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Landschaftspflege

Unter Landschaftspflege werden alle Maßnahmen verstanden, die unmittelbar und konkret der Erhaltung und Förderung von freilebenden Tieren und Pflanzen und ihrer Lebensgrundlagen dienen. Gleichzeitig kann dies einhergehen mit der Verwirklichung von Zielen, wie Erhaltung und Anreicherung des Landschaftsbildes, Verbesserung des Erholungswertes der freien Landschaft und Erhaltung von kulturhistorischen Nutzungsformen im Freiraum zum Beispiel Kopfweiden.

Der rechtliche Rahmen für die Durchführung dieser "Pflege der Landschaft" ist durch den Landschaftsplan gesetzt, siehe dazu entsprechenden Abschnitt "Landschaftsplan". Hier wurden einige Beispiele für Maßnahmen in Krefeld vorgestellt:

Pflegemaßnahmen:

- Schnitt von Kopfbäumen,

- Obstbongerte, Mahd der Wiesen, Schnitt der Bäume

- Mahd von Extensivem Grünland, oder Beweidung

- Niederwald,

- Naturdenkmale.

Maßnahmen zur Entwicklung der Landschaft:

- Anlage von Baumreihen und Feldhecken,

- Anlage von Kleingewässern.

Kopfbäume: In der Regel handelt es sich um Kopfweiden, vereinzelt gibt es auch Eschen, Eichen und Hainbuchen, die als Kopfbäume ausgebildet wurden. Bis vor circa 50 Jahren wurden diese Bäume so geschnitten, um an Brennholz oder Material zur handwerklichen Weiterverarbeitung, Körbe, Hausbau etc. zu kommen. Heute sollen diese Bäume erhalten bleiben, weil sie für den Niederrhein typisch sind, aber auch, weil sich herausgestellt hat, daß gerade bestimmte Greifvogelarten , wie der Steinkauz auf diese Bäume angewiesen sind, Nist- und Bruthöhlen, Ansitzmöglichkeit zum Jagen.
Die Bäume müssen je nach Licht- und Bodenverhältnissen alle 4 - 10 Jahre geschnitten werden,
damit sie nicht zusammenbrechen.

Am Straßenrand steht eine alte ungeschnittene blattlose Kopfweide mit vielen sehr langen Ästen.

Drei niedrige ungeschnittene Kopfweiden stehen in einer Wiese.

Kopfweiden

 

Bei den Streuobstwiesen "Bongerte" handelt es sich um traditionelle Formen des Obstbaues, bei denen Hochstämme verschiedener Obstarten und - sorten, Alters- und Größenklassen auf Grünland stehen. Kennzeichnend ist, daß diese Flächen zusätzlich als Viehweiden oder als Mähwiesen genutzt wurden. Mit dem Aufkommen moderner Produktionsverfahren, Plantagen mit niedrigstämmigem Material und der Verteuerung der Arbeitskraft verschwand diese für das Landschaftsbild des Niederrheins typische Kulturform immer mehr.
Die noch existierenden Obstbongerte sind meistens überaltert und jahrzehntelang nicht fachgerecht gepflegt worden.
Derzeit sind 77 Bongerte in Krefeld durch den Landschaftsplan unter Schutz gestellt. Die meisten sind in den letzten zehn Jahren gründlich und fachgerecht geschnitten worden.
Zusammen mit dem Naturschutzbund NABU wurden in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, einen Großteil der bestehenden Altbäume zu pflegen und durch Nachpflanzungen die Bestände zu verjüngen. Ein weiterer Anreiz für die Eigentümer von Bongerten ist durch das NABU - Apfelsaft - Projekt geschaffen worden.
Trotz aller Erfolge der letzten Jahre ist festzustellen, daß immer noch ein bedeutender Teil der Krefelder Bongerte bedroht ist durch Bauabsichten, Desinteresse von Eigentümern, Der alte Baum macht's eh nicht mehr lange und Nutzung als Pferdeweide.

Extensives Grünland: Durch diese Bewirtschaftung soll der Erhalt naturnaher, artenreicher Grünlandbestände gefördert werden. Hier wird nicht gedüngt und "gespritzt". Um Bodenbrüter nicht zu stören, wird erst zu einem späteren Zeitpunkt gemäht. Gemäht werden muß, weil sonst die Flächen verbuschen und später verwalden.
Dadurch ginge der Lebensraum für Bodenbrüter wie Lerchen, aber auch für größere Greifvögel verloren.
Extensives Grünland ist großflächig vor allem im Hülser und Latumer Bruch vorhanden.
Zu erwähnen ist an dieser Stelle auch noch die Pflege von Feuchtwiesen, die früher zur Gewinnung von Stalleinstreu genutzt wurden, heute aber für die Landwirtschaft uninteressant sind.

Die weite ausgetrocknete Wiesenfläche im Naturschutzgebiet Egelsberg wird rechts von einer Reihe Bäumen gesäumt.

