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2018-01-22: Wissenschaftlicher Bauhaus-Beirat besucht Haus Esters

Die Vorbereitungen für das Bauhaus-Jahr 2019 laufen in Krefeld auf Hochtouren. Der wissenschaftliche Beirat, der das Jubiläumsjahr „100 Jahre Bauhaus im Westen" im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen vorbereitet und begleitet, konnte sich jetzt vor Ort davon überzeugen. Das hochkarätig besetzte Gremium war im Museum Haus Esters zu Gast, um sich über die Krefelder Projekte zu informieren. Oberbürgermeister Frank Meyer, der ab April auch das Kulturdezernat übernehmen wird, begrüßte den Beirat im Namen der Stadt: „Krefeld ist historisch eng mit dem Bauhaus verbunden. Neben Ludwig Mies van der Rohe, Lilly Reich, Johannes Itten und Georg Muche wirkten in unserer Stadt rund 25 weitere Absolventen und Lehrer der legendären Kunstschule", betonte der Oberbürgermeister. „Diese Stadt lebt die Idee, im Jahr 2019 das Bauhaus zu feiern. Wir sind bereit, im landesweiten Programm eine wichtige Rolle zu spielen."

Der Bauhaus-Beirat des Landes Nordrhein-Westfalen mit Prof. Dr. Thomas Schleper (LVR, Fachbereichsleiter Zentrale Dienste,, links), dem Beiratsvorsitzenden Martin Müller (Zweiter von links) und Milena Karabaic (LVR-Dezernentin Kultur und Landschaftliche Kulturpflege, Dritte von rechts) war zu Gast in Krefeld. Oberbürgermeister Frank Meyer, Museumsdirektorin Katia Baudin (rechts) und Christiane Lange von Projekt MIK erläuterten die Krefelder Projekte. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Der Bauhaus-Beirat des Landes Nordrhein-Westfalen mit Prof. Dr. Thomas Schleper (LVR,
Fachbereichsleiter Zentrale Dienste,, links), dem Beiratsvorsitzenden Martin Müller (Zweiter von
links) und Milena Karabaic (LVR-Dezernentin Kultur und Landschaftliche Kulturpflege, Dritte
von rechts) war zu Gast in Krefeld. Oberbürgermeister Frank Meyer, Museumsdirektorin Katia
Baudin (rechts) und Christiane Lange von Projekt MIK erläuterten die Krefelder Projekte.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Im Anschluss stellten Akteure der Kulturinstitute und der freien Kulturszene die Krefelder Projekte zum Bauhaus-Jahr vor. Als Direktorin der Kunstmuseen führte Katia Baudin aus, dass im Kaiser-Wilhelm-Museum bereits im Jahr 2018 die Hinwendung zum Bauhaus-Jahr beginnt. In verschiedenen Ausstellungen möchte Baudin den Dialog zwischen Kultur und Alltag in Kunst, Design und Handwerk thematisieren. So werden von Mai bis Oktober Werke der französischen Designer Bruno Domeau und Philippe Pérès sowie Arbeiten des Architekten und Gestalters Peter Behrens präsentiert. Bis zum Februar 2019 dreht sich dann unter dem Titel „Auf Freiheit zugeschnitten" alles um das Künstlerkleid und das Bild der Frau um 1900. Das Interesse der Bauhaus-Künstler an volkstümlichen und handwerklichen Ausdrucksformen ist Thema der Ausstellung „Folklore und Avantgarde - Volkstümliche Traditionen im Zeitalter der Moderne", die ab Oktober 2019 im Kaiser-Wilhelm-Museum zu sehen wird.

Die Mies-Villen Haus Lange und Haus Esters werden nach ihrer Sanierung ab Februar 2019 als „Laboratorium" genutzt, wie Baudin erklärte. Künstler und Designer werden eingeladen, um mögliche Einrichtungen für die Häuser zu entwerfen. Es entsteht über das Jahr hinweg eine Dramaturgie aus Installationen und anderen künstlerischen und wissenschaftlichen Formaten. Darüber hinaus wird der Fotograf und Becher-Schüler Volker Döhne den gesamten Stadtraum mit Bildern der Häuser Esters und Lange bespielen. Die großformatigen Fotos sollen unter anderem auf Litfasssäulen und Werbeflächen sowie in den Schaufenstern leerstehender Ladenlokale präsentiert werden.

