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Deutsches Textilmuseum Krefeld zeigt neue Ausstellung „Stick-Bilder"

Das Deutsche Textilmuseum Krefeld zeigt ab Sonntag, 14. Mai, die Ausstellung „Stick-Bilder". Im Haus am Andreasmarkt werden 70 zeitgenössische Arbeiten von fünf Künstlerinnen präsentiert, welche die Technik des Stickens mit anderen bildgebenden Techniken verbinden. In einem eigens eingerichteten Kabinett können Besucher zudem mehrere historische Exponate aus der eigenen Sammlung sehen. Ein über 200 Jahre altes, mit Chenillegarn gesticktes Bild wird dabei erstmals öffentlich präsentiert, das 2014 in den Museumsbestand aufgenommen wurde. Die Ausstellung dauert bis zum 17. September.

Die Künstlerin Brunhild Mauss, Jahrgang 1939, aus Tönisvorst bei Krefeld bezeichnet ihre Technik als „Faden-Malerei“. Foto: DTM
Arbeit der Künstlerin Brunhild Mauss. Foto: DTM

An einem Hang erstreckt sich eine Wiese mit weißen und gelben Blumen. In der Ferne sind Felder zu sehen und ein Wald. Auf den ersten Blick vermittelt es den Eindruck, es handelt sich bei dem kleinformatigen Werk um eine Fotoaufnahme. Doch diese fein gearbeitete Szenerie wurde gestickt. Die Künstlerin Brunhild Mauss, Jahrgang 1939, aus Tönisvorst bei Krefeld bezeichnet ihre Technik als „Faden-Malerei". Seit Ende der 1980er-Jahre fertigt sie Stickbilder an. Ihre Bilder bilden das Entree zu der faszinierenden Stick-Bilder Ausstellung. Sie fotografiert Landschaften, Wiesen und Pflanzen und nimmt diese Bilder als Vorlage, die sie ohne Vorzeichnung in Stickerei auf den Stickgrund überträgt. Ihr kommt es darauf an, die Strukturen und Farben der Pflanzen realistisch nachzuempfinden. Dabei löst sie sich von den klassischen Stickstichen und arbeitet frei. Bei einigen, wenigen frühen Arbeiten, die auch im Deutschen Textilmuseum ausgestellt sind, hat sie Bereiche auch noch bemalt. Doch von dieser Technik hat sie sich inzwischen getrennt.

Arbeit von Katharina Wilke im Deutschen Textilmuseum Krefeld. Foto: DTM
Arbeit von Katharina Wilke im Deutschen Textilmuseum Krefeld. Foto: DTM

Die textilen Objekte von Katharina Wilke in einer Ausstellung 2015 in Bielefeld und die damals begonnen Restaurierung jenes gestickten Bildes mit Chenillegarn haben Museumsleiterin Dr. Annette Schieck und ihre Stellvertreterin Dr. Isa Fleischmann-Heck inspiriert, eine Brücke zwischen der Moderne und der Vergangenheit der Stickerei zu schlagen. „Die Mischung von verschiedenen Techniken und Medien mit Stickerei ist ein neuer Trend in der Textilkunst", so Schieck. Diesen spannenden Trend können Besucher im Erdgeschoss und im Obergeschoss des Museums nun entdecken. Darunter befindet sich auch Arbeiten von Katharina Wilke aus Bielefeld. Sie wurde 1978 in Halle/Westfalen geboren. Wilke beschäftigt sich seit 2009 mit „abgelegten Momenten fremder Menschen". Ihr Ausgangspunkt sind Fotografien der 1950- bis 1970er-Jahre, die sie auf Flohmärkten und Internetplattformen ersteht. Sie lässt die Motive in Vergrößerung mit einem Thermodruckverfahren auf einen grob zugeschnittenen Stickgrund drucken und überstickt Bereiche der Fotos mit Woll-, Näh- und Goldgarn sowie mit Glasperlen.

Mit der Stick-Bilder-Ausstellung nutzt das Deutsche Textilmuseum erstmals eine Neuerung in der Raumkonzeption: In der ansonsten offenen Ausstellungsfläche in Erdgeschoss wurde ein Raum installiert. „In dem wir diesmal, wie in einer Schatzkammer, unsere kostbaren Objekte zeigen", so Schieck. Die Wände sind so entworfen und gebaut worden, dass sie in Steckkombination auch für andere Ausstellungen verwendet werden können. In dieser Form dient es nun als Kabinett inmitten der modernen Kunst. In dessen Zentrum steht die Stickerei mit Chenille. „Jetzt wird sie nach der Restaurierung zum ersten Mal in einer Ausstellung präsentiert", betont Schieck. Das Bild, bislang ohne Titel, zeigt eine „Pastorale Szene", eine idyllische Landschaft mit einem liegenden Hirten, Schafen, einer Ziege und einem Esel sowie einer Frau mit vier Kindern, die Getreide ernten. Besucher können auf einem Monitor neben dem Exponat vergrößerte Detailaufnahmen sehen.

Ein über 200 Jahre altes, mit Chenillegarn gesticktes Bild wird dabei erstmals öffentlich präsentiert, das 2014 in den Museumsbestand aufgenommen wurde.
Ein über 200 Jahre altes, mit Chenillegarn gesticktes Bild wird dabei erstmals öffentlich präsentiert, das 2014 in den Museumsbestand aufgenommen wurde.

Als die kostbare Arbeit vor knapp drei Jahren ans Haus kam, gab es nur die geringen Aussagen, es stamme aus England und wurde Anfang, Mitte des 19. Jahrhunderts angefertigt. Dr. Isa Fleischmann-Heck hat nach einer Recherche nun die Angaben konkretisieren können. „So ein Bild muss Vorlagen haben", sagt die stellvertretende Museumsleiterin. Und tatsächlich fand sie im Bestand im „British Museum" in London zwei Druckgraphiken, die als Vorlagen gedient haben: eine Ernte- und eine Schäferszene. Solche graphischen Blätter waren in England Ende des 18. Jahrhunderts äußerst populär und fanden sich oft in bürgerlichen Haushalten. Diese, die auch als Reproduktion in der Ausstellung zu sehen sind, stammen von Richard Westall (1765 - 1836). Den Entstehungszeitraum der Stickerei mit Chenille konnte sie aufgrund ihrer Erkenntnisse auf die Jahre zwischen 1792 und 1810 eingrenzen, also zur Zeit der französischen Revolution und der großen Schaffensphase von Schiller und Goethe in Weimar. Damit ist es um einiges älter als bislang bekannt.

Anlässlich des 40. Internationalen Museumstags am Sonntag, 21. Mai, können Besucher die Ausstellung „Stick-Bilder" von 10 bis 18 Uhr im Deutschen Textilmuseum Krefeld kostenfrei ansehen. Zudem bietet das Museum einige besondere kostenfreie Veranstaltungen an diesem Tag an: Werkstattgespräche um 11 und 13 Uhr mit Restauratorinnen in der Restaurierungswerkstatt - eine Anmeldung ist 30 Minuten vor Beginn an der Museumskasse erforderlich, maximale Teilnehmerzahl zwölf Besucher. Vorträge zur Restaurierung der neuerworbenen englischen Bildstickerei finden um 11.30 und 13.30 Uhr in der Bibliothek mit der Restauratorin Katharina Wagner statt. Eine Spurensuche am Objekt wird um 12 und 14 Uhr angeboten: Die englische Bildstickerei und ihre graphischen Vorbilder mit Dr. Isa Fleischmann-Heck.