Inhalt

Waldgut Schirmau

Das Waldgut Schirmau im Brohltal. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Das Waldgut Schirmau im Brohltal.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Das Waldgut Schirmau liegt in der Osteifel im Brohltal, eineinhalb Autostunden von Krefeld entfernt, auf einer Höhe von 420 bis 500 Metern über NN.

Baron Max Mathias von der Leyen kaufte 1905 den Schirmauhof mit 11 Hektar Ackerland und 26 Hektar Wald. 1906 baute er den Schirmauhof zum Waldgut Schirmau um. 1919 heiratete Baron Max von der Leyen die Berlinerin Emmy Anna Hasten. Die Ehe blieb kinderlos. Emmy von der Leyen überlebte ihren Mann um 10 Jahre und starb 94-jährig im Jahr 1977.

Erbe ihres Besitzes wurde die Stadt Krefeld. Die Bedingung war, das Waldgut Schirmau für die Erholung älterer Krefelder Bürger zur Verfügung zu stellen und eine Begegnungsstätte einzurichten. Umfangreiche Umbauarbeiten machten aus dem Waldgut Schirmau „Das Krefelder Juwel in der Eifel"

Erholung

Das Waldgut Schirmau lädt zum Wandern ein. Es gehört zur Vulkan-Eifel und ist geologisch sehr interessant. Daher liegt es nahe, den Geologischen Pfad einmal entlang zu wandern. Von den Höhen in unmittelbarer Nähe des Gutsgebäudes reicht der Panoramablick bis über den Rheingraben in das Siebengebirge. Ein großer Anziehungspunkt ist auch der Aussichtsturm auf dem Weiselstein, der in unmittelbarer Nähe von Gut Schirmau liegt. Vom Turm geht der Blick bis in den Westerwald.

Insgesamt sechs markierte Wanderwege ermöglichen kurze Spaziergänge oder ausgiebige Wanderungen bis zu fünf Kilometern.

 

Der Wald in Schirmau

Waldverteilung

Die früher weit verstreuten Wälder in den für Realteilungsgebiete typischen kleinparzellierten Strukturen wurden durch eine 2010 abgeschlossene Waldflurbereinigung zu einem kompakten Komplex um das Hofgut zusammengefasst. Dies bietet zum einen die Möglichkeit optimal auf die Ansprüche der Krefelder Senioren einzugehen und eröffnet vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Zum anderen erleichtert es die Bewirtschaftung des Waldes und trägt damit zu einer besseren wirtschaftlichen Nutzung bei.

Waldwirtschaft

Baron von der Leyen tätigte ab 1905 einen permanenten Grundstückszukauf. Auf alten Bildern erkennt man, dass es sich hierbei meist um Heideflächen handelte. Heute hat das Gut über 200 Hektar land- und forstwirtschaftliche Flächen. Der überwiegende Teil sind Waldbestände mit eingestreuten Strauch- und Landschaftspflegeflächen.

Zur damaligen Zeit wurden nicht alle Flächen bewirtschaftet. Einige Brachen hat man sich selbst überlassen, sodass sich Heidegesellschaften entwickelten und Pionierbaumarten wie Birken und Kiefern, aber auch Ginster, Holunder und Heckenrosen aufkamen.

Die Forstwirtschaft erfolgte in früherer Zeit im Kahlschlagverfahren, getrennt nach den Baumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche.

1997 vollzog man die Umstellung zur naturnahen Waldwirtschaft.

Struktur des Waldes

Um die Aufgaben des Waldes wie Erholungs- und Schutzfunktionen optimal erfüllen zu können, bedarf es einer heterogenen Struktur, die sich durch eine entsprechende Baumartenverteilung, Artenvielfalt, Altersdifferenzierung und Stufigkeit erreichen lässt.

Baumartenverteilung

Die Waldflächen gliedern sich in 55 Prozent Nadelwald und 45 Prozent Laubwald. In früherer Zeit wurde der Wald nach den klassischen Kahlschlagverfahren bewirtschaftet. Die sogenannten „Anbauwellen" sind heute noch deutlich erkennbar.

  • Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgten Ödlandaufforstungen mit Fichte und Kiefer.
  • Um 1910 brach die Eichenlohwirtschaft aufgrund der Entwicklung eines synthetischen Gerbstoffes zusammen, was zu weiteren Aufforstungen mit den oben genannten Baumarten führte.
  • Zwischen 1920 und 1930 erfolgten noch einmal Fichtenaufforstungen.
  • Ab 1945 fielen landwirtschaftliche Flächen brach, die sich natürlich bewaldeten.
  • Zwischen 1960 und 1990 gab es noch vereinzelte Aufforstungen mit Nadelbäumen.
Fichte

Die Fichte hat auf dem Waldgut Schirmau die größte Flächenausdehnung. In geringem Maße wurde sie mit Douglasien und Kiefern gemischt. Die Fichte war und ist eine Risikobaumart. Waren in früherer Zeit Sturmwurf und Schneebruch die Hauptursachen, so sind es heute die Borkenkäfer, die als Sekundarschädlinge die vom sauren Regen geschwächten Bäume zum Absterben bringen. Dort, wo die Lichtverhältnisse es zulassen, samen sich neben der Fichte verschiedene Baumarten wie Douglasien, Weymouthskiefer, Europäische Lärche, Buche, Eiche und Birke an.

Ein sonnendurchfluteter Fichtenwald. Im Vordergrund wachsen junge, kniehohe Fichten
Naturverjüngung im Fichtenwald

Kiefer

Die Kiefer hat sich in den Wäldern von Waldgut Schirmau überwiegend selbst verbreitet. Als Pionierbaumart ist sie mit Birke, Kirsche und Vogelbeere vergesellschaftet.

Hangaufwärts bilden Kiefern und Eichen einen Mischwald
Kiefer, vergesellschaftet mit diversen Laubbaumarten.

Bis 1990 hatte sie aus Sicht der Forstwirtschaft eine untergeordnete Bedeutung.
Schlechte Holzpreise, oft bedingt durch mangelnde Pflege und daraus resultierende Schneebruchgefährdung im Dickungs- und Stangenholzalter, führten zu einer Vernachlässigung dieser Baumart.

Buche

Diese Baumart hat sich auf dem Waldgut Schirmau überwiegend aus Stockausschlägen entwickelt. Die Bäume sind überwiegend zwieselig sowie tief beastet und damit von geringem wirtschaftlichen Wert. In den letzten Jahren sind Buchen flächig zur Anpflanzung gekommen, die bei entsprechender Pflege für die Zukunft gute wirtschaftliche Perspektiven aufzeigen.

Eiche

Diese Baumart fand ihre Verwendung in der Eichenlohwirtschaft und wurde im sogenannten Niederwaldbetrieb bewirtschaftet. Die sich aus dem Stock verjüngenden Eichen wurden in Zeiträumen von 20 bis 30 Jahren wieder genutzt. Nach dem Zusammenbrechen dieses Wirtschaftszweiges um 1910 erfolgte in den letzten Jahrzehnten die Überführung der Eichenbestände in Hochwald.

Hinsichtlich der Baum- und Strauchartendiversität kommen auf Waldgut Schirmau über 30 verschiedene Arten vor. Gerade in den Bereichen, wo in früherer Zeit nicht die klassische Forstwirtschaft betrieben wurde, sondern Wald aus der Selbstentwicklung erfolgte, besteht auch heute noch eine hohe Artenvielfalt.

Dennoch wurden flächig einige wenige Baumarten aus wirtschaftlichen Gründen in den Vordergrund gerückt.

Ein sonnendurchfluteter Fichtenwald mit einer tief beasteten Fichte im Vordergrund
Fichte als klassische Baumart der früheren Waldwirtschaft

Landespflege im Wald

Das Waldgut Schirmau bestand bis zum Zeitpunkt der gezielten Aufforstungen aus wenig bis nicht bewirtschafteten Wäldern, aus Heideflächen, Lohhecken, Wiesen und Äckern. Trotz der einsetzenden Forstwirtschaft blieb ein Großteil der Flächen sich selbst überlassen. Aus den Lohhecken wurden Eichenniederwälder, auf den Heide- und landwirtschaftlichen Flächen flogen die Kiefer und Birke ein. Eberesche, Kirsche und Eiche kamen durch Vogelsaat hinzu.

Von den damals großflächigen Heiden, oft mit Wachholder bewachsen, sind nur noch Reste vorhanden. An den Wald- und Wiesenrändern steht eine üppige Strauchvegetation mit der typischen Ödlandflora wie Eberesche, Heckenrose, Vogelbeere, Holunder, Ginster und Schlehdorn.

Von den 217 Hektar Grundeigentum werden nur ca. 70 Prozent forstwirtschaftlich genutzt. Die Wiesen werden nicht gedüngt. Zeigerpflanzen hierfür sind das gefleckte Knabenkraut und das Wollgras. Die zum Teil großen Waldkomplexe werden immer wieder durch vorwaldähnliche Strukturen und Wiesen unterbrochen. Die Sukzessionsflächen werden gepflegt, um diese Entwicklungsstadien zu erhalten.