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Neu gestaltete NS-Gedenkstätte feierlich eingeweiht

Zuletzt geändert: 10.05.2019 14:18:27 CEDT

Mit der traditionellen Gedenkfeier zum 8. Mai ist in Linn auch die neu gestaltete Gedenkstätte für die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus eingeweiht worden. Die ehemalige „Ehrenhalle" wurde in enger Zusammenarbeit zwischen der Stadt Krefeld und den örtlichen Vereinen als zeitgemäßer Gedenkort eingerichtet. Beteiligt waren neben der NS-Dokumentationsstelle und dem Museum Burg Linn auch der Linner Bürgerverein, die Flachsmarktgemeinschaft und die Linner Schützen. An der Ausrichtung der Gedenkfeier nahmen das Bündnis Krefeld für Toleranz und Demokratie, die Gesamtschule Uerdingen und die Alber-Schweitzer-Schule teil. „Ich finde, darauf kann Krefeld stolz sein: Gedenken wird hier nicht von oben verordnet, sondern aus der Bürgerschaft heraus gelebt. Ich möchte allen Linner Vereinen, den Schulen und Organisationen für das außerordentliche Engagement danken - so halten wir Erinnerung lebendig und werden der Verpflichtung gegenüber früheren und künftigen Generationen gerecht", erklärte Oberbürgermeister Frank Meyer in seiner Rede.

Die neue Gedenkstätte in Linn wurde am Tag der Befreiung durch Oberbürgermeister Frank Meyer eingeweiht. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Die neue Gedenkstätte in Linn wurde am Tag der Befreiung durch Oberbürgermeister Frank Meyer eingeweiht.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Zum 74. Jahrestag des 8. Mai 1945, der Befreiung vom Nationalsozialismus, hatte der Oberbürgermeister das Thema der europäischen Einheit für seine Rede gewählt. Er erinnerte an die dunklen Zeiten der gegenseitigen Feindschaft, unter anderem an die deutschen Luftangriffe auf Großbritannien und die Bombardierung Krefelds durch britische Bomber im Jahr 1943. „All dies liegt gerade mal die Spanne eines Menschenlebens zurück, historisch betrachtet kaum mehr als ein Wimpernschlag. Und trotzdem fühlen sich die einst erbitterten Gegner heute wieder als Partner, Nachbarn und Freunde." Dies habe er am Wochenende selbst erleben dürfen, als er mit einer Krefelder Delegation in der englischen Partnerstadt Leicester zu Besuch war und trotz des anstehenden Brexits die Kontakte weiter vertiefen konnte.

Dazu erklärte Frank Meyer weiter: „Zurzeit ist es ja fast schon Mode geworden, eine gewisse Skepsis gegenüber Europa vor sich her zu tragen: Die Basis dafür besteht eher selten aus Fakten und Argumenten, weitaus häufiger aus Übertreibungen und Vorurteilen. Der heutige Gedenktag ist besonders geeignet, auf die Gefahr hinzuweisen, die in solchen Äußerungen liegt: Wer das vereinte Europa in Frage stellt, der stellt auch den Frieden in Frage - wer die EU abschaffen will, der riskiert ein neues Zeitalter der Kriege. Wir müssen Europa mehr denn je zu einer Herzensangelegenheit machen, auch hier vor Ort, hier in Krefeld: Europa kann und muss im Kleinen wachsen - und dazu können wir alle beitragen."

Die neue Gedenkstätte in der Vorburg Linn. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Die neue Gedenkstätte in der Vorburg Linn.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Nach der offiziellen Feier in der Museumscheune ging es hinüber in die neue Gedenkstätte. Dort wird nun neben den gefallenen deutschen Soldaten auch an die zivilen Opfer des Krieges und an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. In den neu gestalteten Räumen wurde ein Kranz niedergelegt. Anschließend fand die Veranstaltung auf dem Jüdischen Friedhof in Linn ihren würdigen Abschluss.