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2017-12-19: Integrationszentrum startet „Lebendige Mehrsprachigkeit"

In Nordrhein-Westfalen leben heute Menschen aus mehr als 190 Herkunftsländern, auch in Krefeld gibt es zahlreiche Zuwanderer mit vielfältigen Sprachen. Sehr passend also, dass Krefeld als Modellkommune am Landesprojekt „Lebendige Mehrsprachigkeit" teilnimmt. Bei der Auftaktveranstaltung in der Museumsscheune Linn wies Bürgermeisterin Karin Meincke in ihren Grußworten auf die Wichtigkeit hin, Respekt allen Sprachgruppen gegenüber zu erweisen: „Ich habe den Eindruck, einem Französisch sprechendem Jugendlichen wird mehr Respekt entgegen gebracht, als beispielsweise einem Rumänisch sprechenden." Der neue Fachbereichsleiter für Migration und Integration, Andreas Pamp, drückte im Anschluss seine Freude darüber aus, dass „ein solch schönes Projekt in Krefeld verwirklicht werde" - vor allem angesichts der zahlreichen Sprachgruppen in der Seidenstadt.

Staatssekretärin Serap Güler (Mitte) folgte der Einladung aus Krefeld gerne, „eingerahmt“ wird sie von Fachbereichsleiter Andreas Pamp und KI-Leiterin Dr. Tagrid Yousef. Foto: Stadt Krefeld,  Kommunales Integrationszentrum,
Staatssekretärin Serap Güler (Mitte) folgte der Einladung aus Krefeld gerne, „eingerahmt" wird
sie von Fachbereichsleiter Andreas Pamp und KI-Leiterin Dr. Tagrid Yousef.
Foto: Stadt Krefeld, Kommunales Integrationszentrum,

Besuch war aus der neuen Landesregierung gekommen: Staatssekretärin Serap Güler kam zur Auftaktveranstaltung nach Krefeld - sie sicherte dem Kommunalen Integrationszentrum (KI) für das Projekt weitere finanzielle Mittel für 2018 zu. Timm Albers von der Universität Paderborn ist mit der Ausbildung von Lehrkräften betraut. In einem kurzweiligen Vortrag lieferte er die wissenschaftliche Grundlage dafür, dass Vielsprachigkeit gefördert werden sollte. Studien belegen, dass es keinerlei Nachteil bedeutet, mit mehreren Sprachen aufzuwachsen - im Gegenteil. Neue Satzkonstruktionen der Zuwandererkinder, die Versatzstücke aus beiden Sprachen beinhalten, sollten als kreativ, nicht als problematisch gesehen werden. „Quersprachigkeit" ist der dafür geprägte Ausdruck. Wichtig sei vor allem die Haltung den mehrsprachigen Kindern und Jugendlichen gegenüber. „Wir erleben zu oft, dass Primarschullehrer schon nach zwei Wochen die Kinder in `Schubladen´ gesteckt haben", moniert er. Denn zwei- bis dreifach so hoch sei die Zahl der Schüler aus Zuwandererfamilien gegenüber biologisch Deutschen, die an Förderschulen verwiesen werden, und das bei demselben Leistungsstand. Dass die Unterstützung im Elternhaus mangelhaft wäre, würde einfach unterstellt. Es sei also noch viel zu tun, wobei das Miteinander des Elternhauses, der Bildungseinrichtung und anderer Institutionen gestärkt werden müsse, so das Fazit des Professors.

Bremer Stadtmusikanten auf Russisch, Arabisch und Französisch

Zwei aktive Programmeinlagen unterstrichen die Lebendigkeit in Krefeld: Auf Russisch, Arabisch, Französisch lasen Schüler des Ricarda-Huch-Gymnasiums, unter der Leitung ihres „teach fellows" Sandra Zillinger aus den „Bremer Stadtmusikanten" vor. Eine Gruppe vielsprachiger Grundschüler, sowie deren Eltern aus dem Rucksackprojekt, sangen ein Lied mit mehrsprachigem Text. Anschließend sammelten sich die zahlreichen Besucher, meist aus pädagogischen Arbeitsfeldern, zum Austausch. „Krefeld ist als Modellkommune auf einem guten Weg", freute sich KI-Mitarbeiterin Maria Akrivi, Organisatorin des Abends, angesichts des großen Interesses.