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2018-01-02: Erinnerungskultur als Lebenswerk

Mehr als 25 Jahre lang war die Erinnerungskultur in Krefeld eng mit ihrem Namen verknüpft: Nun ist Dr. Ingrid Schupetta in den Ruhestand gegangen. Ihre Position als Leiterin der NS-Dokumentationsstelle in der Villa Merländer wird in Kürze neu besetzt. Anfang Januar führt Oberbürgermeister Frank Meyer die Bewerbungsgespräche mit potenziellen Nachfolgern. Vorher jedoch würdigt er die Arbeit der langjährigen Leiterin: „Frau Dr. Schupetta hat einen wichtigen Anteil daran, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus in Krefeld gut dokumentiert wurden und bis heute im Bewusstsein geblieben sind. Sie hat die NS-Dokumentationsstelle in der Villa Merländer maßgeblich mit aufgebaut und die Erinnerungskultur in unserer Stadt durch ihre engagierte Arbeit mehr als 25 Jahre lang geprägt. Tausende junger Menschen haben durch sie erfahren, was zwischen 1933 und 1945 auch in Krefeld geschehen ist."

Zu ihrem Abschied freute sich Dr. Ingrid Schupetta über einen Blumenstrauß von Oberbürgermeister Frank Meyer. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, Wolfgang Reinke
Zu ihrem Abschied freute sich Dr. Ingrid Schupetta über einen
Blumenstrauß von Oberbürgermeister Frank Meyer.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, Wolfgang
Reinke

Ingrid Schupetta wurde im Juli 1954 in Herne/Westfalen geboren. Als Tochter eines Kaufmanns und einer Friseurmeisterin ging sie in Marl zur Grundschule. Am Jungengymnasium in Wanne-Eickel legte sie 1973 ihr Abitur ab und studierte anschließend Politik mit dem Schwerpunkt Neuere Geschichte in Marburg und an der Freien Universität Berlin. Es folgten das Diplom und später die Promotion in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. 1984 arbeitete Dr. Schupetta zunächst im Berliner Abgeordnetenhaus als Fraktionsassistentin der Alternativen Liste für die Bereiche Verkehr und Umwelt. 1985 wechselte sie nach Krefeld und wurde die hiesige Fraktionsgeschäftsführerin der Grünen.

Die NS-Dokumentationsstelle hat Dr. Schupetta maßgeblich mit aufgebaut und wurde 1991 ihre erste und bis heute einzige Leiterin. Nachdem 1989 die Bilder von Heinrich Campendonk in der Villa Merländer entdeckt worden waren, entstand die Idee eines Gedenkorts, mit dem in Krefeld an die Opfer der NS-Diktatur und den Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnert werden sollte. Am 24. November 1991 wurde das damalige NS-Dokumentations- und Begegnungszentrum der Stadt Krefeld gegründet und in der ehemaligen Villa des jüdischen Kaufmanns Richard Merländer angesiedelt. 1996 folgte der Umzug ins Stadtarchiv, seit 2014 sitzt die NS-Dokumentationsstelle wieder an der Friedrich-Ebert-Straße und ist dort Teil des Kulturbüros. Zu den Aufgaben der Einrichtung gehört neben Forschung und Publikation auch die pädagogische Arbeit. Bis zu 2000 Schülerinnen und Schüler besuchen jedes Jahr die Villa Merländer, um sich anhand der dortigen Ausstellung über die Jahre 1933 bis 1945 zu informieren. Über Bildungspartnerschaften mit vielen Schulen wird diese Arbeit verstetigt: Längst ist ein stabiles Netzwerk zwischen der Villa Merländer und der Krefelder Bildungslandschaft entstanden.

Dr. Ingrid Schupetta, die zahlreiche Gespräche mit Überlebenden des nationalsozialistischen Regimes geführt hat, bezeichnet sich selbst als „sekundäre Zeitzeugin". Erinnerungskultur ist in den vergangenen 25 Jahren zu ihrem Lebenswerk geworden: Ihr Wissen gibt sie präzise und mit viel Empathie an die jüngere Generation weiter. Auch im Ruhestand wird sie dem Thema und ihrer bisherigen Tätigkeit verbunden bleiben - als Geschäftsführerin des Fördervereins Villa Merländer, Mitglied des Arbeitskreises der Gedenkstätten in NRW, Autorin und Krefeld-Kennerin.