Inhalt

2019-03-15 Krefelder Orang-Utan Hujan hat neues Zuhause in England

Zuletzt geändert: 15.03.2019 12:04:47 CET

Orang-Utan-Handaufzucht Hujan ist nach England in die Monkey World umgezogen, eine Einrichtung, die auf die Aufzucht von Affen-Waisenkindern spezialisiert ist. Der Zoo entschloss sich zu diesem Schritt, weil die Zusammenführung mit der Krefelder Orang-Utan Familie nicht wie geplant funktionierte und für die Entwicklung eines gesunden Sozialverhaltens das Zusammenleben mit anderen Artgenossen unerlässlich ist. Hujan war im Juni 2017 zur Welt gekommen und musste wegen einer schweren Erkrankung seiner Mutter mit der Hand aufgezogen werden.

Orang-Utan Handaufzucht Hujan im Zoo Krefeld. Er lebt jetzt in der Monkey World in England. Foto: Hella Hallmann/Zoo Krefeld
Orang-Utan Handaufzucht Hujan im Zoo Krefeld. Er lebt jetzt in der Monkey World in England. Foto: Hella Hallmann/Zoo Krefeld

Tierpflegerin Eva Ravagni meisterte zusammen mit ihren Eltern und Kollegen aus dem Affenhaus die Herausforderung einer Menschenaffen-Handaufzucht. Zehn Monate lebte Hujan bei ihr zu Hause und musste rund um die Uhr versorgt werden. Dazu gehörten Windelwechseln und Flasche geben ebenso wie Spielen und Schmusen. Ravagni hat ein lachendes und ein weinendes Auge: „Natürlich fällt mir der Abschied sehr schwer. Hujan ist mir ans Herz gewachsen wie ein eigenes Kind. Als Tierpflegerin weiß ich aber, dass sein Wohlergehen an erster Stelle steht. Daher freue ich mich sehr, dass er eine Orang-Utan-gerechte Zukunft in England haben wird." Zwei Tierpfleger aus England kamen schon einige Tage vor dem Umzug nach Krefeld und lernten Hujan kennen. Eva Ravagni hat ihren Schützling auf seiner Reise begleitet und bleibt eine Woche bei ihm. Mitgenommen hat sie einen Jahresvorrat an Babymilch, denn Hujan bekommt noch regelmäßig die Flasche, und seine vertrauten Spielsachen.

Ursprünglich sollte Hujan im Zoo Krefeld bei seiner Oma Lea und deren Tochter Suria aufwachsen. Nachdem sich Lea zunächst um den neuen Zögling kümmerte, wurde sie ihm gegenüber nach kurzer Zeit aber zunehmend aggressiver. Nur in der Nacht gab es keine Probleme, so dass alle drei eine gemeinsame Schlafbox nutzen konnten. Auch eine Zusammenführung mit seiner Mutter Sungai scheiterte an deren völligem Desinteresse. Somit musste eine externe Lösung für die Zukunft des 21 Monate alten Orang-Utans gefunden werden.

Entscheidung für den Umzug

Die Entscheidung für den Umzug wurde gemeinsam mit den Orang-Utan-Experten des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes getroffen, die vom Zoo-Team detailliert über die Aufzucht von Hujan informiert wurden. Seit Oktober bereits wurde der Transport vorbereitet. Wegen des anstehenden Brexits musste es jetzt schnell gehen, denn nach dem Brexit wäre der bürokratische Aufwand eines Transportes mit dem in ein Nicht-EU-Land vergleichbar und somit wesentlich komplizierter.

Das „Monkey World - Ape Rescue Centre" ist ein 65 Hektar großes Affenschutzgebiet und Rettungszentrum in der Nähe von Wool, Dorset, England. Dort ist man auf die Aufzucht von Orang-Utans spezialisiert ähnlich wie die „Wilhelma" in Stuttgart auf die Aufzucht von Gorillas. In der Monkey World gibt es zwei Optionen für Hujan. Geplant ist seine Eingliederung in eine Familiengruppe mit unterschiedlicher Altersstruktur ähnlich dem Freiland. Sollte dies nicht funktionieren, gibt es eine „Kindergartengruppe" aus jungen Orang-Utans, die mit einem ausgewachsenen Weibchen zusammenleben. In beiden Fällen lebt Hujan unter seinen Artgenossen und lernt Orang-Utan-gerechtes Verhalten.

Orang-Utans gehören zu den am stärksten bedrohten Tierarten

Orang-Utans gehören zu den am stärksten bedrohten Tierarten der Welt. Sie werden in die beiden Arten Borneo-Orang-Utan und Sumatra-Orang-Utan unterteilt. Laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN gelten Borneo-Orang-Utans als vom Aussterben bedroht. Im Jahr 2016 schätzte man den Gesamtbestand der Borneo-Orang-Utans auf etwa 50.000 Tiere. Naturschutzorganisationen wie der World Wildlife Fund (WWF), Borneo Orang-Utan Survival (BOS) und viele andere setzen sich für den Schutz der Tiere auf Sumatra und Borneo ein. Hauptgrund für das dramatische Verschwinden der Tierart ist die Rodung des Regenwaldes für Soja- oder Palmöl-Plantagen.