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Fünf Bauhaus-Ausstellungen in Krefeld

Zuletzt geändert: 28.05.2019 16:13:50 CEDT

„100 Jahre Bauhaus" wird nicht nur in Berlin, Weimar und Dessau gefeiert: Krefeld ist die Bauhausstadt in Nordrhein-Westfalen. Die Geschichte der Stadt und des Bauhauses sind wie in keiner anderen NRW-Kommune so eng miteinander verwoben: Hier lebten und wirkten Ludwig Mies van der Rohe, Johannes Itten, Georg Muche und weitere Vertreter der Schule. Zurzeit gibt es fünf Schwerpunkte, mit denen in Ausstellungen Aspekte des Bauhauses thematisiert werden. Weitere Ausstellungen und Projekte unter anderem in Deutschen Textilmuseum und im Kaiser-Wilhelm-Museum stehen noch an. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die aktuellen Ausstellungen.

„Krefeld Pavillon" im Kaiserpark

Klare Formen, praktisch, reduziert und mit Flachdach - so lassen sich Bauhaus-Gebäude knapp beschreiben. Der Nabel des Krefelder Bauhausjahres im Kaiserpark an der Wilhelmshofallee hat mit diesem Stil nun überhaupt nichts gemein und das soll er ganz bewusst auch nicht. Denn die achteckige Holzkonstruktion mit Bronzedach, die begehbare Skulptur „Krefeld Pavillon" des Düsseldorfer Künstlers Thomas Schütte, ist eine Reverenz an die Bildenden Künstler, die am Bauhaus gewirkt haben. Die Initiative „Mies in Krefeld" (Projekt MiK) zeigt dort die Ausstellung „Bauhaus und Industrie in Krefeld", die auf einem zweijährigen Forschungsprojekt basiert.

Der Krefeld-Pavillon. Foto: Projekt MIK
Der Krefeld-Pavillon.
Foto: Projekt MIK

Das bislang unbekannte Kapitel der Bauhaus-Geschichte haben Christiane Lange und Anke Blümm vom Bauhaus Museum Weimar in dem Forschungsband „Bauhaus und Textilindustrie. Architektur - Design - Lehre" veröffentlicht. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die bis zum 27. Oktober zu sehende Ausstellung anlässlich des 100. Jubiläums des Bauhauses. Sie ist mittwochs bis freitags von 15 bis 21 Uhr, samstags, sonntags sowie an Feiertagen von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Änderungen vorbehalten, Sonderöffnungen für Gruppen und Schulklassen sind möglich. Der Eintritt beträgt acht Euro. Ein Kombiticket für die Kunstmuseen Krefeld und den Pavillon kostet 16 Euro.

Unbekannte Pläne von Haus Esters im Stadtarchiv

Im Stadtarchiv Krefeld sind mehrere, bislang völlig unbekannte Pläne der Bauhaus-Villa Haus Esters aus dem Jahr 1928 entdeckt worden. Der weltbekannte Architekt und ehemalige Bauhaus-Direktor Ludwig Mies van der Rohe hat dieses und das benachbarte Haus Lange entworfen und realisieren lassen. Dr. Christoph Moß, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs, hat die Unterlagen bei einer routinemäßigen Sichtung noch nicht erfassten Archivgutes zufällig in einem unscheinbaren und nicht beschrifteten Karton gefunden.

Dr. Christoph Moß, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs Krefeld, und PD Dr. Stefanie van de Kerkhof stellen die bislang unbekannten Pläne von Haus Esters vor. Fotos: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Dr. Christoph Moß, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs Krefeld, und PD Dr. Stefanie van
de Kerkhof stellen die bislang unbekannten Pläne von Haus Esters vor.
Fotos: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Das Staunen und die Freude waren in Anbetracht von rund 50 Blättern zum heutigen Museum Haus Esters dann sehr groß. „Das sind ganz spannende Dokumente", sagt Moß. Die Grund- und Aufrisse zeigen die Pläne der Bauhaus-Villa im Juli und August 1928, die sich wesentlich von dem heutigen Gebäude unterscheiden. Unter anderem war für Haus Esters eine weitere Etage vorgesehen. Eine Auswahl der Pläne, Dokumente und Zeichnungen, unter anderem von einem Möbelstück für Haus Esters und der Heizungsplan, sind in einer Ausstellung im Foyer des Stadtarchivs an der Girmesgath 120 bis zum 14. Juni zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags 13 bis 16 Uhr, dienstags und mittwochs von 8.30 bis 16 Uhr, donnerstags von 8.30 bis 17.30 Uhr und freitags von 8.30 bis 13 Uhr.

