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Neuer Bildband des Fotografen der Kunstmuseen Krefeld erschienen

Das Weltkulturerbe Kölner Dom zieht als Touristenattraktion jährlich Millionen Auswärtige an und für die Kölner selbst verkörpert er die Identifikation mit der Stadt - in jeder Hinsicht ein Superlativ. Und so ist „Köln am Dom" sicherlich der treffende Titel für ein nun im Greven-Verlag erschienenes Buch mit einer Serie von Aufnahmen des Becher-Schülers Volker Döhne. Der langjährige Fotograf der Kunstmuseen Krefeld präsentiert die Domstadt jedoch nicht von ihrer Hochglanz-Schokoladenseite. Döhne eröffnet mit seinem im Sommer 1996 gemachten Schwarz-Weiß-Bildern eine Perspektive auf eine Metropole ohne Glanz, in deren Nukleus der Dom alles überstrahlt. Da es ihn auf allen Fotografien zu entdecken gibt - und sei es auch nur in Form einer einzelnen Spitze - hat Döhne seine Serie als „Suchspiel" bezeichnet. Es ist eine spannende Entdeckungstour durch die Rheinstadt auch für Nicht-Kölner.

Der Fotograf Volker Döhne. In seinem Buch „Köln am Dom“ zeigt er die Kathedrale aus überraschenden Perspektiven.
Der Fotograf Volker Döhne. In seinem Buch „Köln am Dom" zeigt er die Kathedrale aus
überraschenden Perspektiven.

Die Abwesenheit des Menschen ist Programm in den Arbeiten des gebürtigen Remscheiders. Mit wenigen Ausnahmen hält er es auch so bei der Köln-Serie. Die ansonsten quirlige Rheinmetropole erscheint in einen kurzen Stillstand versetzt, einen Moment des Innehaltens. Manche Aufnahmen der Stadt wirken arrangiert, wie der US-Fotograf Gregory Crewdson solche Stadtansichten mit hohem Aufwand zusammenstellte (Krefeld Ausstellung Haus Lange, Haus Esters 2006). Bei Döhne ist nichts künstlich arrangiert, es ist der ungeschönte, gewöhnliche Alltag. Der Dom bildet dabei stets die natürliche Landmarke. Mal erscheint er kolossal wie an der Komödienstraße und Burgmauer, mal findet er sich nur auf den zweiten Blick wie am Gereonshof. Ohne den Dom als Orientierungshilfe könnte es sich aber um irgendeine durch die Bomben des Zweiten Weltkriegs zerstörte und dann meist autogerechte Innenstadt mit einer obligatorischen Fußgängerzone in Westdeutschland handeln. Der Dom bildet die Konstante in einem Sammelsurium der Architektur, wenigen historischen Gebäuden, Nachkriegsklötzen und was sonst noch in eine Baulücke passte. Die Aufnahmen erinnern an Döhnes in den 1990er-Jahren entstandene Krefelder Schwarz-Weiß-Serie „Rheinstraße", wo inzwischen zahlreiche Nachkriegsgebäude abgerissen worden sind. Gleiches gilt für derartige Gebäude in Köln. So ist sein Suchspiel nicht nur eines nach dem Dom, sondern eines nach einem teils schon wieder vergangenen Stadtbild. Seine 100 Fotos in dem neuen Buch sind eine Ermutigung, mit wachen und aufmerksamen Augen nicht nur durch Köln zu gehen.

Völker Döhne arbeitet seit 1980 als Fotograf und Gestalter an den Kunstmuseen Krefeld. Eine lange Folge von Kunst-Fotografien, Plakaten und über 150 Kataloge tragen seine gestaltende Handschrift. Ende der 1970er-Jahre zählte er zu den Schülern der ersten Fotoklasse von Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf. Dort studierte Döhne bereits seit 1975 zuerst Buchkunst und Gestaltung, später wechselte er dann zu Becher und Tünn Konerding. Er stellte unter anderem seine Arbeiten im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld (1992), in der Galerie Yves Gevaert in Brüssel (1995) sowie in Gruppenausstellungen in der Art Galaxy Galerie in New York (1982) und im NRW-Forum in Düsseldorf (2010/2011) aus. Im Herbst 2018 ist eine Ausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld geplant. Das Buch „Köln am Rhein" ist im Greven-Verlag Köln mit Textbeiträgen der ehemaligen Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner und des Fotohistorikers Reinhard Matz erschienen. Das Buch, 128 Seiten, mit 100 Abbildungen kostet 24,90 Euro.