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Bewirtschaftung Krefelder Wälder

Wirtschaftsformen

Bedingt durch die Historie und das Vorhandensein verschiedener Waldstrukturen werden in Krefeld unterschiedliche Bewirtschaftungsformen praktiziert, die alle auf die Bedürfnisse der erholungssuchenden Menschen und den Naturschutz abgestimmt sind.

Neben der naturnahen Waldwirtschaft erfolgt die Umwandlung der Schwarzpappelhybridwälder und Roteichenwälder auf Kleinstflächen in standortgerechte Waldformen.

Die bis in die fünfziger Jahre praktizierte Nieder- und Mittelwaldwirtschaft wurde aus historischen und ökologischen Gründen 1994 wieder aufgenommen. Diese Waldformen bilden historische Nutzungsarten mit kurzen Umtriebszeiten, d.h. Entnahme des Holzes in wiederkehrenden Abständen von 10 bis 15 Jahren. Heute wird diese Wirtschaftsform aufgrund der Kulturhistorie und der erkannten ökologischen Wertigkeit für besondere Tier- und Pflanzenarten wieder belebt.
Große Bereiche des Nieder- und Mittelwaldkonzeptes sind bereits realisiert, häufig durch Entnahme der Schwarzpappelhybriden.

Einige Leute stehen in einem Mittelwald, bestehend aus Haselsträuchern und alten Eichen

Mittelwald

 

Niederwald

Früher war diese Bewirtschaftungsform auf den Niederterrassenböden weit verbreitet.
Im Abstand von 10 bis 15 Jahren wurden die Bäume, in Krefeld meistens Erlen und Eschen aber auch Haselsträucher, „auf den Stock gesetzt" (d.h. abgesägt) und nahezu vollständig genutzt. Aus den gerodeten Baumstümpfen entwickelten sich neue Triebe, die die nächste Generation bildeten.
Ende der fünfziger Jahre endete diese Bewirtschaftungsform aufgrund anderer technischer Errungenschaften wie zum Beispiel der Ölheizung. Oft erfolgte eine „Durchpflanzung" mit Schwarzpappelhybriden.
In Krefeld findet man Niederwälder wieder im Hülser und Orbroicher Bruch.

Mittelwald

Auch hier wurde der Wald im Abstand von 10 bis 15 Jahren auf den Stock gesetzt. Im Unterschied zum Niederwald durften aber einige Bäume weiter wachsen, die sich aus Samen und nicht aus schon gerodeten Baumstümpfen entwickelten. Hierbei handelte es sich meistens um Eichen. Somit erhielt man auf der einen Seite das notwendige Brennholz, auf der anderen aber auch Stammholz zur späteren Verwendung für den Hausbau etc. Zusätzlich trieb man das Vieh in den Wald, das die Eicheln als Nahrung dankend annahm. In Krefeld wurde dies ebenfalls in den Bruchlandschaften praktiziert.

Hochwald

Dieser Wald, beispielsweise Buchen- oder Pappelwald, entwickelt sich aus Naturverjüngung oder Pflanzung und darf bis in ein hohes Alter wachsen. Für Stockausschläge ist es meistens zu dunkel, sodass die Stümpfe von abgesägten Bäumen größtenteils zersetzt werden.

Naturnahe Waldwirtschaft

Die naturnahe Waldwirtschaft orientiert sich an den natürlichen Strukturen und Prozessen in Waldökosystemen und erreicht dadurch einen hohen Grad an biologischer Selbstregulation. Sie baut strukturreiche und ästhetisch ansprechende Mischwälder mit hoher Stabilität und Leistungsfähigkeit auf.

Biologische Vielfalt wird im naturnahen Wald aus verschiedenen Gründen angestrebt. An die Stelle artenarmer Monokulturen treten vielfältige Mischwälder in Abhängigkeit von den jeweiligen Standortbedingungen. Solche Wälder haben eine weitaus größere ökologische Amplitude, so dass sie mit den künftig durch den Klimawandel veränderten Anforderungen und damit einhergehendem artspezifischen Schädlingsbefall sowie Sturmereignissen besser zurechtkommen. Zudem erhöht eine breite Palette von Baumarten und Holzsortimenten die Flexibilität. In ihrer Gesamtheit ist die biologische Vielfalt für das ökologische Funktionieren des Waldes als Betriebsfaktor entscheidend. Die naturnahe Waldwirtschaft erreicht dies durch den Aufbau vielfältiger, reich strukturierter Wälder und die Einbeziehung natürlicher Prozesse. Durch integrierte Maßnahmen des Biotop- und Artenschutzes, vor allem die Erhaltung von Alt- und Totholz, schützt er bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

Die Walderneuerung erfolgt ökonomisch und ökologisch sinnvoll durch den natürlichen Samenabwurf der Bäume und trägt dadurch zur generativen Bewahrung des standörtlich angepassten Erbguts der Baumpopulationen bei.
Unter dem schützenden Kronendach des Dauerwaldgefüges sorgt ein ausgeglichenes Waldinnenklima für günstige Keim- und Aufwuchsbedingungen der Naturverjüngung. Voraussetzung ist ein funktionierender Boden- und Wasserhaushalt.

