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„Bürger mit Zivilcourage" helfen bei Aufklärung von Straftaten

Zuletzt geändert: 22.05.2019 14:36:50 CEDT

Stadt Krefeld, die Polizei, der Weiße Ring und die Gesellschaft Bürger und Polizei haben zum zwölften Mal „Bürger mit Zivilcourage" geehrt. „Sie haben in besonderem Maße Mut bewiesen, Sie haben eingegriffen, als andere in Not waren, und Sie haben dadurch den unbequemen Weg gewählt. Bequem wäre es gewesen, weiterzugehen und sich um seinen eigenen Kram zu kümmern - bequem wäre es gewesen, so zu tun, als ginge einen anderer Leute Schicksal nichts an. Aber so könnte ein Zusammenleben nicht funktionieren: In einer Stadt, die wir gemeinsam bevölkern, können wir nicht für uns bleiben und nur unser eigenes Ding durchziehen - wir müssen andere wahrnehmen und möchten selbst wahrgenommen werden", sagte Oberbürgermeister Frank Meyer.

Die "Bürger mit Zivilcourage". Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Die "Bürger mit Zivilcourage".
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Er erwähnte, dass 19 Institutionen in der vergangenen Woche die Kampagne „Respekt in Krefeld" ins Leben gerufen haben: „Die Botschaft lautet: Wir brauchen in unserem täglichen Miteinander mehr Respekt. Das gilt in Alltagssituationen ebenso wie in existenziellen Notlagen - ich denke da zum Beispiel an das Beschimpfen und tätliche Attackieren von Rettungskräften, das wir in jüngster Zeit verstärkt erleben mussten. Das gilt im Umgang mit Konflikten, wo eine sachliche und ruhige Ansprache oft schon die halbe Miete ist. Es gilt ganz sicher im Aufeinandertreffen unterschiedlicher Haltungen, Kulturen und Lebensweisen - und es gilt immer in beide Richtungen. Respekt ist das Fundament unseres Zusammenlebens. Auf diesem Fundament stehen die einzelnen Bausteine, die einer Stadtgesellschaft Halt geben - zum Beispiel Mitgefühl, Offenheit, Toleranz, Dialogbereitschaft, Freundlichkeit, Gemeinschaftsgefühl, Verantwortungsbewusstsein oder eben, und darum sind wir heute hier versammelt, Zivilcourage."

Oberbürgermeister Frank Meyer auf der Ehrung der "Bürger mit Zivilcourage". Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Oberbürgermeister Frank Meyer auf der Ehrung der "Bürger mit Zivilcourage".
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Auch Polizeipräsident Rainer Furth dankte den Geehrten: „Sie sind Vorbilder, und Sie haben uns geholfen, Fälle aufzuklären. Auch dank Ihnen haben wir eine Aufklärungsquote von 60 Prozent, mit der wir in der Landesstatistik auf Platz eins stehen." Innerhalb von zehn Jahren sei die Zahl der Straftaten in Krefeld von 25 000 auf 20 000 gesunken, ein erheblicher Anteil betreffe die Straßenkriminalität: Raub, Körperverletzung und Sachbeschädigung. Walter Domröse vom Weißen Ring und Thorsten Hansen schlossen sich in kurzen Grußworten dem Dank an.

Polizeipräsident Rainer Furth auf der Ehrung der "Bürger mit Zivilcourage". Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Polizeipräsident Rainer Furth auf der Ehrung der "Bürger mit Zivilcourage".
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Und das sind die Geehrten:

Zoe Angelika Karg

Die damals 13-jährige Zoe Karg bemerkte am 1. August 2018 den Dachstuhlbrand eines Hauses auf der Marktstraße. Sie rettete eine Frau und ihr sechsjähriges Kind aus höchster Gefahr. Mutter und Kind waren vor Flammen und Rauch auf das Dach des mehrgeschossigen Hauses geflüchtet. Auf Höhe der Dachrinne, in der Mutter und Kind mit den Füßen standen, befindet sich in rund einem Meter Entfernung ein Balkon zum Nachbargebäude: Von dort aus zog Zoe Karg erst das kleine Mädchen und dann die Mutter zu sich herüber. Mutter und Kind mussten wegen des Verdachts einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Durch Zoes vorbildliches Eingreifen wurden zwei Menschenleben gerettet oder zumindest verhindert, dass sich Mutter und Kind durch einen möglichen Sturz vom Dach schwere Verletzungen zuziehen.

Marc Alexander Selimi

Am 16. März 2018 kam es kurz nach 21 Uhr am Röttgen wegen eines Tickets zum Streit zwischen einem Busfahrer und mehreren Jugendlichen. Die Jugendlichen bedrohten den Busfahrer zunächst und griffen ihn dann auch körperlich an. Marc Selimi erkannte die eskalierende Situation frühzeitig und verständigte mit seinem Handy sofort die Polizei. Dann stellte er sich zwischen Busfahrer und Jugendliche und drängte zwei der Jugendlichen ab. Der Busfahrer hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Verletzung am linken Auge. Marc Selimi hatte während der ganzen Zeit sein Handy am Ohr und hielt die Polizei auf dem Laufenden. So konnten die eintreffenden Polizeibeamten sieben Jugendliche noch in der Nähe festnehmen.

Christian Apostolidis

Am 17. Mai 2018 bemerkte Christian Apostolidis um halb drei Uhr nachts an der Carl-Sonnenschein-Straße einen aktivierten Rauchmelder: Das Piepen kam aus der Nachbarwohnung, aus der es auch verbrannt roch. Mit einem Werkzeug öffnete der 30-Jährige die Wohnungseingangstür und stand im Qualm - er rief sofort die Feuerwehr. Feuerwehr und Polizei fanden den Bewohner schlafend im Wohnzimmer. Er wurde mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Der Mann hatte eine Pizza im Backofen vergessen. Die Feuerwehr belüftete die Wohnung und entsorgte die verkohlte Pizza. Christian Apostolidis hat auf diese Weise vermutlich ein Menschenleben gerettet.

