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2020-05-20: Neues Video: Heinrich Band, das Bandoneon und der argentinische Tango

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„Ein Tango ohne Bandonion ist hier überhaupt undenkbar. Man muss einmal diese argentinischen Spieler gehört haben und dann begreift man, was Tango spielen bedeutet. Denn beim Tango sind alle Instrumente zur Unterstützung des Bandonion da", berichtet Walter Pörschmann. Der deutsche Star-Bandoneon-Spieler besuchte 1925 Buenos Aires, die Hauptstadt Argentiniens. In dem südamerikanischen Land spiele man an allen nur denkbaren Orten und vom Droschkenkutscher bis zum Millionär das Instrument, schilderte er tief beeindruckt. Das Bandoneon sei dort das Volksinstrument nach dem Tausende in den Cafés, Kneipen und Sälen tanzen. Seinen Ursprung hat das Instrument aber nicht in der Neuen, sondern in der Alten Welt: Der Erfinder und Namensgeber stammt aus Krefeld - Heinrich Band. Nun ist im Klartext-Verlag eine umfangreiche Publikation der Autorin Dr. Janine Krüger erschienen, die sich dem Leben Heinrich Bands, dem Bandoneon und seiner musik-historischen Bedeutung sehr ausführlich widmet. Die ursprüngliche Schreibweise „Bandonion" wird im Übrigen heute ebenso genutzt wie die ab dem 19. Jahrhundert für den Export verwendete Bezeichnung „Bandoneon".

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Stellen das neue Buch über Heinrich Band und das Bandoneon vor (v.l.): die Autorin Janine Krüger, Barbara Adamek, Vorsitzende Förderverein des Kulturbüros, Oberbürgermeister Frank Meyer, Professor Gerhard Hahn, ehemaliger Vorsitzender Förderverein des Kulturbüros, Dr. Gabriele König, Kulturbeauftragte der Stadt Krefeld, sowie Michael Rotthoff, Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Stellen das neue Buch über Heinrich Band und das Bandoneon vor (v.l.): die Autorin Janine Krüger, Barbara Adamek, Vorsitzende Förderverein des Kulturbüros, Oberbürgermeister Frank Meyer, Professor Gerhard Hahn, ehemaliger Vorsitzender Förderverein des Kulturbüros, Dr. Gabriele König, Kulturbeauftragte der Stadt Krefeld, sowie Michael Rotthoff, Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

„Heinrich Band hat das entscheidende Instrument für den argentinischen Tango erfunden. Ein Instrument, das heute quasi Weltruhm erlangt hat und aus der Samt- und Seidenstadt stammt", freut sich Oberbürgermeister Frank Meyer über das mehr als 360 Seiten starke Buch. Der Musikalienhändler Heinrich Band (1821-1860) entwarf um 1850 ein Instrument, das er später unter dem Namen „Bandonion" weltweit verkaufte. Über Auswanderer gelangte es vermehrt nach Amerika. Den ersten schriftlichen Quellennachweis der Bezeichnung findet sich in einem Brief des Krefelder Wilhelm Seyffardt. Er lebte in Nordamerika und bat seine Eltern im Mai 1855 ihm für einen Freund ein „Bandonion" zu schicken. Seyffardt bestätigte in einem anderen Brief die Ankunft im Oktober 1855 im New Yorker Hafen. Dort verliert sich leider die Spur.

Heinrich Band
Heinrich Band, Foto aus dem Heinrich-Band-Zimmer, Museum Burg Linn

Idee, Entwurf und Vertrieb des Bandoneons lagen bei Heinrich Band in Krefeld, die Produktion wird er aber nicht in einer eigenen Manufaktur oder gar einer Fabrik geleistet haben. Damit beauftragte er wohl Christian Friedrich Reichel in Chemnitz, was sich nach der Autorin durch Abbildungen in Anzeigen im „Chemnitzer Adressbuch von 1855" belegen lasse. Die eigentliche Herstellung erfolgte demnach im von Chemnitz 50 Kilometer entfernten Waldheim, verteilt auf verschiedene Produktionsstätten, wie einer Strafanstalt und Hausarbeit. Diese frühe Form der „Massenproduktion" in Arbeitsteilung ermöglichte Verkaufspreise, die auch vom Mittelstand bezahlt werden konnten. Im Jahr 1854 sollen in Waldheim so fast 25.000 Harmonika gebaut worden sein - unter anderem für Heinrich Band. Dr. Janine Krüger widerlegt mit ihrer ausführlichen Schilderung damit auch die Legende, dass es sich bei Waldheim um den Ursprungsort des Bandoneons handelt.

Detail Bandoneon
Folgende Fotos: Mercedes Cimadevilla

„Der ehemalige Leiter des Kulturbüros, Jürgen Sauerland-Freer, ist der Initiator des Buches. Ihm liegt das Bandoneon, das Verhältnis von Bandoneon und Krefeld, sehr am Herzen und er wollte bekannt machen, dass Krefeld die Geburtsstadt des Bandoneons ist", betont Barbara Adamek, die Vorsitzende des Fördervereins des Krefelder Kulturbüros. Dieser ist auch der Herausgeber der deutschen Ausgabe. Der Verein wünsche sich zudem Übersetzungen in Englisch und Spanisch. „Das ist ein Krefelder Thema und es ist wichtig, dass es in die Welt hinausgetragen wird", fügt Professor Gerhard Hahn und ehemaliger Fördervereins-Vorsitzender hinzu. „Es ist ein spannendes, Identität stiftendes Instrument. Ich kenne keine Stadt, die sich ein Instrument zu eigen machen kann, die sagen kann, es kommt tatsächlich von hier", sagt Dr. Gabriele König, Kulturbeauftragte der Stadt Krefeld. Die Erinnerung an Heinrich Band werde insbesondere durch das alle zwei Jahre stattfindende Bandoneon-Festivals in Krefeld wachgehalten.

Detail Bandoneon

Der Druck von „Heinrich Band. Bandoneon. Die Reise eines Instruments aus dem niederrheinischen Krefeld in die Welt" wurde durch die Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld unterstützt. „Wir betreiben hauptsächlich Projektförderung und vor diesem Hintergrund haben wir seinerzeit uns sehr schnell dazu entschlossen, das nun vorliegende Buch über Heinrich Band und sein Instrument zu fördern", so Michael Rotthoff von der Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld. Das über 360 Seiten umfassende Buch mit zahlreichen Abbildungen ist im Klartext-Verlag Essen erschienen und ab sofort im Buchhandel erhältlich. Es kostet 29,95 Euro. Musikbeispiele können via QR-Code abgespielt werden. Die Auflage beträgt 700 Stück.