Map 2019 im Kaiserpark

Ein weiterer Höhepunkt des Krefelder Programms im Bauhaus-Jahr geht auf eine private Initiative zurück. Der Verein „Projekt MIK" hatte bereits im Sommer 2013 unter dem Titel „Mies 1:1" ein von Ludwig Mies van der Rohe geplantes Golfclubhaus als temporäre Installation auf dem Egelsberg realisiert. Nun setzt der Verein das Projekt „Map 2019" um. Der Künstler Thomas Schütte wurde beauftragt, eine begehbare Skulptur zu entwerfen, die im Kaiserpark aufgestellt werden soll. Der achteckige Pavillon wird bei einer Höhe von rund 17 Metern etwa 200 Quadratmeter Ausstellungsfläche bieten. Der Verein will dort unter anderem die Ergebnisse seiner Forschungen rund um das Bauhaus in Krefeld präsentieren. „Für uns ist das kein Idealisten-Thema und auch keine Heldengeschichte", sagte die Projektleiterin Christiane Lange. „Wir möchten das Thema Bauhaus noch stärker in Krefeld verankern, weil es eng mit der Industrie-, Sozial- und Kulturgeschichte der Stadt verknüpft ist." Neben dem Pavillon plant Projekt MIK auch Führungen, Tagungen, „Architektouren" durch Krefeld und einen Dokumentarfilm: „Die Stadt wird zur Ausstellungsfläche", erklärte Lange.

Dieser Ansatz wird dadurch untermauert, dass „Bauhaus 2019" zu einem Kernthema des Krefelder Perspektivwechsels wird. „Das Bauhaus ist ein wesentlicher Teil der Stadtidentität", betonte Claire Neidhardt, stellvertretende Leiterin des Stadtmarketings. „Wir werden Formate entwickeln, um die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen." Dabei sollen die geplanten Projekte der Kulturinstitute eingebunden werden. So realisiert das Textilmuseum zum Bauhaus-Jahr die Ausstellung „Zeitkolorit", die sich mit dem Vordringen der Farbe in die Mode zwischen 1900 und 1933 beschäftigt - also zu einer Zeit, als das Bauhaus in Kunst und Design ein wichtiger Impulsgeber war. Die Mediothek wird das Themenjahr mit Lesungen und Vorträgen begleiten. Das Kulturbüro plant zahlreiche Veranstaltungen um die Schwerpunkte Tanz, Literatur und Theater sowie Fachvorträge rund um das Bauhaus.

Stadtarchiv stößt Projekt an

Das Stadtarchiv hat das Forschungsprojekt „Moderne Zeiten im Westen? - Industriekultur und Konsumgeschichte Krefelds 1918-1933" angestoßen. Dr. Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs, und Dr. Stefanie van de Kerkhof vom Lehrstuhl für neuere Geschichte der Universität Mannheim gehen gemeinsam der Frage nach, wie sich die 1920er-Jahre als Jahrzehnt des Aufschwungs und des Wachstums auf die Lebenssituation der Bevölkerung ausgewirkt haben.

Das Jubiläum „100 Jahre Bauhaus" wird im Jahr 2019 bundesweit gefeiert. Die legendäre Hochschule für Gestaltung, gegründet 1919 in Weimar und sechs Jahre später nach Dessau verlegt, wurde 1933 auf Druck der Nationalsozialisten geschlossen. Zu ihren wichtigsten Vertretern gehören neben Ludwig Mies van der Rohe, Johannes Itten und Georg Muche auch Paul Klee, Gerhard Marcks, Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky. In NRW trägt das Programm zum Bauhaus-Jahr den Titel „100 Jahre Bauhaus im Westen - Gestaltung und Demokratie - Neubeginn und Weichenstellungen im Rheinland und in Westfalen". Federführend sind das Land NRW und die beiden Landschaftsverbände.