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Waldschäden

Die Waldzustandserhebung für den Kommunalwald der Stadt Krefeld wurde im August 2016 vorgenommen.

Seit 1986 wird im städtischen Waldbesitz eine Sondererhebung von Waldzustandsstichproben gemäß der landesweit vorgegebenen Untersuchungsmethodik durchgeführt. Landesweit steht ein untersuchter Bestand für 1600 ha Waldfläche (Raster 4 x 4 km). Bei der Sonderuntersuchung in Krefeld repräsentiert dagegen ein untersuchter Bestand eine Waldfläche von 109 Hektar.
Die Gesamtgemarkungsfläche der Stadt liegt bei 13.725 Hektar, davon sind etwa 1.300 Hektar Wald. Dieser teilt sich auf in 1.019 Hektar Körperschaftswald (Stadtwald Krefeld, städt. Einrichtungen u. Gesellschaften), 259 Hektar Privatwald und 9 Hektar Bundeswald. Damit hat Krefeld einen Waldanteil an der Gemarkung von 9,4 v.H. und zählt damit zu den waldarmen Gebietskörperschaften. Die Erhebungsdichte im Stadtgebiet Krefeld liegt mit zehn Waldbeständen (ehemals 11 Beständen) je 1.287 Hektar deutlich höher als in NRW. Allerdings bedingt die relativ geringe Zahl an Stichprobenpunkten eine statistisch niedrigere Sicherheit. Die Zahlen müssen deshalb als empirische Hinweise gesehen werden, sie müssen mit Vorsicht interpretiert werden.
Die Probebestände liegen in den Unterabteilungen 1 A, 3 C, 9 A, 10 A, 12 D, 13 B, 18 A, 20 C, 26 A und 27 B des städtischen Forstbetriebes. In den untersuchten Beständen wurden je dreimal fünf Baumgruppen auf ihre Blatt-/Nadelverluste sowie auf Blatt-/Nadelverfärbung und sonstige auffallende Drittschäden durch Pilze und Insekten abgeprüft.

Folgende Schadstufen werden unterschieden:

0 = ohne Schadensmerkmale (0 - 10 % Blatt-/Nadelverlust), 
1 = schwach geschädigt (Übergangsstufe zum Kranksein,
11 - 25 % Blatt-/Nadelverlust),
 
2 = mittelstark geschädigt (Blatt-/Nadelverlust 26 bis 60 %), 
3 = stark geschädigt (Blatt-/Nadelverlust 61 - 99 %), 
4 = abgestorben (Blatt-/Nadelverlust 100 %). 

Tabelle 1 beinhaltet die Verteilung der untersuchten Baumarten auf die Schadstufen. Hierbei wurden die Schadstufen 2-4 zu den sogenannten „deutlichen Schäden" zusammengefasst, wie es auch bei der Erhebung für ganz Nordrhein-Westfalen üblich ist. In der Tabelle sind die absoluten Zahlen dargestellt (s. Tab. 1 im Anhang). Die Klammerwerte stammen aus den Vorjahren. In der zweiten Tabelle sind die Ergebnisse prozentual dargestellt und somit leichter vergleichbar (s. Tab. 2 im Anhang). Auch hier ist die Zeitreihe der vergangenen Jahre in Klammern dargestellt. Der unterste Abschnitt der Tabelle 2 gibt die Vergleichswerte für Nordrhein-Westfalen insgesamt prozentual an.

Die Tabellen 1 und 2 sowie die Übersichtstabelle Waldzustandsbericht für den Krefelder Kommunalwald 2016 (s. Tab. 3 im Anhang) lassen folgende Interpretation der Ergebnisse zu (hierbei sind die Vorjahreszahlen in Klammern hinter die aktuellen Zahlen gesetzt):

21% (27%) der untersuchten Bäume im Stadtgebiet Krefeld sind 2016 ohne Schadensmerkmale. Dieses Ergebnis stellt eine Verschlechterung um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr dar. Die Anzahl gesunder Bäume hat leicht abgenommen. Die drei Prozentpunkte sind in die Schadstufe schwache Kronenverlichtung gewandert. Die Ergebnisse der einzelnen Baumarten zeigen unterschiedliche Tendenzen auf.

