Inhalt

2019-03-25: Grammophonlesung mit Jo van Nelsen im Literaturhaus

Zuletzt geändert: 11.04.2019 11:11:26 CEDT

Sie war die erste deutsche Gerichtsreporterin, ihren Debütroman schrieb sie in sechs Wochen: Gabriele Tergit und ihr Roman „Käsebier erobert den Kurfürstendamm". Die pfiffigsten Passagen aus dem Zeitroman liest Jo van Nelsen am Donnerstag, 4. April, um 20 Uhr im Niederrheinischen Literaturhaus Krefeld an der Gutenbergstraß 21. Schauspieler Jo van Nelsen ist Sänger und Moderator in deutschen Varietés. Der versierte Kenner der Zwanziger Jahre kann in diesem Jahr auf 30 Jahre Bühnenerfahrung zurückblicken. Zwischen den Textausschnitten spielt er auf seinem roten Grammophon Hits der 1920er-Jahre. Die Grammophonlesung ist ein Beitrag des Niederrheinischen Literaturhauses und der Gleichstellungsstelle in der Reihe „Frauenklasse - Klasse Frauen" zum Bauhaus-Jubiläumsjahr. Sie wird gefördert von der Geschichtswerkstatt Krefeld. Der Eintritt kostet sieben, ermäßigt fünf Euro. Da der Saal des Hauses 30 Plätze bietet, wird um Kartenreservierung gebeten bei Anette Ostrowski.

Das Niederrheinische Literaturhaus Krefeld auf der Gutenbergstraße 21.  Foto: Manfred Grünwald
Das Niederrheinische Literaturhaus Krefeld auf der Gutenbergstraße 21.
Foto: Manfred Grünwald

„Käsebier erobert den Kurfürstendamm" machte die Gerichtsreporterin Gabriele Tergit 1931 zur dauerhaft rezipierten Schriftstellerin. Der Roman spielt 1929 und erzählt vom Aufstieg und Fall des Volkssängers Käsebier, den ein Zeitungsreporter in einem billigen Varieté entdeckt. Um Eindruck in seiner Redaktion zu machen, puscht er ihn zum Megastar hoch. Immobilienmakler und Spekulanten hängen sich an den schnellen Ruhm. Käsebier wird hemmungslos vermarktet. Pointierte und hoch komische Dialoge machen neben der präzisen Schilderung der gesellschaftlichen Milieus - vom Tanzmädchen über den Baulöwen bis zum Medienmogul - den Reiz des Romans aus. Ihren eigenen Arbeitsplatz nimmt Tergit dabei besonders unter die Lupe: die Kulturredaktion des Berliner Tageblatts.Rasantes Tempo, Gegenwartsrelevanz sowie die Verquickung von Medienhype und Immobilienblase machen den Roman, der zu den bedeutendsten der Weimarer Republik und den herausragenden Beispielen der Reportage-Literatur zählt.

Gabriele Tergit, Jahrgang 1894, begann 1919 mit der Einführung des Frauenwahlrechts in der Weimarer Republik ihr Studium der Geschichte, Soziologie und Philosophie. Eine Festanstellung als Gerichtsreporterin bekam sie 1924. Bis 1933 arbeitete sie freiberuflich, unter anderem für „Die Weltbühne". Im November 1933 emigrierte sie nach Palästina, 1938 zog sie mit ihrem Mann nach London. Dort wählte sie 1957 das PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland zum Sekretär, ein Amt, das sie bis 1981 - ein Jahr vor ihrem Tod - innehatte.