungen entstanden. Verschiedene Indikatoren werden nun untersucht. Auf der Basis der gesammelten Erkenntnisse können wir entscheiden, wie es weitergeht", sagt Strotmann in Richtung der Politik. Die Stadtverwaltung betont ebenso wie die Gutachter, dass die Untersuchung ergebnisoffen geführt werde. Mario Sommerhäuser konnte bereits skizzieren: „Die Niepkuhlen sind nicht im besten Zustand, es gibt eine starke Verschlammung, das Gewässer ist arm an Sauerstoff. Insgesamt besteht Handlungsbedarf. Ziel ist es, ein System zu entwickeln, das sich alleine erhält."

Umweltdezernentin Sabine Lauxen mit Bürgern beim Niepkuhlen-Spaziergang.Umweltdezernentin Sabine Lauxen mit Bürgern beim Niepkuhlen-Spaziergang.

Als kurzfristige Maßnahme ist entschieden worden, zur Überbrückung eine Lösung mit einem zeitlich befristeten Weiterbetrieb der ehemaligen Grundwasserpumpenanlage der LEG zu wählen. Die Förderbrunnen sind seit November wieder in Betrieb. Perspektivisch soll allerdings eine Lösung gefunden werden, die die Niepkuhlen nicht dauerhaft abhängig von zugepumptem Grundwasser macht. Eine der Erkenntnisse, die Reinhold Strotmann im Ausschuss vermittelte: „Die Niepkuhlen sind auch früher ausgetrocknet. Bevor Wasser eingespeist wurde, gab es insbesondere in den 1970er Jahren bereits Phasen, in denen wenig Wasser in den Niepkuhlen stand." Das Wasser innerhalb der Niepkuhlen schwankte schon zu früheren Zeiten stark, diese Entwicklung wurde erst durch das künstliche Zuleiten von Wasser kaschiert. Zudem seien in den Jahren 2018 und 2019 nicht nur die Niepkuhlen, sondern auch viele andere Gewässer der Region trockengefallen.

Die Riethbenden. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Die Riethbenden.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Strotmann erwähnte dabei auch das Naturschutzgebiet Riethbenden als ein künstlich geschaffenes Feuchtgebiet im Bereich der Niepkuhlen. Dieses System habe nur entstehen können in Verbindung mit Einleitung des Wassers der LEG-Pumpen. „Ohne die Einleitung wäre das Naturschutzgebiet Riethbenden nie entstanden", sagt Strotmann. Selbst mit der Einleitung von bis zu 1,2 Millionen Kubikmetern Wasser - zwölf Prozent der jährlichen Trinkwassermenge in Krefeld - im Jahr 2018 seien die Riethbenden infolge der geringen Niederschlagsmengen und hohen Temperaturen noch trockengefallen. „Wir müssen uns auf eine andere Flora und Fauna einstellen. Es ist ein wechselfeuchtes Gebiet, das vielleicht mal im Sommer trockenfällt. Die Niepkuhlen sollen aber keine Trockenwüste werden. Sie müssen widerstandfähiger gegenüber den zu erwartenden Klimaveränderungen werden."

Die Niepkuhlen-Brücke. Foto: Stadt Krefeld, Presse und KommunikationDie Niepkuhlen-Brücke.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Die Stadtverwaltung hat sich zum Ziel gesetzt, mit einem Bündel verschiedener Maßnahmen eine Zukunft für diesen Gewässerzug zu sichern. Sabine Lauxen sagte im Klimaausschuss: „Wir wollen möglichst ein System schaffen, das unabhängig von Gewässerzufuhr funktioniert." Sie stellte in Aussicht, dass gute Chancen auf eine starke Förderung durch die Bezirksregierung Düsseldorf bestehen. Reinhold Strotmann als Experte brachte die Variante ins Spiel, wonach ein Zustand mit kontinuierlichen Wasserständen, wie er durch die künstliche Wasserzufuhr zuletzt gegeben war, möglicherweise nicht an allen Stellen aufrechterhalten werden könnte. Bei den Bürgerspaziergängen sei für eine solche Variante Verständnis geäußert worden, sagte Mario Sommerhäuser. „Die Bürger können sich durchaus vorstellen, etwas neues Nachhaltiges zu entwickeln, das nicht am Tropf von Pumpen hängen muss." Die Beiträge der Bürger seien „ausgesprochen konstruktiv" und von Orts- und Sachkenntnis geprägt gewesen, lobte er.

 

Weitere Beiträge rund um die Nieper Kuhlen:

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Juni 2022: Gemeinsam mit den Anliegern und weiteren Interessierten will die Stadtverwaltung den beliebten Gewässerzug im Nordosten der Stadt an die klimatischen Veränderungen anpassen und eine Gestaltung so umsetzen, dass die Niepkuhlen ohne die künstliche Zuleitung von Wasser eine Zukunft haben.
Die Planungswerkstatt ist Teil einer umfassenden Bürgerbeteiligung.Bild: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Gutachter legen Analysen zum Zustand der Niepkuhlen vor
März 2022: Die Krefelder Stadtverwaltung hat die Bestandsaufnahme der Niepkuhlen abgeschlossen. In mehreren Untersuchungen waren im Naturschutzgebiet in den vergangenen Monaten der Zustand der Flora und Fauna, die Wasserqualität und die Wasserstände untersucht worden.
Impressionen der NiepkuhlenBild: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Niepkuhlen-Projekt im Krefelder Klimaausschuss vorgestellt
Dezember 2021: Das Naturschutzgebiet Niepkuhlen soll unter Berücksichtigung von klimatischen Veränderungen nachhaltig entwickelt werden. Im Klimaausschuss wurde nun über den Entwicklungsstand berichtet.
Impressionen der NiepkuhlenBild: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
100 Interessierte informieren sich bei „Niepkuhlen-Spaziergängen“
November 2021: Dezernentin Lauxen zeigt sich erfreut über guten Zuspruch für das neue Format. Bürger hatten Gelegenheit, sich über den Zustand der Niepkuhlen zu informieren. Weitere Aktionen sollen folgen.
Gemeinsam mit Umweltdezernentin Sabine Lauxen und Experten fanden Bürgerrundgänge durch die Niepkuhlen statt.Bild: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Stadtverwaltung legt Projekt „Nachhaltige Niepkuhlen“ auf
Mai 2021: Umwelt-Dezernentin Sabine Lauxen lädt zu Niepkuhlen-Spaziergängen ein, um Bürger zu informieren. Termine werden bekanntgegeben, sobald dies die pandemische Lage zulässt.
Impressionen der NiepkuhlenBild: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

 

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