Unter alten Buchen entwickelt sich eine neue Waldgeneration, der gesamte Boden ist begrünt

Naturverjüngung der Buche im Forstwald

 

Das stetige Lichtklima des Halbschattens erzieht die Bäume zu einem feinastigen, geraden Wuchs, sofern das genetische Potential vorhanden ist. Der Wettlauf um Licht und Raum reduziert in Verbindung mit gezielten forstlichen Eingriffen die Stammzahl des Jungwuchses. Die biologische Automation wird dadurch unterstützt.

Naturwaldgemeinde des Naturschutzbundes Deutschland (NABU)

 

Die Stadt Krefeld hat sich 1996 verpflichtet, die „Kriterien zur Waldbewirtschaftung in Naturwaldgemeinden" für mindestens 10 Jahre einzuhalten.

Ziel ist es, über zeitliche Stadien einen artenreichen, stufigen, ungleichaltrigen und strukturreichen Dauerwald zu erzielen.

Um diese Ziele zu erreichen, hat die Naturverjüngung des Waldes Vorrang. Auf die Anwendung von Chemie wird verzichtet. Durch die sanfte Betriebstechnik, d.h. Einsatz von fachlich geschultem Personal, Rückepferde und angepassten Techniken wie Seilschleppern, können sich die angestrebten strukturreichen Wälder entwickeln.
Die Stadt Krefeld hat die mit dem NABU geschlossene Vereinbarung im Jahr 2006 um weitere 10 Jahre verlängert.
Die zwischen dem Naturschutzbund Deutschland und der Stadt Krefeld vereinbarten Kriterien sind unter folgendem Link beschrieben.

Naturwaldgemeinde Stadt Krefeld

Rückepferde

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war der Einsatz von Rückepferden im Wald ein natürliches Bild.
Im Rahmen der Technisierung erfolgte auch hier ein Verdrängungsprozess.
Mit den Veränderungen in der Bewirtschaftung des Waldes in Krefeld, weg von der Kahlschlagwirtschaft, hin zur naturnahen Waldwirtschaft, wurde schnell die Notwendigkeit des waldschonenden Einsatzes der Rückepferde erkannt.

Die Stadt Krefeld hat zwei Rückepferde im Einsatz. Die ersten wurden von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) gesponsert. Der letzte Neuzugang war eine Schenkung der Krefelder Firma Siempelkamp.

Die speziell ausgebildeten Tiere finden bei der Pflege der jungen und mittelalten Laubmischwälder ihren Einsatz. Sie reagieren auf bestimmte Kommandos.

Zwei Kaltblutpferde, geführt von einem Forstwirt, ziehen Holzstämme aus dem Wald

Rückepferde im Einsatz

Das bei Durchforstungen anfallende aufgearbeitete Holz wird an das Spezialgeschirr angehängt und von den Kaltblütern an Rückeschneisen bzw. Waldwege gezogen. Von diesen Stellen aus erfolgt der Weitertransport der Stämme entweder mit einem speziell dafür ausgerüsteten Traktor oder gleich mit dafür vorgesehenen LKWs. Diese Arbeitsweise verursacht eine weitaus geringere Bodenverdichtung als technisierte Verfahren mit schwerem Gerät. Mit diesem Verfahren werden nur geringe Schäden an den Waldbäumen verursacht.

Zusätzlich werden die Pferde auch für die Pflege der Reitwege eingesetzt, die sie mit Spezialwerkzeugen wieder einebnen und von unerwünschten Materialien wie Ästen und Müll befreien.

 

Kleinstflächen-Kahlschlag

Im Jahr 1993 waren 13,7 % der Gesamtwaldfläche in Krefeld mit Pappelwäldern bestockt.

Diese Waldbereiche stammen aus den Umwandlungstätigkeiten der 40er und 50er Jahre. 65% der Pappelbestände waren 1993 älter als 30 Jahre.