An einem Graben steht eine sehr alte ungeschnittene blattlose Kopfweide. Vom Stamm existiert nur noch die äußere Hülle mit der Rinde. Diese ist zur Straße hin offen. Der Kern des Stammes ist komplett herausgefault.

 

Niederwald entsteht durch regelmäßiges "auf den Stock setzen" von Bäumen und Sträuchern. Diese für den Niederrhein früher übliche Form der Waldbewirtschaftung diente unter anderem der Beschaffung von Brennholz. Aus Gründen des Artenschutzes wurde die Niederwaldwirtschaft auf mehreren Flächen vor allem im Hülser und Orbroicher Bruch wieder aufgenommen. Alle 20 bis 40 Jahre wird der Aufwuchs auf den Stock gesetzt.

Als Naturdenkmale gemäß Landschaftsgesetz werden "Einzelschöpfungen der Natur" festgesetzt, soweit ihr besonderer Schutz aus Gründen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit erforderlich ist. Eine Unter-Schutz-Stellung kann auch aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, landeskundlichen oder erdgeschichtlichen Gründen erfolgen.
In Krefeld handelt es sich bei den Naturdenkmalen im wesentlichen um Einzelbäume, Baumgruppen und Alleen.

Die Allee Hökendyk wird links und rechts von großen alten Rosskastanienbäumen gesäumt.

Allee Hökendyk

 

Die Pflege dieser Naturdenkmale ist in der Regel sehr kostspielig und aufwendig. Außerdem werden laufend Ergänzungspflanzungen vorgenommen, um Ausfälle aufgrund von Alterungsprozessen sowie von Unfall- und Unwetterschäden auszugleichen.
Einige Naturdenkmale in Krefeld: Lindenallee Fichtenhain, Kastanienallee Hökendyk, Baumreihen als Zufahrt zu mehreren Höfen an der Oberbenrader Straße, Lindenbaumgruppe an der B 9 / Hinterorbroich oder die Eremitenquelle am Osthang des Hülser Berges als kulturhistorisches Beispiel, Findling bzw. Braunkohlensandstein an der Ecke Hauptstraße, Zufahrt zur Raststätte Geismühle.

Durch die Anlage und Pflege von Baumreihen, Baumgruppen und Einzelbäumen soll die Landschaft gegliedert werden. Gleichzeitig stellen sie Nahrungsquelle, Nist- und Brutraum, Nester und Horste sowie Rückzugs- und Ansitzmöglichkeit für eine Vielzahl von Tieren dar. Das Foto gibt einen Teilabschnitt einer 1997 gepflanzten Baumreihe am Rohrammerdyk im Hülser Bruch wieder. In diesem Bereich und am Bachstelzendyk wurden Ende 2000 ca. 150 Eichen und Eschen von bisher Unbekannten gefällt. Sachdienliche Hinweise auf den oder die Baumfrevler nehmen die Polizei
und der Fachbereich Grünflächen der Stadt Krefeld entgegen Telefon:0215/864430 oder 02151/864402.

Eine mehrstämmige, krumme, alte und blattlose Kopfweide steht in einem Streifen von mehreren anderen Kopfweiden.

Gruppe von Kopfweiden

Mit der Anlage von Feldgehölzen und - hecken, speziell in den weitgehend ausgeräumten Feldfluren, soll für die hier lebenden Tiere Nist- und Brutmöglichkeiten geschaffen werden. Gleichzeitig dienen diese Bereiche der Nahrungssuche und dem Unterschlupf. Weiterhin wird die Landschaft gegliedert sowie der Wind in seiner Stärke gebrochen.
Diese Anpflanzungen erfordern in der Regel alle 10 bis 15 Jahre einen Pflegeschnitt zur Verjüngung und zur Ausbildung von Unterholz. Dabei werden die Hecken abschnittsweise "auf den Stock gesetzt", d.h. die Sträucher und durchgewachsenen Bäume werden in etwa 30 cm Höhe abgeschnitten. So können die Pflanzen neu austreiben. Das Schnittgut wird soweit möglich in die Hecken eingebaut, um Rückzugsmöglichkeiten für Tiere gerade in der kälteren Jahreszeit zu schaffen, wenn die Sträucher unbelaubt sind.

Ein Bagger hebt Erde für die Anlage eines Kleingewässers aus. Ein großer Teil des Erdaushubs ist bereits erfolgt.

Anlage eines Kleingewässers

Durch die Anlage von Kleingewässern soll den in den Feuchtbereichen Krefelds lebenden Amphibien ein Ausgleich für die durch abgesunkenes Grundwasser trockengefallenen Senken und Gräben geboten werden. Neben der Funktion als Laichgewässer für Amphibien stellen diese auch Lebensraum für feuchteliebende Tier- und Pflanzenarten dar.

 

In den letzten Jahren sind mehrere Kleingewässer im Hülser und Latumer Bruch angelegt worden. Leider werden diese Gewässer oft als Badeseen mißbraucht. Es soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass das Betreten dieser Gewässer verboten ist, weil dadurch wertvoller Lebensraum beeinträchtigt oder gar zerstört wird.