Inhalt

Krefelds Schulsport-Botschafter trägt den Adler auf der Brust

Zuletzt geändert: 11.12.2019 12:52:50 CET

Fußball-Nationalspieler - das dürfte wohl der Wunsch vieler Kinder und Jugendlichen sein. Einmal in einem Stadion vor Zehntausenden die Nationalhymne singen, vielleicht sogar bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft dabei zu sein - wow! Doch das gelingt nur sehr wenigen. Bei den meisten bleibt es gar bei dem Wunsch, in einer der höheren Ligen zu spielen. Viele erkennen dies spätestens dann, wenn die Anrufe aus Schalke, Mönchengladbach oder Dortmund ausbleiben. Doch selbst wenn der Sprung in eines der Fußball-Internate der Bundesligisten geglückt ist, ist dies noch immer keine Garantie für eine Laufbahn als Profi.

Wahrscheinlich wird es auch dem diesjährigen Botschafter des Krefelder Schulsports, Justin Aydin, nicht gelingen, den Sprung in den bezahlten Fußball zu schaffen. Und trotzdem hat der ehemalige Schüler der Luise-Leven-Schule des Landschaftsverbands Rheinland in Hüls, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Hören und Kommunikation, seinen gleichaltrigen Fußball-Kameraden etwas voraus: Der Krefelder durfte das Trikot mit dem Bundesadler bereits überstreifen. Denn Justin ist Mitglied der U 21 Fußball-Nationalmannschaft der Gehörlosen. Das ist zwar nicht die „große" Nationalmannschaft, von der alle träumen, doch immerhin gibt es auch hier internationale Wettkämpfe.

Justin Aydin beim Training der A-Jugend des TSV Meerbusch. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Justin Aydin beim Training der A-Jugend des TSV Meerbusch.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Und genau darauf hat es der 17-Jährige abgesehen. Er will im kommenden Jahr bei der U 21-Europameisterschaft der Gehörlosen auflaufen, die vom 28. Juli bis 8. August in Deutschland stattfindet. Das sportliche Ziel sollte gelingen, denn Justin, der seine Laufbahn bei SuS Krefeld im Alter von neun Jahren begann, gehört zu den besten nicht-hörenden Fußballern seines Jahrgangs. Das unterstreicht auch die Tatsache, dass er im vergangenen Sommer fast mit der Gehörlosen-Nationalmannschaft der Männer zur EM nach Griechenland gefahren wäre.

Kickt Justin nicht mit dem Adler auf der Brust, läuft er für gleich zwei Vereine als Mittelfeldmotor auf: Für die Gehörlosenmannschaft des GSV Düsseldorf, hier trainiert er einmal die Woche, und für die A-Jugend des TSV Meerbusch, bei der drei Einheiten pro Woche stattfinden. In Meerbusch, seit rund vier Jahren seine sportliche Heimat, trifft er natürlich auch auf Mitspieler und Trainer, die hören können - was für Justin aber kein allzu großes Problem darstellt. Sowohl auf, als auch neben dem Platz kann er sich verständigen, sei es durch Blickkontakt oder Zeichen. Und doch gibt es da natürlich Momente, in denen er einen Zuruf eines Mitspielers oder den Pfiff des Schiedsrichters nicht mitbekommt. Das ist bei Spielen des GSV oder auch mit der Gehörlosen-Nationalmannschaft anders, und wie er sagt, auch angenehmer.

Justin Aydin, Botschafter des Krefelder Schulsports. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Daumen hoch.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Bis zum Sommer war Justin Schüler der LVR Luise-Leven-Schule im Schulzentrum am Reepenweg in Krefeld-Hüls. Die Plätze in Düsseldorf oder Meerbusch lagen also relativ nah. Mittlerweile besucht er aber ein Internat in Essen, die Wege sind nun um ein spürbares länger geworden. „Nicht selten kehrt er erst gegen 23 Uhr zurück ins Internat. Das Pendeln raubt also deutlich mehr Zeit, die er aber auf sich nimmt, um seinen Traum von der Europameisterschaft zu verwirklichen", sagt seine Mutter Elisabeth Aydin. Alles eben für den Traum.