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Landesinitiative fördert junge Geflüchtete

Zuletzt geändert: 28.02.2019 10:51:05 CET

Die Stadt Krefeld nimmt als eine von 73 Kommunen in Nordrhein-Westfalen an einer neuen Landesinitiative teil. Dabei ist der Name Programm: „Gemeinsam klappt's" soll junge Geflüchtete im Alter von 18 bis 27 Jahren vielfältig unterstützen und die Integrationschancen erhöhen. Zum „Starterworkshop" trafen sich jetzt rund 60 Aktive aus Ehrenamt, Beratungsstellen und Verwaltung sowie Menschen mit Fluchtgeschichte in der Fabrik Heeder. In einem kurzen Vortrag wurden sie von einem Vertreter des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in die Grundlagen der Landesinitiative eingeführt. Dr. Andreas Deimann hatte dabei nicht nur Theorie im Gepäck, sondern auch die Perspektive, dass die Mittel zur Projektumsetzung schon nach der Sommerpause fließen werden. Insgesamt stünden für die beteiligten Kommunen 50 Millionen Euro bereit. Diese sollen in konkrete Maßnahmen fließen, die die Lebenssituation der jungen Erwachsenen sowie deren Chancen im Berufsleben verbessern. Wissenschaftlich begleitet wird die Landesinitiative durch die Universität Duisburg-Essen.

Fachbereichsleiter Andreas Pamp verabschiedet die rund 60 Aktiven nach dem erfolgreichen Starterworkshop in der Fabrik Heeder  Foto: Stadt Krefeld, Fachbereich Migration und Integration
Fachbereichsleiter Andreas Pamp verabschiedet die rund 60 Aktiven nach dem erfolgreichen
Starterworkshop in der Fabrik Heeder
Foto: Stadt Krefeld, Fachbereich Migration und Integration

In Krefeld leben 1239 geflüchtete Frauen und Männer im Alter von 18 bis 27 Jahren. Der Zugang zu Angeboten der Gesundheitsversorgung, Wohnen, beruflicher Qualifizierung und Kultur ist abhängig vom jeweiligen Aufenthaltsstatus. Die neue Landesinitiative kennt diese üblichen Ausschlusskriterien bei der Förderung nicht, da alle gleichermaßen profitieren sollen. Darum liegt der Fokus vor allem auf denjenigen, die wegen einer Duldung von den meisten Angeboten der Regelstrukturen ausgeschlossen sind - in Krefeld im Jahr 2018 circa 164 Personen zwischen 18 und 25 Jahren. Diese spezielle Zielgruppe kann weder über das Jobcenter noch über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert werden.

„Ich weiß manchmal nicht mehr, wie ich meinen Klienten noch Mut machen soll", erklärt während der Gruppenphase Emilia Kupferschmidt vom Krefelder Caritas-Migrationsdienst die Beratungssituation. Sie arbeitet häufig mit geduldeten jungen Geflüchteten. Eine Situation, die viele der Workshop-Teilnehmenden kennen, vor allem in der Betreuung junger Menschen mit unsicherer Bleibeperspektive. Einige sind ohne Arbeitserlaubnis, anderen droht - wenn sie einen Ausbildungsplatz ergattern konnten - durch den fehlenden Zugang zu Sprachkursen an der geforderten Fachsprache zu scheitern. Schnell wird klar: Der Workshop profitiert von der täglichen Erfahrung der ehrenamtlichen und professionellen Fachkräfte.

Manche Erlasse und Bestimmungen stellen fragwürdige Belastungen dar. Andreas Pamp, Fachbereichsleiter Migration und Integration, nennt etwa die Verpflichtung seiner Behörde, die Betriebe zu informieren, dass selbst bei einer erteilten Ausbildungsduldung eine Abschiebung nicht ausgeschlossen werden kann, wenn der Geflüchtete seinen Pflichten scheinbar nicht nachkommt. „Wie soll man das so formulieren, dass es nicht abschreckt", fragt Pamp. Auch derartige Probleme würden im Laufe der Prozesse gelöst, soweit es im Rahmen des Landes möglich sei, verspricht Andreas Deimann. Es wird deutlich, dass Krefeld bereits viele Angebote hat, die den Geflüchteten offen stehen. Allerdings ist vieles selbst bei den beratenden Fachkräften nicht bekannt. „Wir sammeln jede Menge Informationen, aber es kommt immer wieder vor, dass wir von länger schon bestehenden Chancen noch nichts wussten", sagt Flüchtlingskoordinatorin Doris Schlimnat. So geht es bei dem weiteren Prozess nicht nur um neue Angebote, sondern auch um den intensiven Informationsaustausch.

Am Ende des Workshop-Tages sind viele der bislang bekannten Barrieren sowie ein Überblick über die Bedarfe und erste Ideen erfasst. Einzel-Begleitung und vor allem mehr interkultureller Begegnungsraum an Themen entlang, die Menschen unabhängig von der Herkunft bewegen - diese beiden Wünsche sind häufig abgebildet. Möglichkeiten bei Wohnraumsuche, Praktika, Patenschaften sollen aktiv erweitert werden. Vor allem schnelle Hilfen, etwa berufsspezifische „Ad hoc-Sprachkurse" für kleine Gruppen, werden gewünscht. Ein nächstes Arbeitstreffen ist bereits terminiert, dann sollen aus Ideen konkrete Pläne werden.