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Eingriffe, Eingriffsregelung

Die Bedeutung der Eingriffsregelung für den Naturschutz

Was bedeutet die Eingriffsregelung für den Naturschutz?

Naturschutz und Landschaftspflege sollen die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen wie Boden, Wasser und Luft, aber auch die Pflanzen- und Tierwelt erhalten und für unsere Kinder sichern.

Veränderungen der Gestalt oder Nutzung von Grundflächen, die die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes oder des Landschaftsbildes erheblich oder nachhaltig beeinträchtigen können, werden in § 30 Landesnaturschutzgesetz NRW als Eingriffe in Natur und Landschaft definiert.

Baumaßnahmen stellen solche Eingriffe dar, da sie zu gravierenden Veränderungen der Vegetation und der Bodengestalt einschließlich der Lebensbedingungen der hier lebenden Tierwelt führen. Hierzu zählen Baumfällungen oder das Roden von Sträuchern oder Gebüschen, die Vernichtung der vorhandenen Vegetation, zum Beispiel von Wiesen oder Brachflächen und die dauerhafte Versiegelung des Bodens. Damit ist normalerweise der Verlust von Lebensräumen für die Tier- und Pflanzenwelt verbunden, da auch der Boden selbst durch zahlreiche Organismen besiedelt ist. Oft geht dann jedoch auch ein weiteres Stück Kulturlandschaft und Heimat für die dort wohnenden Menschen verloren. Weitere negative Auswirkungen wie die Zerschneidung oder Verinselung von Lebensräumen entstehen zum Beispiel durch den Straßenbau.

Ein Bagger hebt die Erde zwischen den Bäumen im Fütingsweg aus.

Umbau des Kinderspielplatzes Fütingsweg

Der Sinn der Eingriffsregelung liegt darin, erhebliche oder nachhaltige Schäden oder Beeinträchtigungen der "Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts oder des Landschaftsbildes" möglichst zu verhindern und die entstandenen Schäden zu "reparieren". Vereinfacht ausgedrückt muß zum Beispiel eine 100 m lange Hecke, die einer Baumaßnahme zum Opfer fällt, möglichst nahe an dieser Stelle wieder neu gepflanzt werden - wenn sie nicht durch Planungsänderungen, zum Beispiel Verschieben der Baugrenze ganz oder teilweise erhalten werden kann. Diese "Schadensreparatur" nennt man Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahme, während die Erhaltung von vorhandenen Biotopstrukturen, die immer zuerst angestrebt werden muss, als Vermeidungsmaßnahme bezeichnet wird. Weiterhin besteht die Verpflichtung, die Schäden wie zum Beispiel die Flächenversiegelung so weit wie möglich zu minimieren.

In der Praxis ist es jedoch nicht immer möglich, adäquate Ausgleichsmaßnahmen durchzuführen. So müsste konsequenterweise für einen Parkplatz ein gleich großes Stück versiegelten Bodens in unmittelbarer Nähe, wie zum Beispiel eine nicht mehr genutzte Straße oder Lagerfläche entsiegelt und rekultiviert werden. Aus diesem Grund behilft man sich oft damit, dass für eine ökologische Wertminderung an einer Stelle eine ökologische Wertsteigerung an einer anderen Stelle durchgeführt wird wie zum Beispiel die Bepflanzung eines Ackers mit einem Feldgehölz oder einem Wald.

Für die Durchführung und die langfristige Erhaltung der erforderlichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen hat der jeweilige Verursacher zu sorgen, d.h. dieser ist verantwortlich dafür, dass entsprechende Flächen zur Verfügung gestellt werden, auf denen er die Maßnahmen durchführt, dauerhaft pflegt und erhält. Damit folgt die Eingriffsregelung dem Verursacherprinzip, das demjenigen die Kosten aufbürdet, der den Eingriff in Natur und Landschaft verursacht hat. Meistens übertragen die Verursacher jedoch die Aufgaben an die Stadt, die sich ihre Aufwendungen aber dann vom Verursacher erstatten lässt.

Was bringt Ihnen die Eingriffsregelung?

Der Vollzug der Eingriffsregelung kommt nicht nur den Pflanzen und Tieren zugute, deren Lebensräume erhalten oder ersatzweise neu geschaffen werden können, sondern in ganz erheblichem Umfang auch den Menschen - den Anwohnern oder auch den Erholungssuchenden.

Die Anwendung der Eingriffsregelung führt dazu, dass Festsetzungen in die Bebauungspläne aufgenommen werden, die zu einer stärkeren Durchgrünung der Wohngebiete führen, wie z.B. die Anpflanzung von Hecken, Bäumen und Sträuchern, die Durchführung von Dach- und Fassadenbegrünungen oder Pflanzgebote für bestimmte einheimische Gehölze. Weiterhin führt die Anwendung der Eingriffsregelung dazu, dass möglichst wenige Flächen versiegelt werden, da zum Beispiel großflächige Pflasterungen oder "flächenfressende" Bauweisen in der Regel als "vermeidbare Beeinträchtigungen" gelten und weitgehend aus den Planungen gestrichen werden.
In Krefeld konnte durch die Anwendung der Eingriffsregelung erreicht werden, dass zahlreiche Bäume und Hecken erhalten blieben und dass mehrere Obstwiesen und zahlreiche Hecken neu angelegt sowie zahlreiche Bäume neu gepflanzt wurden.
Als Ausgleichs- bzw. Ersatzflächen wurden bisher mehrere Hektar Land in Bebauungsplänen oder durch behördliche Auflagen bei Einzelgenehmigungen festgesetzt.

Damit profitieren die Bewohner eines Baugebietes direkt von diesen Bestimmungen, da so das unmittelbare Wohnumfeld lebenswerter wird, das Stadtklima in stärker begrünten Bereichen wesentlich angenehmer ist und somit insgesamt die Lebensqualität der Anwohner aber auch der Wert der Grundstücke gesteigert wird. So sind in Krefeld die teuersten Baugrundstücke in der Nähe des Stadtwaldes zu finden, wo sich die Grundstücke oft durch umfangreichen alten Baumbestand und üppiges Grün auszeichnen.

Wie sieht das Verfahren in der Praxis aus

Ihr Ansprechpartner in Fragen der Eingriffsregelung:
Peter Noga Tel.: 02151/864423
Fax 02151/864440
E-Mail: peter.noga@krefeld.de