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2019-06-07: 100 Jahre Bauhaus: Ausstellung „Von Albers bis Zukunft“

Zuletzt geändert: 11.07.2019 11:14:19 CEDT

„So viel Bauhaus hier und alles brauchbare Leute", resümierte Oscar Schlemmer nach einem Besuch bei George Muche 1940 in Krefeld. Mit seinem Freund und Kollegen wirkte Schlemmer bereits am Bauhaus in Weimar und Dessau. In Krefeld trafen sie sich sieben Jahre nach der durch die Nationalsozialisten erzwungenen Auflösung der Schule wieder. Schlemmer nahm verwundert zur Kenntnis, dass von der einstigen Avantgarde-Schule so viele ihren Weg an den Rhein, in die Textilindustrie und -ausbildung, gefunden hatten. Die Verbindung Bauhaus-Krefeld reicht jedoch weitaus länger zurück: Seit den 1920er-Jahren herrschte ein Kontakt zwischen dem Kaiser-Wilhelm-Museum und dessen damaligen Direktor, Max Creutz, zu Meistern und Schülern in Weimar und Dessau. Auf diese Spuren des Bauhauses haben sich nun Dr. Sylvia Martin und Dr. Magdalena Holzhey gemacht - und sie wurden im Bestand der Kunstmuseen Krefeld reichlich fündig. Zu sehen ist das in der Ausstellung „Von Albers bis Zukunft" im Haus am Joseph-Beuys-Platz.

Bauhaus hatte viele Gesichter und Themen

Wer das Bauhaus bislang nur mit seiner sachlichen Architektur kennengelernt hat, den führen die beiden Kuratorinnen auf gänzlich andere und beeindruckende Pfade. In 15 Räumen zeigen sie neben bekannten Positionen vieles Unbekannte sowie Exponate, die lange, teils sehr lange nicht mehr ausgestellt worden sind. „Das Bauhaus hat viele Gesichter und Themen gehabt", betont Martin. Diese Heterogenität spiegelt sich bereits im ersten Themenraum „Meister und Schüler" wider: Gerhard Marcks, der ab 1919 am Bauhaus lehrt, ist Bildhauer, alle anderen sind Maler: Lyonel Feininger und Johannes ltten unterrichten ab 1919, Georg Muche ab 1920, Oskar Schlemmer, Paul Klee ab 1921, Wassily Kandinsky ab 1922, und Laszlo Moholy-Nagy, der 1923 auf Itten folgte - sie alle sind mit Werken vertreten. Dazu haben die Kuratorinnen Arbeiten von Schülern ausgewählt, wie ein Bild des Krefelder Malers und Keramikers Johannes Driesch, der bei ltten, Feininger und Marcks studierte. Sein Gemälde hält eine Überraschung bereit, da die Rückseite ein offenbar verworfenes Bild der Bauhaus-Schülerin Dörte Helm zeigt. Helm gehörte zu den wenigen Frauen, die sich einen Platz in der ansonsten von Männern dominierten Wandmalerei-Klasse erstritten hatte. Zu den besonderen Entdeckungen alleine in diesem Raum zählt zudem die erste Bauhaus-Mappe mit zwölf Holzschnitten von Lyonel Feininger.

Gerhard Marcks Schwimmerin II, 1938 Bronze, 169 × 35 x 42 cm Kunstmuseen Krefeld © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Gerhard Marcks Schwimmerin II, 1938 Bronze, 169 × 35 x 42 cm
Kunstmuseen Krefeld © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Max Creutz Verbindung zum Bauhaus

Der reichliche Bauhaus-Bestand ist eng verbunden mit der Person Max Creutz. Drei Jahre nachdem das Staatliche Bauhaus 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet wurde, begann mit dem 1922 neu berufenen Direktor in Krefeld eine Zeit des Aufbruchs in die Moderne. Creutz entwickelte das Kaiser-Wilhelm-Museum zu einem Ort der zeitgenössischen Kunst. Zu Gropius pflegt er Kontakte, mit dem pädagogischen Programm der Schule war er vertraut. Creutz stellte Bauhausmeister und -schüler immer wieder in verschiedenen Zusammenhängen aus. Für die Ausstellung „Farbe", ein zentrales und seit 1902 wiederkehrendes Thema in Krefeld, liefert Kandinsky einige pädagogische Farbtafeln als Anschauungsmaterial, was nach knapp 100 Jahren wieder in der aktuelle Ausstellung zu sehen ist.

Bauhaus so aus einer neuen Perspektive

Die gut durchdachte Ausstellungskonzeption mit ihrer äußerst gelungenen Werkauswahl durch Sylvia Martin und Magdalena Holzhey, die eine stellvertretende Museumsleiterin, die andere Sammlungskustodin, richtet ihren Blick auch auf das Vorher und Nachher wie den Deutschen Werkbund, den Einfluss von „de Stijl", das Wirken von Bauhäuslern am Black Mountain College in den USA oder an der Ulmer Hochschule für Gestaltung. Wer das Bauhaus so aus einer neuen Perspektive entdecken möchte, muss in das Kaiser-Wilhelm-Museum. Dazu bleibt auch noch genügend Zeit, die Ausstellung endet am 26. April 2020. Einen Katalog gibt es nicht, aber ein Begleitheft für Besucher.

Die Stadt Krefeld setzt im Bauhaus-Jahr 2019 mit Ausstellungen und Projekten künstlerische und architektonische Akzente. Sowohl die städtischen Museen als auch die bürgerschaftliche Initiative Projekt MIK bieten ein umfangreiches Programm. Hinzu kommen Veranstaltungen der Kulturinstitute, der freien Szene, der Wirtschaft und des Stadtmarketings.