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Kunstverein Krefeld zeigt die Ausstellung „Burn it!"

Es duftet nach einem wohlbekannten Geruch. Doch angesichts des verkohlten Körpers sucht die eine Sinneswahrnehmung hilflos nach der Antwort. Ihr Anblick fesselt und lässt einen schaudern: Das hübsche, zierliche Gesicht mit seinen feinen Zügen überlagert eine Rußschicht. Korpus, Arme und Beine sind tief schwarz. Schreckliches muss ihr widerfahren sein. Mittig im Raum zieht sie alle Blicke magisch an. In ihrer direkten Nähe intensiviert sich der wohlige Geruch. Ihre Haut platzt an vielen Stellen auf. Sie wirkt wie eine von ihren Binden befreite Mumie, eine Furcht einjagende Kuriosität in großbürgerlichen Sammlungen des 19. Jahrhunderts. Sie war jedoch nicht aus Fleisch und Blut, sondern sie besteht aus: Brot. - Burn it!", heißt die Ausstellung, die im Kunstverein Krefeld gezeigt wird. Zu sehen sind dort Werke von acht Künstlern, die mit dem Element Feuer Kunstwerke entwickeln.

„Woman of Bread. A burn Figure“ (2018) nennt Matteo Lucca seine in einem Holzofen gebackene und gut 1.70 Meter große Skulptur. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, D. Senger
„Woman of Bread. A burn Figure" (2018) nennt Matteo Lucca seine gebackene und gut 1.70 Meter große Skulptur. Fotos: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, D. Senger

„Woman of Bread. A burn Figure" (2018) nennt Matteo Lucca seine in einem Holzofen gebackene und gut 1.70 Meter große Skulptur. Der italienische Künstler hat an der Accademia di Belle Arti di Bologna studiert. Er verwendet in seinen bildhauerischen Arbeiten untypische Materialien, wie Brot und Kleidung. Lucca backt aus Brotteig lebensgroße Figuren. Diese Brotplastiken bestechen durch ihre zerklüftete Oberflächenstruktur und den Spuren des Feuers. Lucca ist einer von insgesamt acht Künstlern, die Kurator Wilko Austermann für die in Krefeld, Mönchengladbach und Düsseldorf stattfindende Ausstellung „Burn it!" aussuchte.

„Woman of Bread. A burn Figure“ (2018) von Matteo Lucca. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, D. Senger

Anhand seiner Auswahl möchte er die verschiedenen künstlerischen Positionen im vielschichtigen Umgang mit Feuer innerhalb der zeitgenössischen Kunst zeigen. An den drei Orten sind unterschiedliche Werke von ihnen zu sehen, die die Ausstellungsorte in Zusammenhang bringen und sich inhaltlich aufeinander beziehen. Austermann beeindruckte bereits mit seiner Ausstellung „Florale Transformation" (2017) die Besucher in Krefeld, Mönchengladbach und Düsseldorf. Im hiesigen Kunstverein am Westwall zeigte er im vergangenen Jahr vor allem junge Künstler, die Pflanzenformen in ihr Werk einbeziehen. Austermann, Jahrgang 1990, studierte Kunstgeschichte und begann vor vier Jahren, thematische Gruppenausstellung zu kuratieren.

Video „3 Ster mit Ausblick"

Michael Sailstorfer, Jahrgang 1979, ist mit der einzigen Videoarbeit in Krefeld vertreten. Er studierte an der Akademie der Bildendenden Künste in München. Kreisläufe und Prozesse treten in seinen Werken häufig auf. Dabei verbindet Sailstorfer das Element Feuer mit seinen Skulpturen und Videos. So verhält es sich auch bei seinem Video „3 Ster mit Ausblick" (1.52 Minute). Die Arbeit aus dem Jahr 2002 zeigt ein Holzhaus mit qualmendem Schornstein in einer Wiesenlandschaft. Immer mehr Elemente des Holzhauses verschwinden und werden in dem Ofen im Innern verbrannt. Letztlich bleibt der lodernde Ofen auf weiter Flur alleinig zurück.

Die Ausstellung „Burn it" endet in Krefeld am 15. Juli, im Düsseldorfer Weltkunstzimmer an der Ronsdorfer Straße 77a am 7. Juli und im Kunstverein Mönchengladbach, Künkelstraße 125, am 15. Juli. Die Ausstellung wird in Mönchengladbach am Samstag, 16. Juni, eröffnet. Der Kunstverein Krefeld bietet am Samstag, 7. Juli, um 14 Uhr eine Kuratorenführung beginnend im Haus Westwall 124 an. Anschließend geht es mit einem Bus zu den beiden anderen Orten. Eine Anmeldung und weitere Informationen zu der Tour gibt es unter 0 21 51 77 70 80 zu den Öffnungszeiten des Kunstvereins.

Die Ausstellung wird gefördert vom Kulturbüro Mönchengladbach und NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft. Der Kunstverein Krefeld wird durch das Kulturbüro der Stadt Krefeld unterstützt. Weitere Informationen und den anderen Ausstellungsorten stehen unter www.krefelder-kunstverein.de.