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Archäologisches Museum: 2000 Jahre alter Schildbuckel entdeckt

Zuletzt geändert: 23.03.2020 16:41:46 CET

Das unscheinbare Objekt trägt die Nummer Eins in der Vitrine. Auf den ersten Blick scheint es nichts Besonderes zu sein. „Das ist ein extrem seltener Fund", betont Stadtarchäologe Dr. Hans-Peter Schletter. Bei dem verrosteten, bräunlichen Metallstück handelt es sich um einen spindelförmigen Schildbuckel, einen Aufsatz des Schutzschildes, hinter dem sich der Schildgriff befindet. Vergleichbare Funde eines derartigen Schildbuckels aus dem ersten Jahrhundert vor Christus existieren in Europa bislang nur zweimal - und zum dritten Mal in Krefeld. Für die Forschung sei das eine kleine Sensation. „Mit diesem Schildbuckeln sind Caesars Legionen nach Gallien marschiert", sagt Schletter. Er stammt aus dem ersten Jahrhundert vor Christus, einer Zeit als die Römer in Gelduba, dem heutigen Krefeld-Gellep, noch kein Kastell errichtet hatten. „Nach der Fundsituation muss der Buckel heute der Bataverschlacht 69 nach Christus zugeordnet werden", so der Stadtarchäologe. Wegen der zeitlichen Differenz von über 100 Jahren zwischen der Herstellung des Buckels und des Kampfes in Krefeld konnten die Archäologen ihr Glück zuerst kaum fassen.

Ein römischer Schildbuckel. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof
Ein römischer Schildbuckel.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

Die Sensation entpuppte sich in der Restaurierungswerkstatt von Eileen Wolff im Archäologischen Museum Krefeld. Auf ihrem Arbeitstisch lag ein unscheinbarer Rostklumpen. „Auf den ersten Blick sieht man nicht, was es ist", sagt Wolff. Mit einem Feinsandstrahler entfernte sie Schicht für Schicht bis sie auf etwas stieß, das eventuell ein Schildbuckel hätte sein können. „So was hatte ich noch nie in der Hand", berichtet die erfahrene Restauratorin und zeigte es Schletter, der sofort erstaunt sagte: „Das kann nicht sein!". Und auch der ehemalige Museumsleiter und Archäologe Dr. Christoph Reichmann meinte spontan: „Das kann nicht sein!" - Einen über 100 Jahre älteren und von seiner Machart gänzlich anderen Schildbuckel zu finden, passte zuerst überhaupt nicht zu den übrigen Funden. Im Gegensatz zum bekannten Rundbuckel, wie sie mehrfach auf dem Areal der Bataverschlacht gefunden wurden, besitzt dieser eine Spindelform. Diese Art wurde von den Kelten bereits im vierten Jahrhundert vor Christus hergestellt und über die Jahrhunderte auch später von Römern produziert. „Wir kennen das aus Abbildungen aus dem zweiten und ersten Jahrhundert vor Christus", erklärt Schletter. Allerdings wurden nur in Mittelitalien und Südfrankreich solche römischen Buckel bislang ausgegraben. „Und bei uns", schmunzelt der Archäologe.

Archäologe Hans-Peter Schletter und Restauratorin Eileen Wolff. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof
Archäologe Hans-Peter Schletter und Restauratorin Eileen Wolff.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

Der Krefelder Fund untermauert die Erkenntnis der römischen Militärforschung, dass auch ältere Waffen in der Antike teils über Generationen verwendet wurden. Die einheitlich gekleideten und ausgerüsteten Legionäre sind ein Hollywood-Produkt, die römischen Truppen waren wesentlich vielfältiger und bunter in ihrer Ausrüstung. Ausgrabungen im Zusammenhang mit der Schlacht um Alesia (heute Frankreich), der Entscheidungsschlacht zwischen Caesar und den Galliern mit ihrem Anführer Vercingetorix im Jahr 52 vor Christus, haben Waffenfunde hervorgebracht, die aus einer Spanne von 400 Jahren stammen. Ferner seien bei römischen Legionärshelmen durch unterschiedliche Inschriften bis zu vier Eigentümer und eine Nutzungszeit von mindestens 100 Jahren nachgewiesen worden. Gerade bei Notsituationen und überraschenden Angriffen, wie es bei der Bataverschlacht der Fall gewesen sei, griffen die Menschen und Soldaten nach allem, was vorhanden war. „Hier ist also jemand mit Großvaters Schild in die Schlacht gezogen", so der Stadtarchäologe. Ob es sich dabei letztlich um einen Römer oder Bataver gehandelt habe, sei nicht mehr zu klären.

Bataver gegen Römer

Den Verlauf der blutigen Schlacht bei Gelduba schildert der römische Historiker Tacitus (58 bis 120) in seinen „Historien". Dass eine schriftliche, historische Quelle durch archäologische Funde wie in Krefeld belegt werden kann, bildet eine absolute Ausnahme. Die germanischen Bataver, selbst zuvor im römischen Dienst, trafen auf rund 12.000 Römer, alles zusammen etwa 20.000 Legionäre mit Hilfstruppen und den Aufständischen aus dem Rhein-Maas-Gebiet. Die Schlacht sei mehr ein Schlachten gewesen, schrieb Tacitus. Rund 20 Meter hinter einem umkämpften Feldlagergraben entdeckten die Archäologen den Buckel bei der großen Grabung in den Jahren 2017/2018.

Zahlreiche Objekte aus der Schlacht werden in der Dauerausstellung des Archäologischen Museums Krefeld präsentiert. In der aktuellen Sonderschau „Abenteuer Großgrabung - Gräberfeld, Bataverschlacht und Römersiedlung" können erstmals Funde und neue Erkenntnisse nach der größten Grabung in der Geschichte des Museums gesehen werden unter anderem der Schildbuckel in der Sektion zur Bataverschlacht in Krefeld. Weitere Informationen zur Ausstellung stehen unter .