Buche

Die Buche nimmt bedeutende Flächen im Krefelder Kommunalwald ein und erreicht Höhen um die 40 m. Sie weist in 2016 wieder eine deutlicher Verschlechterung des Kronenbildes als vor zwei Jahren. Im Jahr 2014 waren aufgrund der vorhandenen Sprengmast die Blätter kleiner und von geringerer Anzahl.
Dies bedeutet, die Kraft der Buchen ging in die Reproduktion und weniger in die Blätter. Zum Teil war an einigen Standorten, wie im Heesbusch in Uerdingen ein mittlerer Befall mit Springrüßler festzustellen, der ebenfalls die „Abstufung" der Buche aus der gesunden Klasse zu den leichten Schäden im Jahr 2014 verursachte. Das letzte ausgeprägte Mastjahr war erst im Jahr 2011. Die Mastjahre folgen statt in vier oder fünf Jahren nunmehr in kürzeren Abständen. Dies mag dem Klimawandel mit Stressfaktoren für die Bäume geschuldet sein. Obwohl sie häufig Teilmasten generiert, verjüngt sie sich kaum. Im Vergleich mit dem Land Nordrhein- Westfalen weist die Buche in Krefeld weiterhin einen besseren Gesundheitszustand auf (s. Tab. 4).

2016 in v.H.ohne
Kronenverlichtung
schwache
Kronenverlichtung
deutliche
Kronenverlichtung
Krefeld33 (57)63 (43)4 (0)
NRW17 (27)35 (49)48 (24)

Tab. 4 : Buchenergebnisse im Vergleich 2016 - Vorjahresergebnisse im Klammern

Eiche

Bei der Eiche ist ebenfalls eine deutliche Verbesserung zu konstatieren. Zwar gibt es in der Klasse der gesunden Bäume keine Eichen, aber es hat eine Verringerung der deutlichen Schäden gegeben und zwar um 27 Prozentpunkte. Diese haben sich in die Schadstufe schwache Kronenverlichtung verschoben. Das Kronenbild der meisten Eichen war deutlich besser als im Vorjahr. Das mag an einem geringeren Eichenwicklerfraß gelegen haben und an der Auswirkung der höheren Niederschläge des Jahres 2014, die mit 750 mm mehr als 150 mm über dem Durchschnittsniederschlag lagen. 2016 waren nur 570 mm zu verzeichnen.
Dennoch: Auch im Jahr 2016 gab es auffällig viele absterbende Eichen, die meist starken Eichenprachtkäferbefall aufwiesen. Hier gilt es rechtzeitig einzugreifen, um eine Massenvermehrung der Prachtkäfer abzuwehren und einer Entwertung des Eichenholzes entgegen zu wirken. Für die Avi- und Entomofauna bleiben regelmäßig genügend stehende und liegende tote Bäume übrig, da eine vollkommene Nutzung der kränkelnden Eichen nicht realistisch ist.
Vergleicht man die Gesamtergebnisse aus NRW mit den Krefelder Zahlen ergibt sich folgendes Bild in Prozenten:

2016 in v.H.0
ohne Kronenverlichtung
1
schwache Kronenverlichtung
2-4
deutliche Kronenverlichtung
Krefeld2 (0)70 (40)28 (55)
NRW30 (19)41 (41)29 (40)

Tab. 5 : Eichenergebnisse im Vergleich 2016 - Vorjahresergebnisse in Klammern

Die Situation der Krefelder Eiche hat sich leicht verbessert. So sind die deutlichen Schäden von 55 v.H. im Vorjahr auf nunmehr 28 Prozentpunkte gefallen. Die Anzahl der leichten Schäden ist dadurch leicht von 40 auf 70 Prozentanteile angestiegen (s. Tab. 5). Die schon in den letzten Jahren aufgefallenen kränkelnden Eichen geben weiterhin zu denken. Eine Besserung ist nur graduell feststellbar und die Ergebnisse sind weiterhin schlecht. Die stärksten Symptomanhäufungen sind an den Tennisplätzen im Stadtwald und am Sprudeldyk festzustellen. Ein gewisser Standorteinfluss dürfte zumindest an den Tennisplätzen eine maßgebliche Rolle spielen. Es ist weiterhin bei der Eiche ein Absterben großer Individuenzahlen zu befürchten.

Roteiche

Die Roteiche ist im Jahr 2016 bei der Erhebung der Kronenverlichtung deutlich schlechter als die Vorjahresergebnisse. 56 v.H. der Roteichen weisen eine schwache Kronenverlichtung auf. 22 v.H. zeigen deutliche Kronenverlichtungen. Genaue nordrhein-westfälische Zahlen liegen nicht vor.

Bergahorn

Der Anteil der Bäume ohne Schadmerkmale beim Bergahorn ist im Jahr 2016 wie im Jahr 2015 von 14 v.H. auf 36 v.H. und liegt damit sogar besser als 2013, wo 21 v.H. ohne Schadensmerkmale waren. Demzufolge hat in der Schadstufe 1 keine Veränderung stattgefunden.

