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Nach 36 Jahren: Elisabeth Völlings nimmt Abschied

Zuletzt geändert: 11.07.2019 11:14:38 CEDT

Sie war zwar „nur" vier Jahre Schulleiterin, aber Elisabeth Völlings hat an der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule dennoch tiefe Spuren hinterlassen. Fast vier Jahrzehnte lang war sie als Lehrerin an der Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung tätig und hat das Profil der Schule entscheidend mit geprägt. „Chefin zu sein, das war nie der Plan - Sie wollten immer nur die Freiräume haben, Schule zu gestalten, ohne geistige Scheuklappen, ohne Denkverbote und stets mit einer klaren Zielrichtung: Was ist am besten für die Schülerinnen und Schüler? Wenn es in den vergangenen 36 Jahren für die Bodelschwingh-Schule auf irgendeine Weise nach vorne ging, dann waren Sie nicht weit", betonte Oberbürgermeister Frank Meyer bei der Verabschiedung der beliebten Pädagogin. Als Beispiele für deren Wirken nannte er ein frühes Inklusionsprojekt mit lernbehinderten und nicht lernbehinderten Kindern an der Südschule, das Pilotprojekt „Selbständige Schule", die Einrichtung der Berufspraxisstufe am Standort Alte Flur und die Neugestaltung des Schulhofs und der Schulgärten.

Oberbürgermeister Frank Meyer verabschiedet Elisabeth Völlings an der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Elisabeth Völlings ist in Krefeld aufgewachsen und hat ihr Abitur am Ricarda-Huch-Gymnasium abgelegt. Nach der Schule war für sie klar, dass sie Lehrerin werden wollte - „aber nicht an einem Gymnasium". Sie studierte an der Pädagogischen Hochschule Köln mit einer Spezialisierung auf dem Thema Lernbehinderung. Dass ihre erste und letzte berufliche Station nach dem Referendariat eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung war, nämlich die Bodelschwingh-Schule, entsprang alleine dem Zufall. „Doch 36 Jahre später muss man sich wohl eingestehen: Genau so sollte es sein - Sie waren ein Glücksfall für diese Schule, und umgekehrt gilt wohl dasselbe", sagte Frank Meyer.

Wachstum um 30 Prozent

In der Amtszeit von Elisabeth Völlings als Schulleiterin, die im Sommer 2015 begann, ist die Bodelschwingh-Schule um 30 Prozent gewachsen. An der Breslauer Straße kam ein dritter Standort hinzu. Für viele Schüler, die an der Regelschule Schwierigkeiten haben, ist das besondere Konzept eine Chance, den Weg ins weitere Leben positiv zu gestalten. Dank der Kooperationen mit Unternehmen - besonders Gebrüder Kickartz und Krefelder Zoo - gelingt aus der Schullaufbahn heraus sogar die Integration in den Arbeitsmarkt. Der Oberbürgermeister lobte dieses Konzept in seiner Ansprache: „Es ist Elisabeth Völlings gelungen, ein Bewusstsein für die Besonderheiten und Potenziale ihrer Schule zu schaffen: Das ‚Bodel-B' auf der Kleidung oder der Mütze tragen ihre Schülerinnen und Schüler mit Stolz. Bodelschwingh-Schule - das darf selbstbewusst klingen, bloß nicht nach übertriebener Fürsorge oder gar Mitgefühl. Wer auf die Idee kommt, Schülerinnen und Schüler Ihrer Schule als ‚arme Kinder' abzustempeln, der bekommt schnell Gegenwind: ‚Das sind keine armen Kinder, die sind nur anders drauf', erklärt dann die Schulleiterin persönlich. Am Ende gilt hier das gleiche große Ziel wie an jeder Schule: Die Kinder sollen lernen, auf eigenen Füßen zu stehen und ihr Leben selbst zu meistern."

Letztes Projekt: Eine Solaranlage an der Alten Flur

Zu ihrem Abschied möchte Elisabeth Völlings noch ein letztes Projekt umsetzen. Auf dem Dach des Standorts Alte Flur wird im Rahmen einer Energiegenossenschaft eine Solaranlage entstehen. „Ich finde, das ist ein wunderbares Bild für Ihr Wirken an dieser Schule: 36 Jahre lang waren Sie hier ein zuverlässiges, starkes Energiezentrum - was wäre da passender, als mit Ihrem Weggang ein Energiezentrum anderer Art zu hinterlassen?", sagte Frank Meyer.