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Große Resonanz beim Infoabend

Zuletzt geändert: 29.11.2018 15:20:36 CET

„Mein Beruf, meine Zukunft - mit Aus- und Weiterbildung zu meinem Ziel", unter diesem Motto hatte das Kommunale Integrationszentrum zusammen mit „samo.fa" (Projekt zur Stärkung von Migrantenorganisationen) in die Friedenskirche eingeladen. Viele junge Leute, zumeist mit Zuwanderungsgeschichte, nahmen die Einladung an, um - mit oder ohne Eltern - Tipps für die weitere Schul- und Berufslaufbahn zu bekommen. „Ich wollte von meiner Seele erzählen, wollte Freunde haben", beschreibt der 20-jährige Afghane Mirwais Hotak seine Motivation, auf dem schnellsten Weg Deutsch zu lernen. Seit zwei Jahren lebt er in Deutschland, bekam keinen Zugang zu Sprachkursen und stand jetzt doch vor einer großen Zuhörerschaft, um in flüssigem Deutsch seinen Werdegang zu schildern. Er lernte die Sprache per Handy, holte den Hauptschulabschluss nach und absolviert momentan eine Ausbildung als Maschinen- und Anlagenführer.

Verschiedene Institutionen informierten interessierte junge Menschen mit Zuwanderungshintergrund über Schul- und Ausbildungswege. Fotos: Hadi Ghanaatpsiehba
Verschiedene Institutionen informierten interessierte junge Menschen mit
Zuwanderungshintergrund über Schul- und Ausbildungswege.
Fotos: Hadi Ghanaatpsiehba

Wie Mirwais Hotak stellten dann auch zwei weitere junge Männer ihre Biografien vor: Rahim Maharranov (23) aus Aserbaidschan und Abdulrahaman Alharash (25) aus Syrien. Sie alle mussten große Motivation aufbringen, nach etlichen Entmutigungen wieder auf die Beine zu kommen. Rahim Maharranov stand jeweils um 3 Uhr nachts auf, um ein Praktikum in einem Krefelder Hotel zu absolvieren, denn ein Umzug war von Behördenseite zunächst verwehrt worden. Er lernt nun Restaurantfachmann, sein Ziel ist ein Studium im Hotelmanagement. Abdulrahaman Alharash hingegen studiert Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Niederrhein, trotz eines bereits abgeschlossenen Studiums in seiner Heimat. Ehrenamtliches Engagement hatte ihm geholfen, Deutsch zu lernen. Jetzt möchte er die Erfahrungen weitergeben, indem er selbst eine Beratungsorganisation gründet. Der unsichere Status einer „Aufenthaltsgestattung" macht es Rahim aus Afghanistan und dem Aserbaidschaner Mirwais nicht leicht. Dennoch sehen die jungen Männer positiv in die Zukunft, schätzen das deutsche Bildungssystem und wünschen sich einfach ein „gutes Leben".

Dass ganz viele Wege zum Ziel führen können zeigte Christian Kautz in seinem Vortrag. Früher bei der Bundesagentur für Arbeit beschäftigt ist er jetzt Berater bei der städtischen Krefelder Ehrenamtskoordination. „Die Wege sind in alle Richtungen offen", erklärte er. Berufskollegs etwa bieten die Möglichkeit, Schulabschlüsse nachzuholen, berufliche Praxis nach einer Ausbildung ermöglicht ein Studium sogar ohne Hochschulreife. Eine einjährige Einstiegsqualifizierung für zugewanderte junge Menschen führt in die Sprache und berufliche Praxis ein und wird auf eine nachfolgende Ausbildung angerechnet.

Auf großes Interesse stieß die Informationsveranstaltung zum Thema Bildungsmöglichkeiten bei jungen Zuwanderern mit ihren Eltern in der Friedenskirche. Fotos: Hadi Ghanaatpsiehba
Auf großes Interesse stieß die Informationsveranstaltung zum Thema Bildungsmöglichkeiten
bei jungen Zuwanderern mit ihren Eltern in der Friedenskirche.
Fotos: Hadi Ghanaatpsiehba

Elf Aussteller boten nach dem offiziellen Programmteil Informationen zu Bildungsabschlüssen, Studienmöglichkeiten und spezielle Hilfen für junge Zuwanderer. Dass es nicht immer ein Studium sein muss, zeigte der Stand des Bildungszentrums der Kreishandwerkerschaft. Damit die Verständigung klappte, waren Dolmetscher vor Ort, die in 15 Sprachen übersetzen konnten. Bei aller wertvollen fachlichen Unterstützung bleibt wohl die mitmenschliche Komponente die wichtigste. Immer wieder trafen die drei jungen „Vorbilder" auf hilfreiche Unterstützer. So berichtete Mirwais: „Ich hatte dann einen deutschen Freund, habe Vokabeln gelernt. Und er hat mir gezeigt, wie man aus den Worten einen Satz macht". Eine simple Strategie, die offenbar großen Erfolg hatte.