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Ausstellungskatalog zu „Tracht oder Mode" erschienen

Zuletzt geändert: 02.01.2019 14:16:09 CET

Die jüngste Forschungsarbeit über die Sammlung Paul Prött des Deutschen Textilmuseums Krefeld hat bundesweit in wissenschaftlichen Fachkreisen für Aufsehen gesorgt. „Die Existenz des Bestands war überhaupt nicht bekannt", sagt Dr. Uta-Christiane Bergemann nun bei der Präsentation des Ausstellungskatalogs. „Das Erstaunen über die umfangreiche Trachten-Sammlung in Krefeld ist vielerorts groß gewesen", so die Kunsthistorikerin. Mitarbeiter von auf Trachten spezialisierten Museen wollen sich nun in Krefeld den außergewöhnlichen Bestand anschauen. Im Clublesesaal des Mediothek schilderte die Projektleiterin ihre einjährige Recherche in großen und kleinen Archiven sowie Museen. Ihre Forschungsergebnisse haben Bergemann und Museumsleiterin Dr. Annette Schieck sowie ihre Stellvertreterin Dr. Isa Fleischmann-Heck nun in dem reich bebilderten Katalog zusammengefasst.

Haben den Katalog zur Ausstellung "Tracht oder Mode" in der Mediothek Krefeld vorgestellt (von links): Dr. Uta-Christiane Bergemann, Dr. Isa Fleischmann-Heck, stellvertretende Leiterin Deutsches Textilmuseum Krefeld, Dr. Annette Schieck,  Leiterin Deutsches Textilmuseum Krefeld, und auf der Leiter Evelyn Buchholtz, Leiterin der Mediothek Krefeld. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken
Haben den Katalog zur Ausstellung "Tracht oder Mode" in der
Mediothek Krefeld vorgestellt (von links): Dr. Uta-Christiane
Bergemann, Dr. Isa Fleischmann-Heck, stellvertretende
Leiterin Deutsches Textilmuseum Krefeld, Dr. Annette Schieck,
Leiterin Deutsches Textilmuseum Krefeld, und auf der Leiter
Evelyn Buchholtz, Leiterin der Mediothek Krefeld.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken

Innerhalb der 30.000 Objekte umfassenden Sammlung des Deutschen Textilmuseums, die zweitgrößte ihrer Art in Europa, bildete die jetzt erstmals umfangreich dokumentierte und analysierte Sammlung Paul Prött eine Ausnahme: Entgegen der Tradition der Gewebesammlung, dem Vorläufer des Textilmuseums, nur Stoffbeispiele zu bewahren, kamen in der zweiten Jahreshälfte 1943 mit den Trachten zahlreiche komplette Kleidungsstücke dazu. Die Textilien und der Schmuck erhielten abweichend von der Systematik eigene Inventarisierungskennzeichen. „Es gibt jedoch keine vollständige Tracht in der Sammlung", sagt Schieck. Es handelt sich vielmehr um Einzelteile wie Jacken, Hauben oder Röcke - vermutlich um einen anschaulichen Vergleich für Studierende und Textilproduzenten zu ermöglichen.

Tagungsband erscheint kommendes Jahr

„Das Jahr 1943 hatte für uns natürlich eine Signalwirkung", betont Bergemann. „Als erstes Museum in Deutschland haben wir uns deshalb mit Provenienzforschung hinsichtlich Textilien beschäftigt", sagt Schieck. In diesem Zusammenhang lud das Museum im Herbst 2017 zu einer internationalen Tagung ein, die sich mit textilen Erwerbungen und Sammlungsstrategien europäischer Museen in der NS-Zeit auseinandersetzte. „Dazu erscheint im kommenden Jahr auch der entsprechende Tagungsband", so die Museumsleiterin. In diesem wird der Kern der Krefelder Ergebnisse weiter erläutert werden: „Die Stücke sind zum Teil sehr alt, einige stammen sogar aus dem 18. Jahrhundert", berichtet Bergemann. Durch die genaue Analyse der Objekte, in diesem Fall anhand der Arbeits- und Gebrauchsspuren wie Größenänderungen an den Kleidern, kann eine Nutzung in den 1930er- und 1940er-Jahren und damit ein Raub direkt von möglichen Trägern inzwischen ausgeschlossen werden. „Das ist für uns eine große Erleichterung. Die Kleidungsstücke besaßen zu diesem Zeitpunkt bereits einen musealen Charakter", sagt Schieck. In dem im Nünnerich-Asmus-Verlag erschienen Ausstellungskatalog widmet sich Bergemann in einem gesonderten Kapitel ausführlich der Zeit des Nationalsozialismus und der Person Prött.

1100 Farbabbildungen

„Was diesen Katalog aus unserer Sicht so einzigartig macht, sind die fast 1100 Farbabbildungen", betont Schieck. In vergleichbaren Publikationen müsse man sich auf eine, maximal zwei Aufnahmen beschränken. Neben ganzseitigen Fotos seien hier auch diverse Aufnahmen von ein und demselben Objekt neben der wissenschaftlichen Einordung zu sehen. „Das Besondere lässt sich manchmal nur im Detail erkennen. Dafür haben wir uns mit diesem Band die Möglichkeit gegeben", so die Museumsleiterin. Der rund 450-seitige Katalog kostet 49 Euro und ist im Museumsshop im Deutschen Textilmuseum am Andreasmarkt sowie im Buchhandel erhältlich.

Ausstellung noch bis zum 14. April zu sehen

Die Ausstellung „Tracht oder Mode - Die europäische Sammlung Paul Prött" ist noch bis zum 14. April zu sehen. Erstmals konnten für die Ausstellung 566 Objekte europäischer Herkunft wissenschaftlich bearbeitet werden, circa 200 Exponate sind aktuell ausgestellt. Mit der Ausstellung endet der erste Teil der fünfjährigen Projektreihe „Ans Licht", die von der Sparkassen-Kulturstiftung Krefeld in Höhe von insgesamt 250.000 Euro unterstützt wird. National wie international anerkannte Wissenschaftler erhalten die Aufgabe, jeweils einen thematisch und kulturell zusammenhängenden Bereich in Zusammenarbeit mit Museumsmitarbeitern zu analysieren, einen Bestandskatalog zu verfassen und ein Ausstellungskonzept zu entwickeln und umzusetzen. Es sind insgesamt vier Forschungs- und Ausstellungsvorhaben vorgesehen sowie ein Online-Auswahlkatalog zur Sammlung des Textilmuseums.