Inhalt

2018-09-27 Bauhaus-Stadt Krefeld setzt Akzente im Jubiläumsjahr

Zuletzt geändert: 27.09.2018 13:04:55 CEDT

„100 Jahre Bauhaus" wird im Jahr 2019 nicht nur in Berlin, Weimar und Dessau gefeiert: Auch die Stadt Krefeld setzt mit Ausstellungen und Projekten künstlerische und architektonische Akzente. Sowohl die städtischen Museen als auch die bürgerschaftliche Initiative Projekt MIK bieten ein umfangreiches Programm. Hinzu kommen Veranstaltungen der Kulturinstitute, der freien Szene, der Wirtschaft und des Stadtmarketings. Die Aktivitäten sind eingebunden in das bundesweite Jubiläumsjahr und in das Programm „100 Jahre Bauhaus im Westen", das vom Land NRW und den Landschaftsverbänden organisiert wird. „Krefeld ist die Bauhausstadt in Nordrhein-Westfalen. Keine andere Stadt in unserer Region ist historisch so eng mit dem Bauhaus verknüpft: Hier lebten und wirkten Ludwig Mies van der Rohe, Lily Reich, Johannes Itten, Georg Muche und rund 25 weitere Vertreter der Bewegung. Diese Krefelder Stärke wollen wir im kommenden Jahr deutlicher auf die Landkarte bringen", erklärte Oberbürgermeister Frank Meyer.

Die begehbare Skulptur des Düsseldorfer Künstlers Thomas Schütte. Der achteckige Pavillon dient zum einen als Ausstellungsfläche, zum anderen als Veranstaltungs- und Begegnungsort.  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Die begehbare Skulptur des Düsseldorfer Künstlers Thomas Schütte. Der achteckige Pavillon
dient zum einen als Ausstellungsfläche, zum anderen als Veranstaltungs- und Begegnungsort.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Ein Höhepunkt im Bauhaus-Jahr soll das Projekt „map 2019 Bauhaus Netzwerk Industrie" werden. Initiiert wurde es von dem Verein Projekt MIK, der vor fünf Jahren mit dem begehbaren Modell „Mies 1:1" bundesweit Aufmerksamkeit erregt hatte. Dabei handelte es sich um das Originalmodell eines von Mies van der Rohe geplanten, aber nie realisierten Golfclubhauses, das einen Sommer lang auf einem Feld am Stadtrand von Krefeld aufgebaut war. Diesmal stellt der Verein im Kaiserpark eine begehbare Skulptur des Düsseldorfer Künstlers Thomas Schütte auf. Der achteckige Pavillon dient zum einen als Ausstellungsfläche, zum anderen als Veranstaltungs- und Begegnungsort. Die vorbereitenden Arbeiten zum Bau des Pavillons beginnen in diesen Tagen, die Eröffnung ist für Anfang April 2019 geplant.

Sie blicken gemeinsam voraus auf das Bauhaus-Jahr 2019 in Krefeld (von links): Katia Baudin, Direktorin der Kunstmuseen, Dr. Joachim Henneke, Beauftragter des Landes NRW für das Bauhaus-Jubiläum, Uli Cloos, Leiter des Stadtmarketings, Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums, Oberbürgermeister Frank Meyer, Rolf Schlue und Christiane Lange, Projekt MIK Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Sie blicken gemeinsam voraus auf das Bauhaus-Jahr 2019 in Krefeld (von links): Katia Baudin,
Direktorin der Kunstmuseen, Dr. Joachim Henneke, Beauftragter des Landes NRW für das
Bauhaus-Jubiläum, Uli Cloos, Leiter des Stadtmarketings, Dr. Annette Schieck, Leiterin des
Deutschen Textilmuseums, Oberbürgermeister Frank Meyer, Rolf Schlue und Christiane Lange,
Projekt MIK
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Darüber hinaus betreibt der Verein um Christiane Lange und Rolf Schlue wissenschaftliche Forschungen zu den Verbindungen zwischen dem Bauhaus und der Seidenindustrie, die damals ein Hauptförderer der Künstler, Architekten und Gestalter war. „Uns interessiert, wie es zu diesen Verbindungen kam. Schließlich war das Bauhaus kein Mainstream, sondern eine durchaus umstrittene Avantgarde-Bewegung", sagte Christiane Lange von Projekt MIK. Die Stadt soll entlang den Spuren der Bauhaus-Bewegung kartographiert werden: Es gibt Wege, Pfade und Führungen für die Besucher, ein digitaler Architekturführer zur Geschichte des Bauhauses soll entstehen.

