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Diskussion zum „Integrationsparadox"

Zuletzt geändert: 24.06.2019 09:37:40 CEDT

Rund 150 Interessierte kamen zu einer Podiumsdiskussion, zu der die Krefelder Integrationsbeauftragte Dr. Tagrid Yousef und das Kommunale Integrationszentrum in Kooperation mit der Burg Linn eingeladen hatten. Aladin El-Mafaalani vom NRW-Integrationsministerium und Bestsellerautor, Karim Fereidooni, Juniorprofessor an der Ruhr-Universität Bochum, Dr. Yousef sowie der Kabarettist Sulaiman Masomi boten zum Thema „Integrationsparadox" einen anregenden - mit dem Publikum teils kontroversen - Austausch. Schon Bürgermeisterin Karin Meincke, die neben Dezernent Markus Schön ein Grußwort sprach, traf den Kern des Abends: „Harmonie bedeutet nicht konfliktfrei", die Ehen, in denen nicht gestritten würde, hielten keineswegs länger - im Gegenteil.

Boten eine spannende Diskussion über Integration: (von links) Aladin El-Mfaalani von der Landesregierung, Integrationsbeauftragte Dr. Tagrid Yousef, Kabarettist Sulaiman Masomi und Karim Fereidooni von der Ruhr-Uni Bochum. Foto: Stadt Krefeld, Kommunales Integrationszentrum
Boten eine spannende Diskussion über Integration: (von links) Aladin El-Mfaalani von der
Landesregierung, Integrationsbeauftragte Dr. Tagrid Yousef, Kabarettist Sulaiman Masomi und
Karim Fereidooni von der Ruhr-Uni Bochum.
Foto: Stadt Krefeld, Kommunales Integrationszentrum

Dies passt zur Aussage des Buches „Das Integrationsparadox" von Aladin El-Mafaalani - der Buchtitel war Motto des Abends. Je besser Integration gelinge, desto mehr nähmen auch Konflikte zu - darin bestehe das Paradox laut El-Mafaalani. Mit einer Veranschaulichung erklärte der Bestsellerautor, worum es bei den aktuellen Herausforderungen der Integration gehe: In einem Raum steht ein Tisch, die erste Zuwanderergeneration sitzt auf dem Boden und schaut der Tischgesellschaft zu. Die zweite Generation setzt sich bereits mit an den Tisch, und die dritte Generation möchte mitreden, eigene „Rezepte" einbringen. Dass durch das Zusammenrücken Konflikte entstehen, sei also eine logische Folge von größerer Chancengleichheit und Teilhabe.

Sulaiman Masomi: Noch immer als Fremder behandelt!

Der Mitdiskutant Karim Fereidooni zitierte aus seiner Studie. Er hatte Frauen und Männer mit Migrationshintergrund während ihres Referendariats zu ihren Diskriminierungserfahrungen befragt. Sowohl Teilnehmer, die angegeben hatten, Diskriminierung erfahren zu haben, als auch die, die dies verneinten, berichteten von gleichlautenden Erfahrungen. Rund die Hälfte der angehenden Lehrkräfte hätte Diskriminierung schon so verinnerlicht, dass sie diese nicht mehr als solche erkennen. Er nannte Beispiele dazu: „Wenn ein herkunftsdeutscher Lehrer einen Fehler macht, ist das Flüchtigkeit - bei einer Lehrkraft mit familiärer Zuwanderungsgeschichte wird dies auf den Migrationshintergrund zurückgeführt." Dies bestätigte Sulaiman Masomi, der mit seinem Auftritt die Veranstaltung rahmte und als Podiumsteilnehmer von seinen Erfahrungen berichtete. Seine Familie war aus Afghanistan nach Krefeld geflüchtet als er ein Jahr alt war. Noch immer erlebt er, dass er auf sein Äußeres reduziert und als Fremder behandelt wird.

"Forderung nach Anpassung im Sinne von Assimilation paradox!"

„Wir müssen uns klarmachen, dass die Menschen, die hierhin flüchten, kein Problem mit sich selbst haben - die Umstände wie Krieg und mangelnde Chancen sind der Grund", so El-Mafaalani. Deshalb sei die Forderung nach Anpassung im Sinne von Assimilation - also komplette Angleichung - paradox. „Wollen wir denn Menschen, die sich mal eben komplett in ihrer Identität wandeln, je nachdem, wo sie zufällig hinkommen?" Eine Juristin aus dem Publikum kritisierte die neuen gesetzlichen Hürden für Geflüchtete, insbesondere mit Blick auf eine Ausbildungsduldung. Mehr Anstand und Respekt von allen Seiten in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung wünschten sich ein pensionierter Lehrer und eine politisch aktive Besucherin. „Eine konkrete Vision für die Zukunft habe ich nicht für Sie", schloss El-Mafaalani, denn diese gelte es nun gemeinsam zu gestalten.