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Deutsches Textilmuseum Krefeld zeigt Mode und Chemie im Farbenrausch

Zuletzt geändert: 02.10.2019 14:42:38 CEDT

Mit der neuen Ausstellung „Zeitkolorit - Mode und Chemie im Farbenrausch", die im Deutschen Textilmuseum Krefeld gezeigt wird, hat Museumsleiterin Dr. Annette Schieck mit ihrem Team ein wahres Feuerwerk an Farben, Formen, Stoffen - und auch an Chemiekunde eröffnet. Die Ausstellung legt den Schwerpunkt auf die Entwicklung der Mode, insbesondere der Damenmode der 1850er- bis 1930er-Jahre, und fokussiert sich auf den Aspekt der Farbigkeit. Untrennbar damit verbunden ist die Geschichte der synthetischen Farbstoffe, deren Erfindung 1856 eher zufällig geschah. Der Kontrast zwischen dem Ausgangsmaterial Teer, einem Abfallprodukt der Kohleverarbeitung, und dem ersten leuchtend violetten Farbstoff, Mauveïn, konnte nicht größer sein.

(von links) Museumsleiterin Dr. Annette Schieck, Oberbürgermeister Frank Meyer und die Kulturbeauftragte und Leiterin des Kulturbüros, Dr. Gabriele König, bei der Eröffnung der Ausstellung "Zeitkolorit" im Deutschen Textilmuseum Krefeld. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
(von links) Museumsleiterin Dr. Annette Schieck, Oberbürgermeister Frank Meyer und die Kulturbeauftragte und Leiterin des Kulturbüros, Dr. Gabriele König, bei der Eröffnung der Ausstellung "Zeitkolorit" im Deutschen Textilmuseum Krefeld.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Die Entdeckung des Mauveïn-Farbstoffs setzte eine enorme wirtschaftliche Produktivität in Gang, die insbesondere der deutschen chemischen Industrie einen international führenden Rang bescherte. In immer kürzeren Abständen wurden neue Textilfarben entwickelt und gleichzeitig die Modeindustrie angetrieben, immer schneller wechselnde Farbentrends auf den Markt zu werfen. Dies und die deutlich kostengünstigere Produktion, machten die neuen Kleiderfarben für eine breitere Bevölkerungsgruppe erschwinglicher als zuvor, da die meist importierten Pflanzenfarbstoffe sehr kostspielig und nur für wohlhabendere Kreise zugänglich waren. Die explosionsartigen Neuentwicklungen an synthetischen Modefarben führten zu einem Farbenrausch, der zugleich eine große Verwirrung in Geschmacksfragen und Stilsicherheit bewirkte. Oftmals hatten die neuen Farben jedoch schädigende Nebeneffekte für die Gesundheit der Färber, Träger und die Umwelt.

Im Zentrum der Ausstellung steht eine Auswahl von rund 50 Kleidern und zahlreichen Accessoires aus der Sammlung des Deutschen Textilmuseums, die in chronologischer Reihe präsentiert werden. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Geschichte der Farbenchemie, in der Krefeld als Produktionsstandort eine besondere Bedeutung hatten. Daran erinnert eine Laborsituation mit historischem Mobiliar, Glasgefäßen, Rezeptbüchern zur Farbenherstellung, Musterbüchern mit gefärbten Garnen und Textilien sowie eine Auswahl von etwa 190 originalen Farbstoffgebinden aus der über 10 500 Gebinde umfassenden Sammlung der Hochschule Niederrhein. Das besondere Highlight ist ein Fläschchen mit Mauveïn aus der Farbstoffsammlung der TU Dresden.

Die Ausstellung zeigt neben vielen Textilien auch, wie die synthetischen Farben ihren Einzug in die Produktion nahmen. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Die Ausstellung zeigt neben vielen Textilien auch, wie die synthetischen Farben ihren Einzug in die Produktion nahmen.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Diese Ausstellung ist der Beitrag des Deutschen Textilmuseums im Verbundprojekt „Weltbunt", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Zeitraum 2017 bis 2020 gefördert wird. Es dient der Erforschung der historischen Farbstoffsammlung und Farbstoffe der Hochschule Niederrhein Krefeld und der Anwendung der synthetischen Farbstoffe in der Mode. Die historischen Gebinde stammen vor allem aus dem späten 19. Jahrhundert und wurden zu Testzwecken an die Vorläuferinstitution der Hochschule gegeben. Die Ergebnisse der dort durchgeführten Testfärbungen wurden an die Industrie zurückgemeldet und hatten Einfluss auf die Weiterentwicklungen oder das Verwerfen von Produkten. Daher wird das Projekt von der Hochschule Niederrhein koordiniert. Projektpartner sind das Deutsche Textilmuseum Krefeld, das Textil Technikum Rheydt, die Technische Hochschule Köln und die Technische Universität Dresden. Zur Ausstellung wird noch eine umfangreiche Begleitpublikation erscheinen.