Haus Lange. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Haus Lange.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Wenige Meter neben dem Schütte-Pavillon stehen die berühmten Häuser Esters und Lange, die Ludwig Mies van der Rohe Ende der 1920er-Jahre entworfen und gebaut hat. Diese Glanzstücke der Bauhaus-Ära werden seit Jahrzehnten als Kunstmuseen genutzt und stehen im Jahr 2019 natürlich ganz im Zeichen des Jubiläumsjahres. Unter dem Titel „Anders wohnen. Entwürfe für Haus Lange Haus Esters" soll ein Laboratorium zum Thema Wohnen und Zusammenleben entstehen. „Wir möchten die Schnittstellen von Kunst und Gesellschaft untersuchen und eine Plattform für die Bürgerinnen und Bürger bieten", betonte die Direktorin der Kunstmuseen Krefeld, Katia Baudin. Rund 20 internationale Künstler, Designer und Architekten entwerfen mögliche Einrichtungen für die Villen, es entsteht eine „Dramaturgie aus Installationen", die sich über das ganze Jahr 2019 erstreckt.

Zur Eröffnung strömten die Besucher in das Kaiser-Wilhelm-Museum.
Zur Wiedereröffnung strömten die Besucher in das Kaiser-Wilhelm-Museum. So soll es auch
diesmal wieder sein.

Im Kaiser-Wilhelm-Museum in der Innenstadt wird es ab Mitte des Jahres zunächst eine Sammlungspräsentation mit dem Fokus Bauhaus geben. Im Oktober 2019 beginnt dann die Ausstellung „Folklore und Avantgarde. Volkstümliche Traditionen im Zeitalter der Moderne". Sie beleuchtet das Interesse von Bauhaus-Künstlern für lokale und handwerkliche Ausdrucksformen. Dabei sind unter anderem Werke von Heinrich Campendonk, Le Corbusier und Wassily Kandinsky zu sehen. Hinzu kommen sogenannte Sammlungssatelliten mit Arbeiten zeitgenössischer Künstler.

Im Deutschen Textilmuseum läuft Ende September 2019 die Ausstellung „Zeitkolorit" an. Sie präsentiert Entwicklungen der Mode in der Zeit von 1880 bis in die 1930er-Jahre unter dem Aspekt der Erfindung und Anwendung von synthetischen Färbemitteln in der Textilindustrie. Den Überlegungen zur Farbigkeit von Textilien im Bauhaus gilt ein besonderer Fokus. Zu den Exponaten zählen neben Kleidung und Accessoires auch Fläschchen mit Färbesubstanzen, Proben, Musterbücher und Fotografien. „Wir arbeiten für diese Ausstellung mit der Hochschule Niederrhein, der Technischen Hochschule Köln und dem Museum Schloss Rheydt in Mönchengladbach zusammen", sagte die Leiterin des Deutschen Textilmuseums, Annette Schieck.

Leitet das Stadtmarketing in Krefeld, Uli Cloos Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Leitet das Stadtmarketing in Krefeld, Uli Cloos
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Das Stadtmarketing hat diese und weitere Aktivitäten im Bauhaus-Jahr in einer Broschüre zusammengestellt, die bundesweit verteilt wird. In der Broschüre findet sich auch das Ausstellungsprojekt „grenzWertig", das im Mies van der Rohe Business Park umgesetzt wird. Dort steht der einzige Industriebau, den Ludwig Mies van der Rohe je gestaltet hat. Ein Projekt des Stadtarchivs erforscht die Industrie- und Konsumkultur in Krefeld zwischen den beiden Weltkriegen. Die Gemeinschaft Krefelder Künstler (GKK) bereitet unter dem Titel „Inspiration Bauhaus" eine Ausstellung mit gegenwärtigen künstlerischen Positionen zum Bauhausjahr vor. Die Hochschule Niederrhein veranstaltet eine Bauhaus-Werkschau im Bernhard-Pfau-Bau am Frankenring. Außerdem wird es Lesungen, Theaterstücke und weitere kulturelle Angebote geben. Wie der Leiter des Stadtmarketings, Ulrich Cloos, betonte, soll das Bauhaus jedoch nicht nur als Publikumsmagnet nach außen wirken, sondern auch als „Stimmungsverstärker" nach innen. „Das Bauhaus soll in Krefeld kein Thema für Eliten sein, sondern eines, das uns alle angeht. Wir möchten uns als Stadt zeigen, die in der Tradition des Bauhaus experimentierfreudig und erfindungsreich ist."

Eingebettet sind die Aktivitäten in das Programm „100 Jahre Bauhaus im Westen", ein Projekt des NRW-Ministeriums für Kultur und Wissenschaft und der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe. Schirmherrin ist Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. „Wir möchten landesweit einerseits die Ikonen des Bauhaus zeigen, aber andererseits auch die ganze Breite der Bauhaus-Philosophie", erklärte Dr. Joachim Henneke, Beauftragter des Landes für das Bauhaus-Jubiläum. Er verwies auf mehr als 40 verschiedene Projekte, die in Nordrhein-Westfalen rund um das Bauhaus angeboten werden.

Das Jubiläum „100 Jahre Bauhaus" wird im Jahr 2019 bundesweit gefeiert. Die legendäre Hochschule für Gestaltung, gegründet 1919 in Weimar und sechs Jahre später nach Dessau verlegt, wurde 1933 auf Druck der Nationalsozialisten geschlossen. Zu ihren wichtigsten Vertretern gehören neben Ludwig Mies van der Rohe, Johannes Itten und Georg Muche auch Paul Klee, Gerhard Marcks, Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky.