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KI-Workshop: Der andere Blick - gegen starre Bilder im Kopf

„Schau mich bitte an, wenn ich mit dir rede" - mit scharfen Worten forderte die etwa 40-ährige Grundschullehrerin vor vielen Jahren den kleinen Bassam auf, Blickkontakt zu suchen. Der Erstklässler war irritiert, denn in seinem arabisch-geprägten Familienumfeld gilt es als grobe Unhöflichkeit, älteren Menschen in die Augen zu schauen. Mit diesem selbst erlebten Beispiel stimmte der jetzt längst erwachsene Workshop-Leiter und Theaterpädagoge Bassam Ghazi die Seminarteilnehmer in das Thema „Der andere Blick" ein. Die Fortbildung in Zusammenhang mit dem Landesprogramm „Rucksack" wurde in der Fabrik Heeder vom Kommunalen Integrationszentrum (KI) in Kooperation mit der Kommunalen Zentralstelle für Beschäftigungsförderung (KomZfB) organisiert. Es ging um das Bewusstwerden kultureller Unterschiede, im Fachjargon „Diversitätsbewusstsein", und den positiven Umgang damit.

Theaterpädagoge Bassam Ghasi (links) erarbeitet mit pädagogischen Fachkräften Strategien, wie ein "anderer Blick" auf kulturelle Unterschiede eingeübt werden kann, Foto: Stadt Krefeld, Fachbereich Migration und Integration
Theaterpädagoge Bassam Ghasi (links) erarbeitet mit pädagogischen Fachkräften Strategien, wie ein "anderer Blick" auf kulturelle Unterschiede eingeübt werden kann, Foto: Stadt Krefeld, Fachbereich Migration und Integration

Alle 25 Teilnehmenden sind in ihrer pädagogischen Arbeit - entweder beruflich oder ehrenamtlich - mit verschiedenen Kulturen konfrontiert, viele haben selbst multikulturelle Wurzeln. Und nicht wenige von ihnen mussten bereits Ausgrenzungen wegen ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe erfahren. „Klar haben wir alle unsere Schubladen, das erste Urteil steht nach ein paar Sekunden fest - es wird dann erst problematisch, wenn wir Menschen aus diesem ersten Eindruck nicht entlassen", erklärte der Leiter des Workshops. Genau diese Macht des ersten Eindrucks wurde den Probanden schnell vor Augen geführt: Bei einer Übung erhielten sie Zettel mit einer jeweils neuen Identität, die durch bestimmte Verhaltensweisen gekennzeichnet ist. Mit den Stichworten im Kopf soll jeder sich im Raum den anderen Teilnehmern nähern, kurz ins Gespräch kommen und bestimmte Dinge tun, sich eben entsprechend der Vorgabe verhalten. Manche weichen zurück, verbeugen sich, schauen hin - oder weg. „Ich war schon komplett irritiert und negativ berührt, als mein Gegenüber immer näher an mich herantrat und sehr laut sprach", meinte eine Sozialpädagogin im Anschluss. Irritation, Befremden, Unsicherheit - das waren einige der geschilderten Empfindungen.

Die aufkommenden Gefühle und das zugrunde liegende Bild hinterfragen, sich aus erster Hand informieren, besser gegenseitig verstehen - immer wieder standen diese Schritte im Vordergrund. Wie stark die eigenen Emotionen von den Bildern geprägt sind, die etwa in Schulbüchern stehen, von den Medien transportiert werden und vom Elternhaus weitergegeben wurden, war nicht allen bewusst. Allein das zu Beginn von Bassam Ghazi erzählte Erlebnis zeigte, dass ein eigentlich respektvoll gemeintes Verhalten wegen mangelnder Information als aufmüpfig empfunden werden kann. Über einige „Aha-Erlebnisse" freuten sich die Teilnehmenden des Workshops und nahmen viel in ihre Arbeit mit. Auch die Erkenntnis, dass es zunächst nicht immer glatt geht, wenn verschiedene Kulturen aufeinandertreffen. Die Lösung kann, laut Bassam Ghazi, dann schon sein, die Unterschiede in einer respektvollen Art „auszuhalten" - und eben den „anderen Blick" zu trainieren.