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2018-06-26: Krefelder Redakteur schreibt über „Literarisches Rheinland"

Zuletzt geändert: 20.08.2018 16:33:21 CEDT

Der Autor und Krefelder Kulturredakteur Ernst Müller hat sich in seinem neuesten Buch „Literarisches Rheinland" auf eine Spurensuche zwischen Rheingau und dem niederrheinischen Kleve gemacht. In 15 Kapiteln widmet er sich mit einem Schwerpunkt jeweils einem Schriftsteller, Dichter, Ort oder Werk. Seine Entdeckungsreise entlang des Stroms beginnt zeitlich im Mittelalter und endet im 21. Jahrhundert. „Durch diesen Zeitstrahl sind fast alle Epochen der deutschen Literaturgeschichte berücksichtigt", so Müller. Neben bekannten Schriftstellern wie Heinrich Böll, Johann Wolfgang von Goethe und Heinriche Heine sowie dem literarischen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch entdeckt Müller heute weniger geläufige Literaten wie Karl Immermann in Düsseldorf, Konrad von Würzburg in Kleve und Albert Vigoleis Thelen in Viersen wieder. Seine Schilderungen und Interpretationen ergänzt er mit originalen Textauszügen und verschränkt sie mit der Literaturgeschichte. „Der Leser erhält so einen kompakten Überblick über einen Autor und seine Intentionen", sagt Müller.

Der Autor und Krefelder Kulturredakteur Ernst Müller hat sich in seinem neuesten Buch „Literarisches Rheinland“ auf eine Spurensuche zwischen Rheingau und dem niederrheinischen Kleve gemacht. Verleger des Buches ist Georg Aehling (hinten), hier bei der Vorstellung in der Mediothek Krefeld. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Der Autor und Krefelder Kulturredakteur Ernst Müller hat sich in seinem neuesten Buch „Literarisches Rheinland" auf eine Spurensuche zwischen Rheingau und dem niederrheinischen Kleve gemacht. Verleger des Buches ist Georg Aehling (hinten), hier bei der Vorstellung in der Mediothek Krefeld. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Bereits für sein erstes Buch „Auf den Spuren deutscher Dichter" (2012) hat Müller zahlreiche Orte in Deutschland besucht, Dichter und ihre Arbeit zusammengefasst. Nun hat der gebürtige Kempener, Jahrgang 1961, den Blick auf seine Heimatregion gerichtet. „Im Laufe der Jahrhunderte weisen die unterschiedlichsten Autoren, die für die deutsche Literaturgeschichte Bedeutung gewannen, Bezüge zum Rheinland auf", sagt Müller. Sie stammen entweder selbst aus der Region, wirkten oder bezogen ihre Stoffe aus dem Rheinland. Einigen errichtete man dort Denkmäler, anderen sogar Museen. An manchen Orten und Schauplätzen sind die Spuren der Dichter jedoch nur noch spärlich vorhanden.

Romantiker Clemens Brentano

Seine Einführung in die Literaturgeschichte des Rheinlands beginnt Müller zeitlich im Mittelalter mit Konrad von Würzburg (circa 1235 bis 1287) mit der Verserzählung „Der Schwanenritter". Sie beruht auf einer älteren Sage, deren heute bekannteste Version die Wagner-Oper „Lohengrin" ist. Die Variante von Würzburg sei ein Musterbeispiel für die Funktionalisierung eines literarischen Stoffes für politische Zwecke, in diesem Fall eine genealogische Herkunftsbestimmung der Klever Grafen, so Müller. Geografisch und auch in seinem Buch beginnt Müller mit dem Romantiker Clemens Brentano (1778 bis 1842) in Oestrich-Winkel im Rheingau. Auf einer Rheinreise 1802 inspirierten Brentano die Schluchten, Wälder, Weinberge und Burgen zu seinen Rheinmärchen. „Sie sind in einer mythischen Vergangenheit angesiedelt. Ihre Örtlichkeiten hingegen entsprechen den konkreten Städten und Plätzen am Strom", sagt Müller. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Romantik aufkam, entdeckten zahlreiche Maler und Schriftsteller gerade den Mittelrhein als Sehnsuchtsort ihres neuen Lebensgefühls, so auch Brentano. Angesichts der französischen Besatzung der deutschen Länder suchte die junge, romantische Generation mit der Hinwendung zur eigenen Geschichte eine Versicherung ihrer Identität. „Daher rührt auch die Begeisterung der Romantiker für die Gattung des Märchens", schreibt Müller. Diese greifen auf das Mittelalter zurück und seien wie die Burgen Zeugen der alten Zeit.

Johann Wolfgang von Goethe und Johanna Sebus

Auf seiner literarischen Reise stromabwärts streift Müller unter anderem St. Goar mit Friedrich Freiligrath und der Lyrik der Revolution, den Musenhof mit Friedrich Heinrich Jacobi in Düsseldorf, Friedrich Spee und der geistlichen Dichtung in Kaiserswerth, Xanten und das Nibelungenlied. Das Schloss Moyland bei Kleve steht im Fadenkreuz von Politik und Literatur, wo man auch dem Krefelder Autor Otto Brües begegnet, der eine Novelle über die Begegnung von Friedrich, dem Großen mit Voltaire auf dem Wasserschloss schrieb. Müllers literarische Reise endet geografisch unweit der Grenze zu den Niederlanden. Dort steht das Denkmal für Johanna Sebus (1791 bis 1809) an einem Altrheinarm. Im Jahr 1809 ereignete sich an dieser Stelle eine furchtbare Hochwasserkatastrophe. Die 17-jährige Johanna half ihre Mutter aus den Fluten. Bei dem Versuch, eine Nachbarin mit ihren Kindern zu retten, kam sie ums Leben. Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) widmete der selbstlosen und mutigen Frau eine Ballade. „Diese ist weltbekannt gewesen", berichtet der Autor.

Müller hat kein wissenschaftliches Buch verfasst, sondern er sieht es vielmehr als einen Einstieg in die Literatur der beschriebenen Autoren. Er möchte auf diese Weise seine Leser zur weiterführenden Lektüre und zum eigenen Reisen an die Dichterorte anregen. Der Autor arbeitet als Kulturredakteur bei einer Krefelder Zeitung. „Literarisches Rheinland" ist von der Nyland-Stiftung aus Köln herausgegeben worden und in der Edition Virgines erschienen. Verleger ist Georg Aehling. Der Preis beträgt im Buchhandel 15 Euro.