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Kunstmuseen zeigen Retrospektive von Völker Döhne

Zuletzt geändert: 27.11.2018 16:30:01 CET

Die Abwesenheit des Menschen ist Programm in den Fotoaufnahmen von Volker Döhne: Die Betrachter sehen Gebäudekomplexe, einzelne Häuser, das vielfältige Innenleben von Kraftfahrzeugen, alte, inzwischen verwilderte Bahnstrecken. Der Becher-Schüler betrachtet sich als Sammler, der wohl wissend, was er sucht, spazierend durch das Land und die Stadt streift. Die Kunstmuseen Krefeld widmet ihm mit der Ausstellung „Sucher und Finder" nun eine erste große Retrospektive. Kuratorin Dr. Sylvia Martin reiht Döhnes Gesamtwerk dabei beeindruckend in die Geschichte der Düsseldorfer Fotoschule ein. Sie wählte zwölf Werkreihen mit rund 150 Fotografie von „Stille Orte" (1976) bis zur aktuellen Arbeit „Westwall" (2018) aus. Zudem zeigt sie erstmals in diesem Umfang auch sein grafisches Werk.

Der Becher-Schüler Volker Döhne in der Ausstellung "Sucher und Finder" im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Der Becher-Schüler Volker Döhne in der Ausstellung "Sucher und Finder" im Kaiser-Wilhelm-
Museum in Krefeld. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Döhnes Arbeiten stehen konzeptuell wie motivisch den Typologien Bernd und Hilla Bechers sehr nahe: Er entwickelte Serien wie Kleineisenindustrie (1977/78) oder Kleine Eisenbahnbrücken und Unterführungen im Bergischen und Märkischen Land (1979). Die Krefelder Ansichten von der Rheinstraße dokumentieren eine Nachkriegszeit, in der es zahlreichen Geschäftsinhabern möglichst schnell darum ging, einen Laden zu eröffnen. Bis heute finden sich derartige, eingeschossige Bauten in der Innenstadt, doch sie werden immer weniger.

Die Autos bunt, Remscheid grau

Mit seiner Reihe „Bunt" (1979) experimentierte Döhne dem Titel entsprechend mit Farbe und emanzipierte sich von der Schwarz-Weiß-Fotografie der Akademiezeit. „Bunt" wurde in Remscheid und Wuppertal aufgenommen und führt die damalige Farbenfröhlichkeit der Autohersteller vor Augen. „Die Autos waren bunt und Remscheid grau", erinnert Döhne. Auch Schrebergärtner strichen ihre Lauben zu dieser Zeit teilweise knallig bunt an. Er betreibe eigentlich soziologische Studien, frage nach historischen Zusammenhängen und schärfe die Wahrnehmung gegenüber dem alltäglichen Lebensraum, so Martin. Seine spielerische Art und auch humorvollen Ansichten brechen die Bechersche Strenge auf - so auch bei der Serie „Reihenuntersuchung". Dabei fotografierte er rund 200 Rückbänke von Pkws und die dort deponierten Utensilien ihrer Besitzer. In der Ausstellung „Sucher und Finder" im Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum sind diverse Momentaufnahmen dieser Zwischenlager zu sehen, die allerhand Kurioses und Erstaunliches über Gewohnheiten und individuelle Transportmöglichkeiten offenbaren.

Studium seit 1975

Völker Döhne Jahrgang 1953, arbeitete von 1980 bis 2018 als Fotograf und Gestalter an den Kunstmuseen Krefeld. Eine lange Folge von Kunst-Fotografien, Plakaten und über 150 Kataloge tragen seine gestaltende Handschrift. Der 1953 in Remscheid geborene Döhne studierte von 1975 bis 1980 an der Kunstakademie Düsseldorf. Ende der 1970er-Jahre zählte er zu den Schülern der ersten Fotoklasse von Bernd Becher an der Kunstakademie. Die Einrichtung dieses Lehrstuhls für künstlerische Fotografie kann als maßgeblicher Impuls für die veränderte Wahrnehmung des Mediums Fotografie gesehen werden. An der Akademie studierte Döhne bereits seit 1975 zuerst Buchkunst und Gestaltung, später wechselte er dann zu Becher und Tünn Konerding. Die von Bernd und Hilla Becher geprägte Fotoschule wird mittlerweile von der vierten Fotografengeneration weiter interpretiert. „Umso faszinierender ist es, wenn nun mit Volker Döhne ein Becher-Schüler der ersten Stunde und ein Gesamtwerk von den Anfängen in den 1970er Jahren bis heute neu entdeckt werden können" so Martin.

Ausstellung bis 5. Mai

Döhne stellte unter anderem seine Arbeiten im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld (1992), in der Galerie Yves Gevaert in Brüssel (1995) sowie in Gruppenausstellungen in der Art Galaxy Galerie in New York (1982) und im NRW-Forum in Düsseldorf (2010/2011) aus. Zuletzt waren Arbeiten von ihm in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln ausgestellt sowie im Städel Museum in Frankfurt am Main zusammen mit Werken von anderen Becher-Schülern wie Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte und Thomas Ruff. Zuletzt veröffentlichte er im Greven-Verlag den Band „Köln am Dom" und „Limes". Die Ausstellung in Krefeld endet am 5. Mai 2019.