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Lendenschurz der südamerikanischen Paracas-Kultur ist 2.200 Jahre alt

Veröffentlicht am: 15.07.2022

Stellen einen rund 2200 Jahre alten Lendenschurz aus Peru im Deutschen Textilmuseum Krefeld vor: (v.l.) Silke Büchel, wissenschaftliche Volontärin, Dr. Isa Fleischmann-Heck, stellvertretende Leiterin, und Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, Andreas Bischof
Stellen einen rund 2200 Jahre alten Lendenschurz aus Peru im Deutschen Textilmuseum Krefeld vor: (v.l.) Silke Büchel, wissenschaftliche Volontärin, Dr. Isa Fleischmann-Heck, stellvertretende Leiterin, und Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, Andreas Bischof

Vorstellung des Exponats im Deutschen Textilmuseum Krefeld

Pyramiden, Prozessionsstraßen, Bewässerungssysteme und Hofanlagen - einige Völker Südamerikas bildeten bis zur „Entdeckung" Amerikas 1492 durch Christoph Columbus bereits hochentwickelte Gesellschaften in der sogenannten „Präkolumbischen Zeit". Dazu zählt auch die von 900 bis 200 vor Christus existierende Paracas-Kultur aus dem Süden Perus. Schon vor der heute bekannten Nasca-Kultur schufen sie Geoglyphen - riesige Linienzeichnungen im Wüstenboden, die Menschen, Tiere oder mystische Symbole zeigten. Außerdem gelten die Paracas als ausgezeichnete Weber. Ein Beispiel dieser handwerklichen Kunstfertigkeit wurde nun im Deutschen Textilmuseum Krefeld vorgestellt, das ab 21. August die Ausstellung „Peru - Ein Katzensprung. Textilien aus präkolumbischer Zeit" zeigen wird.

Geometrische Formen werden zu kleinen und großen Großkatzen

Auf den ersten Blick scheinen es lediglich geometrische Formen zu sein, auf den zweiten Blick erschließen sich kleine und große Großkatzen. Umgeben sind sie mit einer Borte aus sich wiederholenden Darstellungen eines Katzenwesens. Zu sehen sind sie auf zwei, gut 2.200 Jahre alten Textilien, die einen Lendenschurz zierten. Die beiden Teile verbindet ein indigofarbenes Trägergewebe. „Das ist vermutlich später hinzugefügt worden und gehört nicht zum Original", sagt Silke Büchel, wissenschaftliche Volontärin am Textilmuseum. Der Lendenschurz (circa 400-200 vor Christus) wird dem Volk der Paracas zugeschrieben. „Wir sind uns nicht sicher wie die Tragweise war", sagt Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums. Die Verzierungen werden wohl nach vorne zu sehen gewesen sein. „Vielleicht für rituelle Zwecke", vermutet die Museumsleiterin.

Solche Motive sind häufig Teil von präkolumbischen Textilien

Großkatzen wie der Puma oder der Jaguar kommen als Motiv auf präkolumbischen Textilien häufig vor - der Jaguar wurde bei einigen Völkern Südamerikas sogar als Gottheit verehrt. Solche Tierdarstellungen spiegeln wohl die Natur-Vorstellungen ihrer Träger wider. Das Objekt (98 mal 26 Zentimeter) des Deutschen Textilmuseums besitzt einen roten Grund mit Stickerei im Linienstil aus gelben und schwarzen Fäden. Die stilisierten Katzenwesen entstehen aus wenigen Strichen. Das Hauptmaterial bildet Kamelidenhaar, das feine Haar von Kamelen und Lamas. Dieses wie andere Textilien sowie die Mumien überdauerten vor Feuchtigkeit und Licht geschützt die Zeit in einem trockenen Wüstenklima an der peruanischen Küste. Dort bestatteten die Menschen der Paracas-Kultur ihre Toten, die in Textilien „verpackt" und hockend beigesetzt wurden. Den speziellen klimatischen Bedingungen ist es zu verdanken, dass auch die Farben der Textilen so gut erhalten sind.

Mehr als 2200 Jahre alt ist der Lendenschurz aus Peru. Bild: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof
Mehr als 2200 Jahre alt ist der Lendenschurz aus Peru.
Bild: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

Ausgefeilte Technik

Die für Archäologen so wichtige Fundsituation ist aus verschiedenen Gründen im 19. Jahrhundert bei dergleichen südamerikanischen Objekten selbst bei wissenschaftlichen Expeditionen nicht immer dokumentiert worden. Weil zudem keine schriftliche Überlieferung über die Textilien von den indigenen Völkern existiert, können die archäologischen Funde heute nur interpretiert werden. Die Entdeckungen von vergleichbaren Motiven und Techniken in unterschiedlichen Regionen erschweren in manchen Fällen zudem eine geografische Zuordnung, deuten aber andererseits auf Handelsbeziehungen oder Wissensaustausch hin. Aber die Textilien „sprechen" für sich: „Es wurde eine ausgefeilte Technik angewendet", so Schieck. Weben, Nähen, Färben - alles sei professionell und lasse Schlüsse auf die Kulturentwicklung zu.

200 Exponate werden in der Ausstellung gezeigt

Bereits in den 1880er-Jahren kamen erste Textilfragmente aus Peru in die damalige Krefelder Gewebesammlung. Vermehrt gelangten dann durch Ankäufe aus dem Kunsthandel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Objekte an das Textilmuseum. Der Lendenschurz wurde 1994 aus einer Privatsammlung erworben. Der heutige Bestand aus Peru umfasst rund 800 Teile, das älteste Objekt von 500 vor Christus, das jüngste aus den 1980er-Jahren. Für die Ausstellung wurden 200 Exponate ausgewählt, die ab Sonntag, 21. August, im Deutschen Textilmuseum Krefeld zu sehen sein werden. Es ist die dritte Ausstellung im Rahmen des Forschungsprojektes „Ans Licht", das von der Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld unterstützt wird. Weitere Informationen stehen unter www.deutschestextilmuseum.de.