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„Chorweiler oder Marxloh sind hier nicht zu beobachten"

Veröffentlicht am: 04.05.2021

Die Frage klingt einfach und ist dennoch kompliziert: Haben alle Krefelder das gleiche Risiko, sich mit Corona zu infizieren? Oder begünstigen Faktoren wie Herkunft, Alter oder sozialer Status die Ansteckung? „Das ist eine sehr sensible Diskussion, weil sie schnell zur Stigmatisierung einzelner Bevölkerungsgruppen führt. Wenn Menschen mit Migrationshintergrund, Arbeitslose oder sozial Benachteiligte als Infektionstreiber dargestellt würden, hielte ich das für problematisch. Monokausale Betrachtungen sind ohnehin nicht in der Lage, das Phänomen zu erklären", sagt Oberbürgermeister Frank Meyer.

Gleichwohl hat diese Diskussion an Aktualität gewonnen, vor allem durch Berichte über Stadtteile wie Köln-Chorweiler oder Duisburg-Marxloh, wo sich sowohl die sozialen Problemlagen als auch die Sieben-Tages-Inzidenz deutlich über dem Durchschnitt bewegen. Der Fachbereich Gesundheit hat deshalb das Infektionsgeschehen in einer zufällig gewählten Woche (21.-28. April) nach Krefelder Stadtteilen aufgeschlüsselt und mit soziodemografischen Merkmalen abgeglichen. Das Fazit bringt Frank Meyer so auf den Punkt: „Chorweiler oder Marxloh können wir in Krefeld nicht beobachten."

Laut Auswertung haben sich in der untersuchten Woche in den einzelnen Stadtteilen zwischen 0,7 und 3,4 Personen pro 1000 Einwohner mit Corona infiziert. Diese Abweichungen vom Durchschnittswert 2,0 seien jedoch zu gering, um statistisch relevant zu sein, erklärt die Gesundheitsdezernentin Sabine Lauxen: „Das Infektionsgeschehen verteilt sich relativ gleichmäßig über unser Stadtgebiet." Setzt man die registrierten Neuinfektionen in Beziehung zum Anteil der SGBII-Leistungsempfänger („Hartz IV") werden keine Parallelen sichtbar, ebenso wenig beim Abgleich mit dem Anteil der Bürger mit Migrationshintergrund. „Beides sagt in Krefeld nichts über die Anfälligkeit für eine Corona-Erkrankung. So wird uns das übrigens auch aus den Krankenhäusern bestätigt", erklärt Sabine Lauxen. Auch seien laut Karte alle Stadtteile ausreichend mit Testzentren versorgt: Abhängig von der Einwohnerzahl sind es zwischen vier (Hüls) und 25 Standorte (Stadtmitte).

In Krefeld entscheidet vor allem das Alter über das Corona-Risiko

Allerdings zeigt die Statistik deutlich einen anderen Zusammenhang zwischen Soziodemografie und Corona-Risiko: Entscheidend scheint laut Lauxen das Alter zu sein. „In der fraglichen Woche traten 70 Prozent der Infektionen bei den Menschen bis 50 Jahre auf. Darauf müssen wir schauen", betont die Dezernentin. Deshalb sollen, nachdem die Impfung der vulnerablen Personen und besonders gefährdeten Berufsgruppen abgeschlossen ist, die 20- bis 50-Jährigen in Krefeld möglichst Impfangebote erhalten. Sabine Lauxen möchte mit mobilen Teams „zu den Menschen gehen" und dort eine zielgruppenorientierte Test- und Impfberatung anbieten. Auch mobile Impfteams für die Quartiere stellt sie in Aussicht.

Stadtdirektor Markus Schön führt die Ergebnisse der Statistik auch auf die „gute Aufklärungsarbeit des Teams Integration" zurück. Es habe bereits mehrere Infoveranstaltungen mit Beteiligung der Migrantenorganisationen und der Moscheegemeinden gegeben: Die nächste ist am Donnerstag zum Thema Impfen geplant. „Hier macht es sich bezahlt, dass wir über viele Jahre einen engen Draht in die einzelnen Gruppen aufgebaut haben", sagt Markus Schön. Er verweist auch auf mehrsprachige Videos in den Social-Media-Kanälen der Stadt Krefeld, auf die gezielte Unterstützung durch Sozialarbeiter und auf die Bereitstellung digitaler Endgeräte für sozial benachteiligte Schüler: „Manche Menschen brauchen in dieser schwierigen Zeit besonders intensive Unterstützung, und diese Unterstützung möchten wir ihnen bieten", betont Markus Schön.

In der kommenden Woche sollen an Grund- und Förderschulen vermehrt die sogenannten „Lolli-Tests" angeboten werden. Da es sich um PCR-Tests handelt, die in einem Labor ausgewertet werden müssen, war die Logistik eine besondere Herausforderung. Nun sollen die Labore laut Schön über ein „ausgeklügeltes Routensystem" mit den Proben der Lolli-Tests beliefert werden. Unterstützung kommt dabei vom Sportverein SC Bayer 05 Uerdingen.

