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2018-09-13: Jens Poschmann: Neuer Krefelder Stadtförster stellt sich vor

Zuletzt geändert: 24.09.2018 10:32:07 CEDT

Jens Poschmann ist Krefelds neuer Stadtförster und arbeitet seit dem 1. August beim Kommunalbetrieb Krefeld. Der 34-Jährige folgt auf Arno Schönfeld-Simon, der im Frühjahr nach 30 Jahren im Dienst der Stadt Krefeld die Verwaltung in den Ruhestand verlassen hat. Und während Schönfeld-Simon familiär bedingt nun häufig die Reise in den Osten Deutschlands antritt, kommt Poschmann genau aus dieser Richtung nach Krefeld. In Nordhausen, gelegen am Südharz in Thüringen, hat er zuletzt für ein Unternehmen im Bereich der Forsteinrichtung gearbeitet und sich um nachhaltiges Forstwirtschaften gekümmert. Nach zwei Jahren als Referendar bei den ‎Landesforsten Rheinland-Pfalz hatte es den gebürtigen Lüdenscheider 2015 dort hin verschlagen. „Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Ich habe einen tollen Einblick in viele unterschiedliche Wälder in Pfalz, Harz und Eifel gewinnen können. Nun freue ich mich auf die spannende Aufgabe hier in Krefeld. Mein erster Eindruck zeigt mir, dass mein Vorgänger und meine jetzigen Kollegen sehr gute Arbeit geleistet haben", so Poschmann.

Stadtförster Jens Poschmann mit Hund Luna.  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Stadtförster Jens Poschmann mit Hund Luna.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Dass es ihn in dieses Berufsfeld verschlagen würde, zeichnete sich schon früh ab. Mit dem Großvater ging es bereits in der Kindheit zum Holzrücken in den Wald im Familienbesitz, „das hat mich immer schon begeistert." Und so folgte nach der Schule schließlich das Bachelor- und Master-Studium der Forstwissenschaft an der Uni Göttingen - wo übrigens auch sein Vorgänger einst studiert hatte. Der war 2005 Stadtförster und damit Nachfolger von Wilhelm Rohling geworden, der auf Heinrich Gallhoff gefolgt war. Gallhoff und Rohling, Namen die vielen Krefeldern noch bekannt sein dürften und in deren Zeiten das Arbeiten als Förster noch ein ganz anderes war. „Jeder denkt bei dem Beruf an das Forsthaus Falkenau und viele, viele Stunden draußen im Wald. Das ist aber nicht mehr der Fall, nur noch rund 30 Prozent bin ich draußen. Ansonsten sitzt der Stadtförster von heute viel im Büro, arbeitet an der Forsteinrichtung, koordiniert die Mitarbeiter und ist neben der Unterhaltung und der Pflege des Waldes mit Landschaftsplänen und Flurbereinigung beschäftigt", sagt Poschmann, der nun Herr über 1020 Hektar Kommunalwald in Krefeld ist. Dieser ist zu 98 Prozent Laubwald und hat in erster Linie Erholungs- und Umweltschutzfunktion. Poschmann übernimmt ein gut bestelltes Feld: Schönfeld-Simon hatte seit 2005 um mehr als zehn Prozent aufgeforstet. Es besteht dadurch kein Untervorrat mehr, weil seitdem weniger Festmeter Holz entnommen wurden, als möglich gewesen wären. „Der Krefelder Wald ist keiner, der sich über den Holzeinschlag definiert. Wir könnten vier Festmeter pro Hektar und Jahr schlagen, machen aber viel weniger", schildert Poschmann.

Blick in den Forstwald. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Blick in den Forstwald.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Und doch lichten sich die Krefelder Wälder aktuell. Schuld daran sind weniger Wetterereignisse wie Orkan Friederike oder die extreme Trockenheit, sondern ein aus Asien über Polen eingeschleppter Pilz: Das „Falsche Weiße Stengelbecherchen" (Hymenoscyphus pseudoalbidus) sorgt dafür, dass der Bestand an Eschen in Krefeld um 90 Prozent sinken wird. Zuletzt wurden Eschen im Stadtwald geschlagen, die auf den Europaring zu kippen drohten, im Hülser Bruch sind bereits große Bereiche gerodet. Auch Stil- und Roteiche sowie der Bergahorn sind durch Krankheiten und Schädlinge bedroht. „Bäume sind im Prinzip wie Menschen. Je älter sie werden, desto anfälliger sind sie für Krankheiten. Und dass es Schädlinge gibt, die ganze Arten bedrohen, kann auch vorkommen. Darauf müssen wir uns einstellen, das hat auch mein Vorgänger schon gemacht. Ich kann einen strukturierten, gut durchmischten Wald erkennen, das hilft, sich diesen Problemen zu stellen", sagt Poschmann.

Der Johannesturm auf dem Hülser Berg. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Der Johannesturm auf dem Hülser Berg.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Noch aber entdeckt er Krefeld, auch wenn er als Kind schon einmal den Zoo besucht hat. Immer an seiner Seite keine Frau oder Kinder, sondern Luna, ein elf Monate alter Kleiner Münsterländer. Die entspannte Hündin befindet sich noch in der Jagdausbildung, denn Poschmann ist Jäger. Das wurde sogar in der Stellenausschreibung verlangt, ist aber auch sein Hobby. „Ansonsten bin ich einfach gerne in der Natur. Das macht mir Spaß." So kommt es nicht von ungefähr, dass er eine Wohnung im Grünen sucht. „Für jemanden wie mich, ist Krefeld tatsächlich eine Großstadt, wenn auch eine sehr grüne. Und das gefällt mir schon jetzt."