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Krefeld bleibt weiterhin Naturwald-Gemeinde

Die Stadt Krefeld hat zum dritten Mal in Folge die Auszeichnung „Naturwald-Gemeinde" vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) erhalten. Der Nabu-Bundesverband startete 1996 die Kampagne „Lebendiger Wald" und entwickelte hierzu ein eigenes Waldbaukonzept, das neben weiteren Kriterien vor allem das so genannte Dauerwaldprinzip und damit die Abkehr vom Altersklassenwald mit seiner Kahlschlagwirtschaft vorsah. Krefeld wurde damals als erste Naturwaldgemeinde in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Um den hohen Qualitätsstandart seines Waldbaukonzeptes zu erhalten, begrenzt der Verband die Würdigung immer auf zehn Jahre. Eine Verlängerung bedarf einer Kontrolle der Kriterien. Dies geschah 2006 und nun erneut. „Wir sind froh, dass wir nach wie vor den Anforderungen entsprechen konnten", sagte Dezernent Thomas Visser bei der Überreichung der Urkunde durch den Vorsitzenden des Nabu-Bezirks Krefeld-Viersen, Reiner Rosendahl, auf dem Hülser Berg.

Reiner Rosendahl vom Nabu (links) überreichte Dezernent Thomas Visser (daneben) die erneute Auszeichnung zur Naturwald-Gemeinde. Rückepferd Indigo, Stadtförster Arno Schönfeld-Simon, Knut Habicht (nabu), Pferdeführer Roman Dzulaj und Franco Cassese (Nabu, von links) freuen sich mit. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Reiner Rosendahl vom Nabu (links) überreichte Dezernent Thomas Visser (daneben) die
erneute Auszeichnung zur Naturwald-Gemeinde. Rückepferd Indigo, Stadtförster Arno
Schönfeld-Simon, Knut Habicht (nabu), Pferdeführer Roman Dzulaj und Franco Cassese
(Nabu, von links) freuen sich mit.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Der Experte Franco Cassese vom Nabu hat die Waldgebiete Stadtwald, Forstwald, Südpark, Egelsberg, Henoumontwald, Kirschkamper Busch, Hülser Bruch, Hülser Berg, Orbroicher Bruch und Latumer Bruch untersucht. Rosendahl: „Das ist keine Selbstverständlichkeit. In vielen Bezirken fehlen diese Experten. Die Überprüfung der Kriterien, die sehr zeitintensiv ist, kann daher nicht oder nur kaum stattfinden." Cassese hat in den vergangenen Monaten in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Krefelder Forstabteilung die Überprüfung durchgeführt. Kriterien des Nabu sind Verzicht auf Kahlschlag, Verzicht auf Pflanzaktivität und damit Vorrang der Naturverjüngung, Verzicht auf Chemieeinsatz, Einsatz sanfter Betriebstechnik, aktiver Waldnaturschutz und die Sicherung waldökologisch tragbarer Wilddichten. Franco Cassese: „Wir konnten erkennen, dass sich die Stadt aktiv darum bemüht, den Status der Naturwald-Gemeinde zu erhalten, und sind damit sehr zufrieden. Einige Verbesserungsvorschläge hat er dennoch in seinem Bericht vermerkt, der kürzlich im Ausschuss für Umwelt, Energie, Ver- und Entsorgung sowie Landwirtschaft vorgestellt wurde.

Krefeld ist weiterhin Naturwald-Gemeinde. Dazu gehört auch das Liegenlassen von Totholz. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Krefeld ist weiterhin Naturwald-Gemeinde. Dazu gehört auch das Liegenlassen von Totholz.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Hier heißt es, dass Kleinstkahlschläge in einer Größe von 0,3 bis 0,4 Hektar nur in der Roteiche und den Schwarzpappelhybridwäldern vorgenommen wurden. Zukünftig sollten Überhälter als Biotopbäume zur Überführung in die nächste Bestandes-Generation mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. In Sachen Naturverjüngung soll nachgebessert werden. Als Naturverjüngung wird ein durch angeflogene oder aufgeschlagene Saat, Saat umstehender Bäume oder vegetative Vermehrung entstehender Nachwuchs-Waldbestand bezeichnet. Lob gab es dagegen, dass gänzlich auf Chemie verzichtet wurde. Und auch der Einsatz von Rückepferden fand Anklang, wobei empfohlen wird, noch mehr auf mechanische Fortschlepper zu verzichten, gerade bei der Wiederaufforstung. Cassese: „Ein Hauptaugenmerk liegt beim aktiven Waldnaturschutz auf der Förderung von Totholz, wovon es in Krefeld zu wenig gibt. Allerdings ist dieser Umstand den vielen Besuchern der Krefelder Wälder und dem noch jungen bis mittleren Alter des Waldes geschuldet. Auch die Förderung von Hohl- und Horstbäumen sollte verstärkt werden, um Vögeln und Kleintieren Rückzugsmöglichkeiten zu bieten."

Stadtförster Arno Schönfeld-Simon nahm die Auszeichnung zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass man sich in den 1980er-Jahren dazu entschlossen hat, diesen Weg zu gehen. „Wälder baut man nicht mal eben kurz um, das ist ein langfristiger Prozess. Wir versuchen seit einiger Zeit, den Bestand von Stil- und Roteichen zu verkleinern, da sie häufig krank und geschwächt sind. Darin zeigt sich, dass sie hier eigentlich nicht heimisch sind. Dagegen setzen wir auf Buchen, die hier nahezu perfekte Bedingungen vorfinden und sich deutlich schneller verjüngen als anderswo." Zufrieden zeigte er sich auch darüber, dass der Krefelder Wald wächst. Lange habe man die Kriegsschäden ausgleichen müssen, mittlerweile gibt es einen jährlichen Zuwachs von 6000 Festmetern. Auch der Nabu lobt: „Der Altersaufbau im Krefelder Wald entwickelt sich positiv, auch der Vorratsaufbau an Holzmasse ist beachtenswert."

Beide Seiten wollen in Zukunft noch enger zusammenarbeiten. Ziel ist es aufgrund der zunehmenden Geschwindigkeit der Veränderungen in der Natur, aber auch aufgrund neuer Erkenntnisse in kürzeren Abständen als des Zehnjahreszeitraumes zwischenzeitliche Anpassungen des Kriterienkataloges zu diskutieren und gegebenenfalls vorzunehmen.