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Blaudruck als Immaterielles Unesco-Kulturerbe der Menschheit anerkannt

Zuletzt geändert: 18.06.2019 12:20:14 CEDT

Der Blaudruck ist eine jahrhundertealte Technik der Stoffveredelung. Ihr Geheimnis ist nur noch einer Handvoll Betrieben bekannt. Blaudrucker aus Deutschland haben gestern (4. Juni) in Berlin offiziell die Unesco-Urkunde entgegengenommen, die diese alte Handwerkstradition als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkennt. Im Deutschen Textilmuseum Krefeld befinden sich einige Objekte dieses traditionellen Musterungsverfahrens.

Dr. Isa Fleischmann-Heck stellt einen Blaudruck aus dem 18. Jahrhundert aus dem Bestand des Deutschen Textilmuseums Krefeld vor.  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof
Dr. Isa Fleischmann-Heck stellt einen Blaudruck aus dem 18. Jahrhundert aus dem Bestand des Deutschen Textilmuseums Krefeld vor.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

Geschichte des Blaudruckes

„Der Blaudruck als Färbehandwerk ist in vielen Teilen Europas über einen langen Zeitraum verbreitet gewesen", erklärt Dr. Isa Fleischmann-Heck, stellvertretende Leiterin des Deutschen Textilmuseums Krefeld. Das Verfahren wurde zusammen mit der Indigo-Färberpflanze durch Reisende der Niederländischen Ostindien-Kompanie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Europa eingeführt. Dabei wurden zuerst auf Leinen- und später auch auf Baumwollstoffen mit Hilfe einer farbabweisenden Reservemasse, dem „Papp", Motive aufgedruckt. Die Reservepaste bewirkt, dass die charakteristische blaue Farbe an den behandelten Stellen des Stoffs nach der Färbung im Farbbad nicht angenommen wird und nach ihrer Entfernung helle Muster erscheinen. Im Bestand des Textilmuseums befindet sich neben anderen kleineren Beispielen ein schönes, großes Blaudruck-Exponat aus dem 18. Jahrhundert. Das Tuch (150 mal 81,5 Zentimeter) stammt aus Deutschland. „Vermutlich handelt es sich bei dem leinenen Textil um ein Hochzeitstuch, das Bezug nimmt auf die alttestamentarische Schilderung der Hochzeit von Achsa, der Tochter Kalebs, mit Otniel", sagt Fleischmann-Heck. Zu sehen ist unter anderem ein Schriftzug „Hebron" mit einer Stadtansicht aus verschiedenen Gebäuden. Zudem befinden sich unterschiedliche Motivgruppen wie Weinranken und Trauben, Blumenstauden und Dattelpalmen auf dem Tuch. „Als Vorbild könnte ein Tafeltuch aus zweifarbigem Leinendamast mit einer ähnlichen Darstellung gedient haben", so Fleischmann-Heck.

Detailansicht des aus dem 18. Jahrhundert gefertigten Blaudruckstoffes.  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof
Detailansicht des aus dem 18. Jahrhundert gefertigten Blaudruckstoffes.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

Blaudruck als Immaterielles Kulturerbe

Deutschland, Österreich, Tschechien, die Slowakei und Ungarn hatten den Blaudruck gemeinsam als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit vorgeschlagen. Die Bedeutung des Blaudrucks hat die Unesco bereits im vergangenen November mit der Aufnahme in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit unterstrichen. In Deutschland existieren nur noch zwölf Blaudruckwerkstätten, meist Familienunternehmen, die seit Generationen bestehen. In anderen europäischen Ländern führen 15 Betriebe die Handwerkstradition fort. Inzwischen entwickeln junge Modeschöpfer in Zusammenarbeit mit den alteingesessenen Werkstätten eigene Kollektionen.

Zum Immateriellen Kulturerbe zählen nach dem 2003 verabschiedeten und von mehr als 170 Staaten unterzeichneten Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes: mündliche überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, darstellende Künste, gesellschaftliche Bräuche, Rituale, Feste (auch Formen gesellschaftlicher Selbstorganisation), Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum und traditionelle Handwerkstechniken.