Ausstellung „Mies im Westen"

Es sind die bekanntesten Bauten von Ludwig Mies van der Rohe in Nordrhein-Westfalen: die Häuser Lange und Esters an der Wilhelmshofallee sowie das HE-Gebäude der Vereinigten Seidenwebereien an der Girmesgath in Krefeld. Neben diesen gab es noch weitere Projekte, die Mies aber nicht realisierte und die daher eher unbekannt geblieben sind. Die Ausstellungsreihe „Mies im Westen" möchte bis 30. Juni im Mies-van-der-Rohe-Business-Park, Girmesgath 5, diese beiden Seiten seines Wirkens in Krefeld veranschaulichen.

Haus Lange. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Haus Lange.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Damit verdeutlichen die Krefelder Projekte eindrucksvoll neben ihrer eigenen (Bau-)Geschichte auch die Entwicklung und Bandbreite der architektonischen Prinzipien und konstruktiven Lösungen von Mies in dieser Zeit der Suche. Die sich entwickelnde Arbeitsweise des Architekten zeigt darüber hinaus, wie sehr die Erfahrung der Krefelder Projekte bereits zukünftige Handlungsstrategien der amerikanischen Phase vorweg nahm. Die Ausstellung ist geöffnet von Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Neben Krefeld gibt es auch Ausstellungen in Aachen (bis 16. Juni), Essen (23. Mai bis 5. Juli) und abschließend in Köln. Die Reihe ist eine Koproduktion des Museums für Architektur und Ingenieurkunst NRW, der Technischen Hochschulen Köln und Mittelhessen und der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft.

Anders Wohnen - Entwürfe für Haus Lange und Haus Esters

Das Projekt „Anders Wohnen. Entwürfe für Haus Lange und Haus Esters", das die Kunstmuseen Krefeld anlässlich von 100 Jahre Bauhaus entwickelt haben, erreicht mit „Akt 1: Utopie" die nächste Phase. Zu dem Stichwort „Utopie" haben sieben der insgesamt 16 beteiligten Künstler, Architekten und Designer neue Werke für das Haus Lange an der Wilhelmshofallee 91-97 realisiert. Aus einer kritischen Auseinandersetzung mit der digitalen, globalen Gesellschaft und mit Blick auf aktuelle Herausforderungen wie Ressourcenknappheit oder Wohnungsmangel entstanden alternative Wohn- und Lebensmodelle. Die moderne Architektur von Ludwig Mies van der Rohe steht dabei als gebaute Utopie im Dialog mit den Installationen und Werken. Im Kaiser-Wilhelm-Museum am Joseph-Beuys-Platz in der Innenstadt findet am Donnerstag, 6. Juni, der Kunst-Impuls „Back to Bauhaus. Oh, Moderne" von 17 bis 21 Uhr statt. Neben den Führungen wird auch ein Workshop zum Vorkurs am Bauhaus angeboten. „The Roaring Twenties" spielen Musik aus der Bauhauszeit. Der Eintritt ist kostenfrei.

Pioniere der Textilgestaltung im Haus der Seidenkultur

Den „Pionieren der Textilgestaltung" widmet sich die Sonderausstellung im Haus der Seidenkultur an der Luisenstraße zum Bauhaus-Jubiläum in Krefeld. Der Fokus richtet sich auf den künstlerischen und pädagogischen Wert der einst an der Textilingenieurschule Krefeld lehrenden Bauhäuslerinnen Elisabeth Kadow und Immeke Mitscherlich. Kadow war ab 1945 für die Klasse der Druckgestaltung verantwortlich. Im Jahr 1958 übernahm sie als Nachfolgerin von Georg Muche die Leitung der Meisterklasse für Textilkunst und führte diese bis 1971. Immeke Mitscherlich leitete die Modeklasse III (Modegrafik) von 1951 bis 1965. In der Ausstellung sind unter anderem Arbeiten von Kadow zu sehen wie großformatige Tapisserien. Die von Dr. Ulrike Denter kuratierte Ausstellung ist bis 24. November jeweils zu den Öffnungszeiten des Museums mittwochs bis freitags in der Zeit von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 13 bis 15 Uhr zu sehen.

Infokasten

Die Stadt Krefeld setzt im Bauhaus-Jahr mit Ausstellungen und Projekten künstlerische und architektonische Akzente. Sowohl die städtischen Museen als auch die bürgerschaftliche Initiative Projekt MIK bieten ein umfangreiches Programm. Hinzu kommen Veranstaltungen der Kulturinstitute, der freien Szene, der Wirtschaft und des Stadtmarketings. Die Aktivitäten sind eingebunden in das bundesweite Jubiläumsjahr und in das Programm „100 Jahre Bauhaus im Westen", das vom Land NRW und den Landschaftsverbänden organisiert wird. An dem bundesweiten Bauhaus-Jubiläum beteiligt sich Krefeld als einzige Kommune in NRW.