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2019-10-24: 150. Geburtstag: Polizist August Schneider verteidigte Rathaus

Zuletzt geändert: 11.12.2019 12:59:33 CET

Oberbürgermeister Dr. Johann Johansen zieht am 22. Oktober 1923 Polizei und Hilfspolizei zusammen, um das Krefelder Rathaus mit Sandsäcken und Stacheldraht in einen Verteidigungszustand zu versetzen. Separatisten marschieren Richtung Innenstadt. Auch in anderen Städten wie in Aachen stürmen sie die Rathäuser. Sie fordern gewaltsam die Einführung „Rheinische Republik". Im Krefelder Rathaus wartet auch Oberkommissar August Adalbert Schneider, der das Kommando über die Verteidiger führt.Foto aus der New York Times, 2. Dezember 1923 in: Krefelder Archv 7, Neue Folge, Quellen zur Geschichte Krefelds in der Zeit der Weimarer Republik 1918-1933, Krefeld 2012 Foto: Stadtarchiv Krefeld
Foto aus der New York Times, 2. Dezember 1923 in: Krefelder
Archiv 7, Neue Folge, Quellen zur Geschichte Krefelds in der
Zeit der Weimarer Republik 1918-1933, Krefeld 2012
Foto: Stadtarchiv Krefeld

Am folgenden Tag spitzt sich die Situation zu: Die Separatisten proklamieren am Abend des 23. Oktobers an der Lutherischen Kirchstraß' vor dem Rathaus: „Hoch die Rheinische Republik.". Nur kurze Zeit später beginnt unter Hurra-Rufen und lebhaften Feuer der Angriff über die Carl-Wilhelm-Straße von Dächern und aus Kellern auf das Portal. Die Verteidiger schießen vom Rathaus-Balkon auf die Angreifer, so dass der erste Angriff rasch in sich zusammenfällt. „Nun begann ein Feuersturm von allen Seiten. Unaufhörlich krachten die Schüsse hüben und drüben. Die Rathausfenster waren bald zerschossen", heißt es in der Heimat.

Zimmer im Rathaus Krefeld, in dem Polizist Schneider angeschossen wurde.  Foto: Frédéric Gadmer (inv.A 40 163), Département des Hauts-de-Seine, musée Albert-Kahn, Archives de la Planète, Acquisition Antique Caméras
Zimmer im Rathaus Krefeld, in dem Polizist Schneider
angeschossen wurde. Foto: Frédéric Gadmer (inv.A 40 163),
Département des Hauts-de-Seine, musée Albert-Kahn,
Archives de la Planète, Acquisition Antique Caméras

Bei dem Gefecht wird Schneider durch einen Armschuss verletzt. Seit 1904 ist er im aktiven Polizeidienst als Leiter der Hansa-Wache in Krefeld tätig. Er wird daraufhin in ein Krankenhaus gebracht. Die Separatisten stoppen jedoch den Krankenwagen, zerren ihn heraus und verletzten ihn ein weiteres Mal durch mehrere Schüsse unter anderem in den Bauch. Zwei Tage später stirbt er an den Folgen.

Oberkommissar August Adalbert Schneider. Foto: Stadtarchiv Krefeld
Oberkommissar August Adalbert Schneider. Foto: Stadtarchiv Krefeld

Nachdem den Verteidigern im Rathaus die Munition von gut 19.000 Schuss fast ausgegangen war, bleibt ihnen letztlich nur die Übergabe des Hauses übrig.

Vorderseite des Rathauses nach der Übergabe.
Vorderseite des Rathauses nach der Übergabe.

Die Separatisten ziehen ins Rathaus, hissen ihre grün-weiß-rote Fahne und rufen erneut die „Rheinische Republik" aus. Sie existiert 14 Tage. Am 8. November endet in Krefeld die Republik. Die Aufständischen verlassen das Rathaus und die belgischen Besatzer entwaffnen sie.

Wachmeister Hermann Josef Lenssen. Foto: Stadtarchiv Krefeld
Wachmeister Hermann Josef Lenssen. Foto: Stadtarchiv Krefeld

Neben Schneider kommt der Wachmeister Hermann Josef Lenssen ums Leben, neun Polizisten wurden verwundet. Ein halbes Dutzend Separatisten stirbt.

Aufgrund ihrer dienstlichen Einsatzes zum Wohle der Stadt Krefeld wurden die Schneider- und Lenssenstraße nach den beiden Polizisten benannt. Auf dem Hauptfriedhof befindet sich das Ehrengrab Schneiders, der vor 150 Jahren am 28. Oktober 1869 in Weimar geboren wurde.