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Kooperationsprojekt „Fabric of my life"

Zuletzt geändert: 27.02.2020 16:13:51 CET

Wenn ein Mensch seine Heimat verlässt, stellt sich die Frage, was er mitnehmen kann. Zumeist begrenzt es sich auf ein Gepäckstück, das auf der Flucht getragen wird oder für eine Reise taugt. „Menschen nehmen in solchen Situationen nicht nur Nützliches mit, sondern auch Dinge mit emotionaler Bedeutung", sagt Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums Krefeld. Welche Textilien Flüchtende und Migranten mitnehmen, die sich auf diesen Weg machen, ist ein Aspekt des internationalen Kooperationsprojektes „Fabric of my life". Es wird von der EU gefördert. „Wir wollen uns anschauen, welche Sprache Menschen mit traditionellen Kleidungsstücken oder Kostümen sprechen, welche Aussagen sie machen", sagt die Krefelder Projektmitarbeiterin Christina Schulte.

Kooperation von Bekleidungsforscherinnen aus Dänemark, Griechenland und Deutschland

Bei „Fabric of my life" kooperieren Bekleidungsforscherinnen aus Dänemark, Griechenland und Deutschland: Das Krefelder Textilmuseum arbeitet mit dem Zentrum für Textilforschung (CTR) in Kopenhagen und dem Griechischen Zentrum für die Erforschung und Konservierung archäologischer Textilien (Artex) in Athen zusammen. „Zahlreiche Unterprojekte in den verschiedenen Ländern führen dazu, dass Menschen ihre Geschichten erzählen und beginnen, selbst im Bereich Textilien kreativ zu sein", sagt Schieck. Mehrere dieser Unterprojekte realisiert das Textilmuseum mit der Akademie Mode und Design (AMD) in Düsseldorf, einem langjährigen Partner bei diversen Ausstellungen sowie Aktionen, und dem Krefelder Kommunalen Integrationszentrum (KI).

Fotoaktion an der AMD im Rahmen von "Fabric of my life": Von links: Felix Dobbert (AMD), Christina Schulte (DTM), Tagrid Yousef (KI), Annette Schieck (DTM) und Ralf Lobeck (AMD).
Fotoaktion an der AMD im Rahmen von "Fabric of my life": Von links: Felix Dobbert (AMD),
Christina Schulte (DTM), Tagrid Yousef (KI), Annette Schieck (DTM) und Ralf Lobeck (AMD).

Das erste dieser Projekte wurde vor Weihnachten realisiert: Die AMD-Studierenden belegen im ersten Semester einen Kurs in Modefotografie. In diesem Seminar beschäftigten sich die Studierenden erstmals mit Porträtfotografie. Sie machten Aufnahmen von 16 Menschen aus zehn Ländern: Ihre „Models" kommen aus Albanien, Bulgarien, Bangladesch, Ghana, Großbritannien, Japan, Kosovo, Peru, Türkei und Palästina. Sie trugen dabei traditionelle Kleidungsstücke.

In kräftigem Rot oder Grün kamen zwei Damen aus Bulgarien - in diesen Kleidern führen sie klassische Tänze des Balkanlandes vor. Leuchtend bunt waren die Trachten dreier Modelle aus Peru. Ihre sehr unterschiedlichen Kostüme stehen für das andine Bergland (mit mehreren Unterröcken), für den Urwald (mit einem Krokodil aus Perlen am Kopfschmuck) und im Mustermix für die pazifische Küstenregion. Spannend waren auch Kleidungsstücke aus dem westafrikanischen Ghana. Wie die südamerikanischen weisen sie regionale Unterschiede in ihren Heimatländern auf.

KIZ hilft bei der Suche

Bei der Suche nach den „Modellen" wurde das Textilmuseum durch das Kommunale Integrationszentrum der Stadt Krefeld unterstützt. „Dank ihrer Vernetzung haben sie in kurzer Zeit eine große Anzahl von Menschen aus verschiedenen Migrantengruppen angesprochen und konnten sie als Modelle für die Fotoaktion gewinnen", sagt Schulte. Die Internationalität des Fotoshootings spiegele sich nicht nur in den Teilnehmern aus zehn Nationen, sondern auch an den 21 Studierenden, unter denen ebenfalls zehn Nationen vertreten waren.

Die Fotoaktion ist nur eines von mehreren Projekten, die im laufenden Jahr in Düsseldorf und Krefeld von den AMD-Studierenden umgesetzt werden. „Wir sind sehr angetan von ihrer Begeisterung und Aufgeschlossenheit", so Schulte. Im Januar werden die Fotos von den Studierenden nachbearbeitet und stehen dann dem Textilmuseum für eine Ausstellung im Frühjahr 2021 zur Verfügung.