Aufgrund der Sturmwarnung blieb das Zelt für Schnelltests am Sprödentalplatz am Dienstag geschlossen. Auch das Wartezelt konnte bei Windstärke 11 nicht genutzt werden. „Wir haben uns aber bewusst dagegen entschieden, die Termine wegen des Sturms komplett abzusagen", stellt Sabine Lauxen klar. Stattdessen stellen die Stadtwerke Krefeld drei Busse als Wartebereiche zur Verfügung. Am Mittwoch sollen die Zelte bei besserer Wetterlage wieder normal nutzbar sein.

Zwei weitere Todesfälle im Zuge der Corona-Pandemie

In Krefeld sind zwei weitere Menschen an oder mit einer Corona-Erkrankung gestorben. Es handelt sich um eine Person im Alter von etwa 90 Jahren und eine Person im Alter von etwa 60 Jahren. Beide sind im Krankenhaus verstorben, über Vorerkrankungen ist nichts bekannt. Krefeld hat im Zuge der Pandemie nunmehr 157 Todesfälle zu beklagen. Insgesamt nimmt die Belegung der Kliniken etwas zu: Aktuell werden 51 Krefelder mit Corona-Symptomen hier stationär behandelt (Montag: 45), 15 von ihnen intensivmedizinisch, neun mit Beatmung.

Die Zahl der Infizierten geht weiter zurück und liegt am Dienstag, 4. Mai (Stand: 0 Uhr), nun bei 626 (Montag: 677). 9.754 Menschen gelten als genesen. Die vom Robert-Koch-Institut ermittelte Inzidenz geht wiederum nur leicht zurück: Verzeichnet sind 202,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen (Montag: 203,6). Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie 10.537 Menschen in Krefeld positiv getestet. Im Diagnosezentrum sind 49.721 Erstabstriche verzeichnet, 669 Proben sind noch nicht ausgewertet. In 31.365 Fällen war eine Quarantäne notwendig.

An der Gesamtschule Uerdingen sind mehrere Covid-Fälle aufgetreten. Dadurch müssen sich insgesamt 80 Kontaktpersonen in Quarantäne begeben. Eine Infektion gab es auch in der Freien Waldorfschule, wo nun elf Kinder isoliert zu Hause bleiben müssen. Für die Kindertageseinrichtung Arndtstraße wurde ein weiterer positiver Abstrich vermeldet. Auch hier sind elf Kontaktpersonen von einer Quarantäne erfasst.

Die Plakate informieren die Bürger über die Ausgangssperre und Maskenpflicht Foto: Stadt Krefeld, Presse und KommunikationDie Plakate informieren die Bürger über die Ausgangssperre und Maskenpflicht
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

In der Nacht zu Dienstag haben Polizei und Kommunaler Ordnungsdienst (KOD) während der geltenden Ausgangssperre insgesamt 81 Personen im öffentlichen Raum angetroffen. Die meisten konnten triftige Gründe nennen, warum sie unterwegs waren. 19 Personen mussten jedoch ein Bußgeld in Höhe von 250 Euro zahlen, weil sie die Ausgangssperre außer Acht ließen. Um 0.30 Uhr traf der KOD auf dem Moritzplatz vier Personen an, die dort Musik hörten und Alkohol tranken. Eine entfernte sich, die anderen drei widersetzten sich den Anordnungen, so dass die Polizei hinzukommen musste. Ein Mann ging mit einer Bierflasche auf einen KOD-Mitarbeiter zu, wurde jedoch überwältigt. Bei dem Einsatz wurde niemand verletzt. Die drei Personen wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen.

Ab 19 Uhr versammelten sich etwa 60 sogenannte „Querdenker" auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs und zogen durch die südliche Innenstadt. Der Kommunale Ordnungsdienst musste rund 30 Ansprachen halten, weil Abstände nicht eingehalten wurden. Wegen Verstößen gegen die Maskenpflicht wurden insgesamt sieben Bußgeldverfahren eingeleitet. Bei 21 Kontrollen der Quarantänepflicht trafen die Ordnungskräfte sämtliche Personen zu Hause an.

Hunderte zusätzliche Plakate sollen die Bürger aufklären

Das Stadtmarketing setzt derweil auf noch mehr öffentliche Information zu den Themen Ausgangssperre und Maskenpflicht. In Parks und Grünanlagen wurden rund 200 entsprechende Plakate aufgehängt, auch in der Innenstadt wurde nochmals nachgerüstet. Auf den digitalen Anzeigetafeln und an sämtlichen großen Zufahrtsstraßen hängen nun ebenfalls Plakate zur Information der Bürger.

 

 

 

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