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2020-04-30: Erste ortsspezifische Literatur zu Bauhaus-Villen

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Über Jahrzehnte hinweg haben sich Künstler immer wieder in Ausstellungen mit Haus Lange und Haus Esters auseinandergesetzt. Nun haben die Kunstmuseen Krefeld erstmals eine Autorin und zwei Autoren eingeladen, ortsspezifische Literatur zu realisieren. Marion Brasch, Matias Faldbakken und Mark von Schlegell haben drei Kurzgeschichten geschaffen, die auf unterschiedliche Weise die geschichtsträchtigen Häuser mit Leben füllen. „Mit den ‚Short Stories' erweitern wir unseren Kunstbegriff und ermöglichen gerade in der aktuellen Ausnahmesituation Kunstgenuss in den eigenen vier Wänden", unterstreicht Museumsleiterin Katia Baudin. „Als Ausstellung in Buchform entsteht ein völlig neuer Zugang zu den Häusern Lange und Esters, der auch für Kenner viele spannende Entdeckungen bereithält." Weil die geplante Autorenlesung wegen der Corona-Krise ausfallen musste, richten die Kunstmuseen Krefeld für Sonntag, 3. Mai, unter www.kunstmuseenkrefeld.de/short-stories eine neue Website ein. Dort ist neben Leseproben auch ein Video zu sehen, in dem Marion Brasch und Mark von Schlegell aus ihren Erzählungen lesen.

Die Publikation „Short Stories für Haus Lange Haus Esters" ist ab sofort erhältlich. Das Buch (120 Seiten) ist Teil der Reihe „Sammlungssatelliten", die von der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West gefördert wird. Die Texte erscheinen zweisprachig auf Deutsch und Englisch. Die Bücher können ab sofort per E-Mail an servicekunstmuseen@krefeld.de oder telefonisch unter 02151 97558137 bestellt werden. Der Museumspreis beträgt 16,50 Euro zuzüglich Versandkosten (Inland: zwei Euro, Ausland: 3,50 Euro). Der Preis der Buchhandelsausgabe beträgt 18 Euro.

Im Auftrag der Textilfabrikanten Hermann Lange und Joseph Esters wurden Ende der 1920er-Jahre die Bauhaus-Villen von dem international bekannten Architekten und Bauhausdirektoren Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) erbaut. Sie bilden ein einmaliges Ensemble des Neuen Bauens in Deutschland. Im Zusammenspiel von Architektur, Design und Natur ist ein Gesamtkunstwerk entstanden, das viele Geschichten bereithält. Viele Künstler haben seit 1955 die Häuser mit Installationen, Biografien und Erzählungen gefüllt.

Marion Brasch, Jahrgang 1961, wurde in Ostberlin geboren. Nach dem Abitur arbeitete die gelernte Schriftsetzerin in einer Druckerei, bei verschiedenen Verlagen, beim Komponistenverband der DDR und fürs Radio. 2012 erschien ihr Debütroman „Ab jetzt ist Ruhe", 2014 folgte die Roadnovel „Wunderlich fährt nach Norden" und 2016 „Die irrtümlichen Abenteuer des Herrn Godot". Mit „Die Brüder Brasch" brachte sie die Geschichte ihrer drei verstorbenen Künstlerbrüder auf die Bühne des Deutschen Theaters in Berlin, im Frühjahr 2019 erschien der Roman „Lieber woanders".

Matias Faldbakken, Jahrgang 1973, lebt als bildender Künstler und Schriftsteller in Oslo. Er stellte auf der Documenta 13 (2012) aus und vertrat Norwegen bei der Venedig Biennale 2005. Er hatte Einzelausstellungen im Wiels, Brüssel; Le Consortium, Dijon; Fridericianum, Kassel; Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam; The National Museum of Art, Design and Architecture, Oslo und The Astrup Fearnley Museum of Modern Art, Oslo. Sein Debütroman „The Cocka Hola Company" erschien 2001. Zwischen 2001 und 2019 veröffentlichte Faldbakken fünf Romane, die in mehr als 15 Sprachen übersetzt sind.

Mark von Schlegell, Jahrgang 1967, wurde 2000 in Literaturwissenschaften an der New York University promoviert. Er unterrichtete am CalArts und am San Francisco Art Institute und leitete 2011 bis 2018 das Pure Fiction Seminar an der Städelschule Frankfurt. Seit den 1990er-Jahren veröffentlicht er Science-Fiction-Bücher, Literaturtheorie, schreibt über Kunst, Literatur und mehr. Seine Romane erscheinen in den USA, in Großbritannien und in Deutschland, „Venusia" (2005) war 2006 für den „James Tiptree Jr. Prize" nominiert. Er ist regelmäßig im Kunstbereich weltweit tätig, verfasst Essays, Geschichten, Skripts, Performances und arbeitet mit Künstlern zusammen.

Zu der Reihe Sammlungssatelliten laden die Kunstmuseen Krefeld zweimal jährlich Kunstschaffende wie Künstler, Designer, Choreografen, Schriftsteller ein, sich mit einzelnen Werken oder Konvoluten der museumseigenen Sammlung auseinanderzusetzen und sie auf neuartige Weise zu erschließen. Die Sammlung als identitätsstiftender Kern des Museums dient als Ausgangspunkt und Katalysator für neue künstlerische Setzungen. Die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West ist Partner der Reihe Sammlungssatelliten.