Schwarzpappelhybriden bilden einen Waldrand

Schwarzpappelhybriden im Hülser Bruch

 

Die Pappelwälder stehen ausschließlich im Bereich der Niederterrasse, die aus bis zu drei Meter mächtigen tonig-sandigen Schluffen über Sand und Kies besteht.
Aufgrund des geologischen Ausgangsmaterials haben sich unter Beteiligung von Klima und Relief Gleye diverser Ausprägung als Bodentypen gebildet. Durch Störungen im Wasserhaushalt, wie zum Beispiel Grundwasserabsenkungen, weisen die Bodenhorizonte häufig atypische Eigenschaften auf.

Aufgrund der Anpflanzung der Schwarzpappelhybriden zwischen 1945 und 1955 sowie der kurzen Umtriebszeit von 30 bis 50 Jahren wurde früh erkannt, dass in den 90er Jahren eine große „Pappelschwemme" eintreten würde.

Oft bilden die Schwarzpappelhybriden die einzige Baumart auf den Kleinstflächen, so dass ein Einlenken in Richtung Naturnahe Waldwirtschaft ohne Kahlschläge nicht möglich war.
Hierzu kommen die gestörten Wasserverhältnisse in den Bruchgebieten, die eine Explosion von Brombeeren und Brennnesseln verursacht und das Aufkommen von Naturverjüngung über lange Zeit verhindert haben. Auf den ehemaligen Pappelflächen erfolgte überwiegend die Anpflanzung von Schwarzerlen und Eschen.

Die Kleinstflächenwirtschaft erfolgt in Krefeld auf einer Fläche von 0,3 bis 0,5 Hektar.
Bei den Umwandlungen wird großer Wert auf die Erhaltung vorhandener Schwarzerlen und Eschen gelegt, um eine Strukturierung des Waldes zu ermöglichen, auch wenn die Eschen überwiegend stockfaul sind.

Zwei Forstwirte bearbeiten eine gefällte Pappel mit der Motorsäge Beobachtet von einem Forstwirt, legt ein mit einer Zange ausgestatteter Bagger die Pappelstücke geordnet auf einen Polter

Schwarzpappelhybrid-Nutzung

 

Die letzten Stämme werden mit einem Forwarder von einer ehemals mit Pappeln bewachsenen Fläche transportiert

Kleinstkahlfläche

 

Produkte aus dem Wald

Aus den Krefelder Wäldern werden folgende Produkte vermarktet:

 

Holz

Jedes Jahr werden ca. 3.500 Erntefestmeter Holz eingeschlagen, sortiert und verkauft. Damit werden nur 80 % des Zuwachses aus dem Wald entnommen.
Nachfolgend aufgeführte Waldprodukte werden zum Kauf angeboten und zu holzmarktüblichen Preisen veräußert.

- Stammholz
Stammholz wird in unterschiedlichen Qualitäten angeboten. Die Astigkeit und Gradschaftigkeit sowie weitere Merkmale haben für die Klassifizierung eine große Bedeutung.
Laubhölzer, wie z. B. Pappel, Roteiche, Eiche, Buche, Ahorn, oder Esche, werden den Holzkäufern in verschiedenen Güte- und Stärkeklassen zum Kauf angeboten. Das Holz wird dann in Sägewerken weiterverarbeitet, aus besonders gut gewachsenen Stämmen wird Furnier produziert.

- Industrieholz
Das sogenannte Industrieholz wird sowohl zur Papier- und Zellstoffproduktion, als auch für die Herstellung von Spanplatten benötigt. Es ist überwiegend krumm gewachsenes Holz, welches dem Markt zugeführt wird.

- Weidepfähle
Zur Begrenzung von Viehweiden werden von den Mitarbeitern der Forstabteilung Pfähle aus gespaltenen Eichen, Roteichen und Robinien hergestellt.

- Maibäume
Für Maifeiern werden Birken in den ortsüblichen Längen in geringen Mengen angeboten und auf Wunsch auch angeliefert.

 

Naturschutz im Wald

Die Integration von Naturschutzmaßnahmen wertet das Gesamtbild des Waldes auf.

Pflege und Entwicklung von Waldinnen- und Waldaußenrändern, aber auch von Feuchtbereichen und die Erhaltung von Einzelbäumen und Baumgruppen über das wirtschaftliche Alter hinaus sind wichtige Beiträge zur Stabilisierung des Ökosystems Wald.

 

Naturschutzgebiete

Latumer Bruch

Die Spey

Hülser Bruch

Egelsberg