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2019-12-18: Forschungsprojekt zur Nachkriegsentwicklung von Städten

Zuletzt geändert: 27.02.2020 16:12:28 CET

„US-Großangriff an der Rur auf breiter Front" titelte eine Krefelder Tageszeitung am 24. Februar 1945. In den frühen Morgenstunden des Vortages begann an der Rur bei Düren die alliierte „Operation Granate" um die Rheinbrücken zu erreichen und zu sichern. Diese fortgesetzte West-Ost-Bewegung der Front, die teilweise über die Niederlande anrückte, und die Bombardierungen der westdeutschen Städte in den Jahren zuvor haben Folgen bis in die Gegenwart: Die Zerstörung der kleinen und großen Kommunen zwischen Rhein und Maas führte zu unterschiedlichen Wiederaufbaukonzepten. Welche Konsequenzen das für die städtische Nachkriegsentwicklung mit sich brachte, wird derzeit in einem einjährigen und grenzüberschreitenden Forschungsprojekt untersucht - auch im Stadtarchiv Krefeld.

Trafen sich zum Thema "75 Jahre nach Kriegsende: Stadtplanung" im Stadtarchiv (von links) : Yvonne van der Velden (EUREGIO), Frans Hermans (Stadtarchiv Venlo), Olaf Richter (Stadtarchiv), Ulrike Laufer (Historikerin). Foto. Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof
Trafen sich zum Thema "75 Jahre nach Kriegsende: Stadtplanung" im Stadtarchiv (von links) :
Yvonne van der Velden (EUREGIO), Frans Hermans (Stadtarchiv Venlo), Olaf Richter
(Stadtarchiv), Ulrike Laufer (Historikerin).
Foto. Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

Das von der Euregio Rhein-Maas-Nord geförderte Projekt „75 Jahre nach Kriegsende - Schwerpunkt Stadtplanung" setzt diese Analyse in sieben deutschen und drei niederländischen Städten an. Die Historikerin Dr. Ulrike Laufer aus Essen widmet sich dabei der Entwicklung Krefelds und ihre erste Zwischenbilanz lautet: „Krefeld hatte sehr, sehr gute Stadtplaner". Und die Stadt habe trotz ihrer großflächigen Zerstörung auch „Glück gehabt". Einerseits wurden von den massiven Bau-Ideen der Nationalsozialisten keine einzige umgesetzt. So war eine durchgehende Ost-West-Achse vorgesehen, für die die St.-Dionysius-Kirche hätte abgerissen werden müssen. Andererseits erhielt Krefeld als wirtschaftlich aufstrebende Kommune nach dem Krieg längst nicht so viele Fördermittel für eine Autogerechte Stadtentwicklung. Zudem gab es viele Grundstückseigentümer in der Innenstadt, die eine großflächige Planung behinderten. „Deshalb musste man umsichtig sein mit Sanierungsmaßnahmen", so Laufer. Der ursprüngliche Grundriss des mittelalterlichen Krefelds und die Struktur der vier Wälle blieb erhalten. Bauliche Eingriffe, auch in den Grundriss, erfolgten allerdings massiv am heutigen Theaterplatz und im Bereich des Schwanenmarktes. An der Hochstraße stehen bis heute ein- oder zweigeschossige Geschäftshäuser, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit der Wirtschaftswunderjahre schnell hochgezogen wurden.

Ausstellung nach den Sommerferien 2020 geplant

Abschließende Ergebnisse zum Forschungsprojekt liegen dies- und jenseits der Grenze zwar noch nicht vor, aber ein wichtiger Aspekt bei den Nachkriegsplanungen lag nach Lafers Einschätzung im Bereich Auto, Verkehr und Parkmöglichkeiten. Aber es gebe auch ganz differenzierte Entwicklungen wie beispielsweise mit den historischen Stadtkernen in Kempen und Wachtendonk, die weitgehend vom durchgehenden Autoverkehr freigehalten wurden. Die Unterschiede und Parallelen sollen nach dem Abschluss der Forschungsarbeiten einem breiten Publikum auf einer populärwissenschaftlichen Basis vorgestellt werden: „Eine Ausstellung ist für die Zeit nach den Sommerferien 2020 geplant", sagt Dr. Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs in Krefeld. Zudem ist eine Publikation vorgesehen. Die Beiträge werden auf Deutsch und Niederländisch veröffentlicht, eine Zusammenfassung gibt es jeweils in der anderen Landessprache. An dem Projekt sind Krefeld, Geldern, Venlo, Venray, Nimwegen, Kempen, Straelen, Kleve, Mönchengladbach und Wachtendonk beteiligt. Die Idee dazu hatte Frans Hermans von der niederländischen „Stichting Peel Maas Niers", die schon mit dem Stadtarchiv Krefeld bei der Reformationsausstellung „In Einheit leben -- in Vielfalt glauben" (2017) zusammengearbeitet hat.