Abderrachid Figuigui

Abderrachid Figuigui beobachtete am 19. Mai 2018 gegen 12 Uhr auf der Herbertzstraße einen Diebstahl. Ein Mann holte eine hochwertige Handtasche aus einem unverschlossenen Mercedes. Als der Mann bemerkte, dass er beobachtet wurde, flüchtete er in Richtung Dießemer Bruch. Figuigui rief die Polizei und nahm zu Fuß die Verfolgung des Mannes auf. Unterwegs sprach er einen Autofahrer an, der sich daraufhin an der Verfolgung beteiligte. An der Bushaltestelle am Verschubbahnhof schnitten sie dem Flüchtenden den Weg ab, sodass er sich umwendete und zurücklief. Der Mann wurde kurz danach festgenommen. Die Handtasche, die einen hohen Bargeldbetrag enthielt, wurde dem rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben.

Kira und Marko Rhode

Am 19. März 2018 wurde kurz vor 22 Uhr an der Hauptstraße ein Kiosk ausgeraubt. Während einer der Räuber den 49-jährigen Betreiber mit einer Pistole bedrohte, entnahm sein Mittäter das Bargeld aus der Ladenkasse - die beiden Männer konnten zunächst unerkannt flüchten. Dem Ehepaar Kira und Marco Rhode war etwa eine Viertelstunde zuvor beim Parken ein Auto aufgefallen, in dem zwei maskierte Personen saßen: Die Männer hatten „Nicky-Tücher" über Mund und Nase gezogen. Als sie bemerkten, dass sie beobachtet wurden, drückten sie sich tief in die Sitze, und der PKW setzte zurück, so dass kein Blickkontakt mehr bestand. Die Rhodes begaben sich zunächst in ihre Wohnung. Kira Rhode ging dann noch einmal mit dem Hund, um sich das Kennzeichnen des verdächtigen Pkw zu notieren - das Verhalten der Männer war den beiden sehr merkwürdig vorgekommen. Als das Ehepaar Rhode dann später die Einsatzfahrzeuge der Polizei bemerkte, gaben sie den Beamten wertvolle Hinweise. Ihre Beobachtungen führten zum Erfolg: im Rahmen der Fahndung wurden die beiden Tatverdächtigen gestellt und festgenommen.

Beran Özcan

Beran Özcan beobachtete am 13. September 2018 kurz vor 23 Uhr an der Schönwasserstraße einen Mann, der sich mit einer Brechstange an einem Fahrradschloss zu schaffen macht. Als er den Tatverdächtigen ansprach, flüchtete dieser in Richtung Uerdinger Straße. Beran Özcan rief die Polizei und nahm die Verfolgung auf, während er die Einsatzleitstelle telefonisch fortlaufend über seinen Standort informierte. In Höhe Kuhleshütte verlor er den Mann aus den Augen, als dieser auf einem Privatgelände verschwand. Das unwegsame Gelände wurde dann von Polizeibeamten umstellt und durchsucht. Ein Polizeihund spürte den 41-Jährigen schließlich in einem sehr stark zugewachsenen und schlecht einsehbaren Bereich auf. Der Mann hatte eine Plastiktüte mit einer Brechstange, Handschuhen und einem Schraubendreher bei sich. Er wurde vorläufig festgenommen.

Vedat Kurt

Am 27. September 2018 kam es gegen 9 Uhr morgens an der Anrather Straße zu einem schweren Verkehrsunfall. Ein Lastwagen, der auf den Parkplatz eines Paketzentrums einbiegen wollte, erfasste das rechte Bein einer 36-jährigen Fußgängerin mit den Reifen seines Anhängers. Vedat Kurt bog hinter dem LKW auf das Grundstück ein und wurde unmittelbar Zeuge des Unfalls: Sofort sprang er aus seinem Wagen und kümmerte sich um das Opfer, das schwer verletzt wurde. Vedat Kurt versuchte, die Verletzte zu beruhigen, und legte ihr mit einer Warnweste einen Druckverband am rechten Oberschenkel an. Es gelang ihm, zusammen mit anderen Zeugen, sie in ein Gespräch zu verwickeln, bis Notarzt und Rettungswagen eintreffen. Durch das beherzte Eingreifen von Vedat Kurt überlebte die verletzte Frau den schweren Unfall.

Uwe Rudi Linder, Fatih Alkan

Am 9. November 2018 kam es kurz nach 22 Uhr an der Haltestelle Nordwall zu einem versuchten Straßenraub. Ein 49-jähriger Mann bedrohte eine 22-jährige Frau und forderte die Herausgabe ihres Handys. Zeugen hörten die Hilferufe des Opfers und griffen ein. Uwe Linder saß mit Frau und Tochter in der Straßenbahn 044, die in diesem Moment an der Haltestelle ankam. Er stieg aus und stellte sich dem aggressiven Mann in den Weg. Zusammen mit weiteren Zeugen hielt Uwe Linder den Tatverdächtigen fest, bis die Polizei eintraf. Fatih Alkan, Straßenbahnfahrer der Linie 44, blieb mit der Straßenbahn weiter an der Haltestelle und betätigte den Überfallalarmknopf in der Straßenbahn. Er unterstützte die anderen Zeugen dabei, den Tatverdächtigen festzuhalten. Die Polizeibeamten konnten den Mann wenige Minuten später festnehmen.