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2018-05-02: Museum zeigt erstmals weltweit einzigartige Bücherschätze

Zuletzt geändert: 20.08.2018 16:48:34 CEDT

Es handelt sich um einen glatten Durchschuss. Eine Bleikugel hat das Werk von Albert Kranz aus dem Jahr 1583 durchschlagen. Auch einen Streifschuss erlitt die Ausgabe aus dem 16. Jahrhundert. Das Exemplar könnte aus der Bibliothek des Hauses Pesch bei Oppum stammen, vermutet Kurator Ralf Stefan. Ein Soldat der Revolutionstruppen nahm es 1794 nach der Plünderung von dort mit. Weit kam er mit dem Buch jedoch nicht: Bewohner aus Lank fanden es bei einem Toten am Rhein, der bei einem Gefecht starb. Sie brachten das Buch dem hiesigen Pastor, der die Fundgeschichte festhielt. Auf diese Geschichte stoßen die Besucher des Museums Burg Linn in Krefeld zuerst in der aktuellen Sonderausstellung „Bücherschätze". Mit der Ausstellung werden auch Buchpaten und Sponsoren zum Erhalt des wertvollen Kulturgutes gesucht.

Stellen die Sonderausstellung "Bücherschätze" vor: Dr. Christoph Dautermann, Kurator Ralf Stefan und Museumsleiterin Dr. Jennifer Morscheiser. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Stellen die Sonderausstellung "Bücherschätze" vor: Dr. Christoph Dautermann, Kurator Ralf Stefan und Museumsleiterin Dr. Jennifer Morscheiser. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Der Bestand der historischen Bibliothek des Museums umfasst rund 3500 Bände. Einige Ausgaben lassen sich weltweit nur noch in der Museumsbibliothek in Krefeld nachweisen. Sie sind Teil einer 15.000 Bände umfassenden Arbeitsbibliothek und werden - vergleichbar dem Bestand im Rokokosaal der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar - immer noch für die wissenschaftliche Arbeit genutzt. Zum ersten Mal werden nun in diesem Umfang die Bücherschätze des Hauses gezeigt - und das hat einen guten Grund. Der Bestand ist auf unterschiedliche Art gefährdet: einfache Gebrauchsspuren, Staub, Tinten- und Insektenfraß, chemische Reaktionen, die das Papier bräunen und brüchig machen, alte Wasser- oder Mäuseschäden aus vorherigen Jahrhunderten. „Wir haben nun die einmalige Chance, mit der Museumsbibliothek an einem Förderprogramm teilzunehmen", sagt Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Museumsleiter. Dafür muss jedoch ein Eigenanteil eingebracht werden, in der Regel 50 Prozent. „Es sind Summen, die wir jedoch nicht in unserem Haushalt haben", so Dautermann. Damit der Gesamtbestand gesichert werden könne, benötige das Museum nach einer ersten Schätzung rund 600.000 Euro, also einen Eigenanteil von 300.000 Euro. „Das wird wohl nur über Jahre möglich sein", meint Stefan. Er hat in den vergangenen Jahren die Bibliothek erfasst. Für einen ersten Schritt seien 50.000 bis 100.000 Euro notwendig. Das Museum wirbt nun um Sponsoren und Stiftungen, die es bei dem Erhalt der Bücher unterstützen.

Ein Objekt aus der Sonderausstellung "Bücherschätze".  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Ein Objekt aus der Sonderausstellung "Bücherschätze".
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

„Wir haben hier ungeheure Bücherschätze", betont Dautermann. Die ältesten Ausgaben, wie eine Handschrift, stammen aus dem 15. Jahrhundert. „Sie wurde zu Lebzeiten von Christoph Kolumbus geschrieben", sagt Dr. Jennifer Morscheiser, Leiterin des Museums Burg Linn. Das Buch werde jedoch vom Tintenfraß bedroht. Die Eisengallustinte zerstört auf Dauer das Papier, doch dieser Prozess kann gestoppt werden. Vor allem Gebrauchsspuren weisen Atlanten aus dem 17. Jahrhundert auf. Die vorhandenen Ausgaben bestechen immer noch durch leuchtende Farben. Die Exemplare waren zu ihren Erscheinungszeiten derart wertvoll, dass sie zum Teil als Staatsgeschenke verwendet wurden. Dazu gehören auch Atlanten von Johannes Blaev aus Amsterdam. Das Museum besitzt vier Ausgaben einer elfteiligen Reihe. „Es sind weltweit nur noch 129 Exemplare bekannt", so Stefan. Wegen der notwendigen Restaurierung hat sich das Museum in diesem Fall entschlossen, auch den „Marktwert" der Exponate anzuzeigen, um die Wertigkeit zu unterstreichen.

Ausstellung endet am 4. November

Die Sonderausstellung „Bücherschätze" gliedert sich in unterschiedliche Themenbereiche. Die Rettung historischen Kulturguts steht gleich zu Beginn an. Kartenwerke, Reiseliteratur, theologische Bücher, Geschichtswerke, Ausgaben über Recht und Naturwissenschaft werden durch ein umfangreiches Begleitheft erläutert. Private Leihgaben und Exponate aus dem volkskundlichen Bestand des Museum ergänzen die Druckwerke. Anhand einer mittig platzierten Zeitpyramide können Besucher die Veränderung der Buchprodukte nachvollziehen. Es ist vorgesehen, Führungen durch die neue Sonderausstellungen anzubieten. Wer bei der Restaurierung helfen möchte, bekommt in hier Gelegenheit: In der Ausstellung wird eine Spendenbox aufgestellt. Firmen oder Einzelpersonen, die im größeren Umfang das Vorhaben unterstützen möchten, wenden sich direkt an das Museum. Entsprechende Firmen- oder Spendenschilder können auf Wunsch in der laufenden Ausstellung bei den ausgewählten Exponaten platziert werden. Die Ausstellung endet am 4. November.