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Legionellen im Warmwasser

Allgemeines und Vorkommen

Legionellen stellen einen natürlichen Bestandteil der Mikroflora des Grundwassers sowie der Oberflächenwässer dar. Sie werden somit in allen Wasservorkommen in kleinen Konzentrationen nachgewiesen. Ausgelöst durch eine Temperaturerhöhung kann es aber zu einem massiven Wachstum der Legionellen kommen. Die Vermehrung setzt bei Temperaturen über 20 °C ein und hat bei etwa 37 °C ihr Optimum erreicht. Bei Temperaturen zwischen 60 °C und 70 °C tritt innerhalb einiger Minuten und bei Temperaturen über 70 °C innerhalb weniger Sekunden ein Absterben ein.
In erhöhter Konzentration können sie zu der gefährlichen sog. Legionärskrankheit, eine durch Legionellen hervorgerufene schwere Form der Lungenentzündung, führen. Dem Robert-Koch-Institut in Berlin wurden im Jahr 2004 über 470 Erkrankungen gemeldet. Auf Grund der hohen Dunkelziffer ist jedoch von einer weitaus größeren Erkrankungsrate auszugehen.
Legionellen besiedeln hauptsächlich den Biofilm der hydraulisch beruhigten Peripherie der wasserführenden Leitungssysteme. Dort treten sie vergesellschaftet mit anderen Mikroorganismen auf, welche als Primärsiedler erst den Aufwuchs ermöglichen. Eine weitere Besiedlungsfläche stellen Dichtungs-ringe, z.B. in Duschköpfen, Brausen etc. dar. Das Gummi dient hier als Nährstoff. Der Kontaminationsgrad im peripheren System wird ferner von der Temperatur des Warmwasserboilers, der zur Bevorratung großer Wassermengen eingesetzt wird, in einem hohen Maße bestimmt.

Infektionsquellen

Die Infektion erfolgt nach derzeitigem Wissenstand fast ausschließlich durch die Inhalation legionellenhaltiger Aerosole (Wassernebel). In diesem Zusammenhang kommen den Klimaanlagen, Duschen, Kühltürmen, aber auch Warmsprudelbecken eine besondere Bedeutung zu. Insbesondere Warmwasseranlagen in großen Gebäuden mit Warmwasserspeicher >0,4, stellen im Gegensatz zu Kleinanlagen in Ein- und Mehrfamilienhäusern, ein Gesundheitsrisiko dar.
Die für den Menschen infektiöse Dosis ist nicht bekannt. Die in der Literatur angegebenen Schwellenwerte variieren erheblich und reichen von einigen KBE / ml bis hin zu 1.000 KBE / ml. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Neben der Legionärskrankheit, besser als Legionella - Pneumonie bezeichnet, existiert eine andere Verlaufsform, das Pontiac-Fieber (benannt nach dem Ort der ersten Epidemie). Die Legionella-Pneumonie ist eine schwere Krankheit mit z.T. erheblicher Beteiligung anderer Organsysteme. Dagegen verläuft das Ponitac-Fieber grippeähnlich ohne Todesfälle ab.

Hygienisch-mikrobiologische Untersuchungen

Um eine mögliche Kontamination eines Warmwassersystems ermitteln zu können, ist zunächst eine "orientierende" mikrobiologische Untersuchung erforderlich. Bei dieser Untersuchung wird je Steigstrang mindestens eine, an einer möglichst weit vom Trinkwassererwärmer bzw. Warmwasserspeicher entfernten Entnahmestelle sowie am Ausgang des Warmwasserspeichers, Probe entnommen. Die Probenahme erfolgt direkt aus der Entnahmearmatur ohne Hilfsmittel und ohne Abflammen, nachdem fünf bis zehn Liter Wasser abgeflossen sind.
Es sollte vorzugsweise das Wasser untersucht werden, welches weit vom Warmwasserspeicher entnommen wird. Welche Institute beauftragt werden können, kann beim Städtischen Fachbereich Gesundheit erfragt werden.
Wird eine signifikante Kontamination festgestellt, so sollten binnen 14 Tagen weiterführende Untersuchungen zur Ermittlung des Kontaminationsausmaßes durchgeführt werden. Bei extrem hohen Kontaminationen ist eine sofortige Desinfektion bzw. Nutzungseinschränkung sowie eine Sanierung angezeigt.
Wird das Wasser an Dritte abgegeben bzw. der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, so ist gemäß der Trinkwasserverordnung das Wasser aus zentralen Erwärmungsanlagen mindestens einmal im Jahr auf Legionellen zu untersuchen. Dies gilt insbesondere für Einrichtungen mit potenziell immungeschwächter Personen wie Krankenhäuser oder Altenheime. Diese Untersuchungen werden durch den Fachbereich Gesundheit überwacht und die Anlagen in regelmäßigen Abständen kontrolliert.

Einige Vorsorgemaßnahmen
  • Warmwasserspeicher mit einer Vorlauftemperatur von >60 °C in Verbindung mit Mischbatterien die vor Verbrühungen schützen.
  • Duschköpfe sollten nicht mit Feinversprühern ausgestattet sein, so dass eine erhöhte Aerosolbildung vermieden wird.
  • Duschen, die nicht täglich genutzt werden, sollten in regelmäßigen Abständen durch ca. fünfminütiges Ablaufenlassen von Warmwasser (maximale Erwärmungsstufe einstellen) gespült werden.
  • Bei Umbaumaßnahmen 'tote' Stichleitungen entfernen.
  • Weitere Empfehlungen für die Warm- und Zirkulationsleitungen sind in den Forderungen des DVGW Regelwerkes W551 (Technische Maßnahmen zur Verminderung des Legionellenwachstums) aufgeführt.
Desinfektionsmaßnahmen

Legionellen sind relativ unempfindlich gegenüber chemischen Desinfektionsmitteln. Eine Desinfektion z.B. Chlorbleichlauge ist erst oberhalb einer Konzentration von zehn mg/l freies Chlor erfolgreich. Die thermische Desinfektion setzt Temperaturen von min. 50 °C über einen Zeitraum von 20 bis 24 Stunden voraus. Die Desinfektionsdauer sinkt mit steigender Temperatur. Die Inaktivierungszeit beträgt bei 64 °C 60 bis 70 Minuten und bei 70 °C nur noch wenige Minuten (>3 Minuten). Bei diesem Verfahren muss sichergestellt werden, dass im gesamten Rohrnetz die erforderliche Temperatur gehalten wird. Alle Wassserentnahmestellen sind für min. drei Minuten mit 70 °C heißem Wasser zu spülen.
Diese Desinfektionsmethoden versprechen in der Regel nur einen kurzzeitigen Erfolg; daher sollte über weitere Sanierungsmaßnahmen nachgedacht werden. Über Art und Ausmaß der erforderlichen Sanierungsarbeiten muss nach weitergehenden Untersuchungen von Fall zu Fall individuell entschieden werden.

Und noch ein Tipp für den Urlaub

Auf Reisen in Gebiete mit geringeren Standards empfiehlt es sich, bei Bezug eines Hotelzimmers etc. heißes Leitungswasser (Dusche/Waschbecken) für ca. 10 min. durchlaufen zu lassen. In dieser Zeit sollte man sich allerdings nicht in der Nähe aufhalten, um das Aerosol nicht einzuatmen.