Kiefer

Die Kiefer ist in der Stichprobe nur mit geringen Zahlen von Einzelindividuen vertreten. Sie sieht weiterhin recht gut aus. Wie im Vorjahr liegen 100 v.H. im Bereich der schwachen Kronenverlichtung. Deutliche Kronenverlichtungen wurden im Jahr 2016 nicht verzeichnet (s. Tab. 6). Die Kiefern wurden bei Durchforstungen begünstigt und haben vom niederschlagsreichen Sommer 2014 deutlich profitiert. Der Gesundheitszustand der Bäume und ihr Habitus wird im Wesentlichen von den Witterungsbedingungen des Vorjahres geprägt. In NRW verbesserte sich die Kiefer hinsichtlich der Kronenverlichtungen um sieben Prozentpunkte von den deutlichen Schäden weg und hin zu den leichten Schäden (s. Tab. 6).

2016 in v.H.ohne Kronenverlichtung
schwache Kronenverlichtung
deutliche Kronenverlichtung
Krefeld0 (0)100 (100)0 (0)
NRW22 (16)65 ( 68)13 (16)

Tab. 6 : Kiefer im Vergleich 2016 - Vorjahresergebnisse in Klammern

Sonstige Schäden und Auffälligkeiten

Der Wicklerfraß an der Eiche war noch einmal geringer als im Vorjahr. Auf diese Weise zeigen sich die Krefelder Eichen im Jahr 2016 etwas vitaler als in den letzten Jahren. Es stehen dickere Jahrringe zur Versorgung der Krone zur Verfügung. Es konnten somit mehr Reservestoffe einlagert und die Insektenangriffe besser abwehrt werden.

Im Henoumontwald war erstmals in 2007 an den stark wüchsigen Großen Küstentannen mit Durchmessern von über 50 cm Brusthöhendurchmesser ein unerklärlicher Harzfluß festzustellen. Dieser Harzfluß setzt sich fort. Die Kronenbilder von Küstentannen sind vereinzelt schlechter geworden. Gesunde Exemplare ohne Kronenverlichtung waren nicht im untersuchten Kollektiv. Allerdings versucht die Küstentanne durch die Bildung von Sekundärkronen neue Assimilationsfläche zu generieren. Es besteht der Eindruck, dass die Baumhöhen und Kronendimensionen nunmehr von den Rahmenbedingungen des Standortes begrenzt werden. Das reiche Dargebot an Verjüngung sollte durch Auflichtung auf einen Bestockungsgrad von 0,7 und Kleinzäune gegen Rehwildverbiss angenommen werden um stufige Bestände in plenterartiger Struktur anzustreben.

Gesamtfazit

Der Wald in der Stadt Krefeld liegt im Jahr 2016 bei folgenden Trendwerten:
Die Anzahl der Bäume ohne Schadmerkmale ist kleiner geworden und zwar von 27 v.H. auf 21 v.H. Die leichten Schäden steigen von 54 auf 66 v.H. an. Die auffälligen deutlichen Schäden sind von 18 auf 13 v.H. gesunken und haben sich damit verbessert. Die schlimmsten Kronenbilder weist immer noch die Eiche auf, die teilweise mehr als 60 v.H. Blattverluste inne hat beziehungsweise ganz abgestorben ist. Das Jahr 2016 liegt bei der Schadensklasse ohne Kronenverlichtung gleichbleibend wie im Vorjahr, die schwachen Schäden haben leicht abgenommen, die deutlichen Schäden leicht zugenommen (s. Tab. 3 im Anhang).

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Wald in NRW wieder etwas erholt (s. Tab. 7 und 8). Deutliche Schäden weisen etwas mehr als ein Viertel aller Bäume auf. Den breitesten Raum nehmen die Bäume mit schwachen Kronenverlichtungen ein (43%). Bäume ohne Kronenverlichtung liegen bei 26%. Die Laubbaumarten sind nahezu gleichbleibend vertreten. Die Eiche bleibt im Land NRW die Baumart mit der höchsten Kronenverlichtung.
Die Buche zeigt im Jahr 2016 keine deutliche Verbesserung aufgrund der im Jahr 2016 wieder stattgefundenen Fruktifikation.
Sonstige Laubbäume zeigen sich im Jahr 2016 ebenfalls in einer nahezu gleichbleibenden Vitalität. Insgesamt geht die kontinuierliche Verlichtung der Baumkronen wie in den vergangenen Jahren tendenziell weiter.

2016 in v.H.0
ohne Kronenverlichtung
1
schwache Kronenverlichtung
2-4
deutliche Kronenverlichtung
Krefeld21 (27)66 (54)13(18)
NRW28 (28)43 (46)29 (26)

Tab. 8 : Kronenverlichtung in Krefeld und NRW im Vergleich - alle Baumartengruppen

Den aktuellen Waldschadensbericht finden Sie hier:

Waldschadensbericht Tabelle 1 (Schadstufen absolut)

Waldschadensbericht Tabelle 2 (Schadstufen prozentual)

Waldschadensbericht Tabelle 3 (Krefelder Stadtwald (2015)

Waldschadensbericht Tabelle 7 (Baumarten Krefelder Stadtwald [2015])